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Greifswald Niederdeutsch soll gestärkt werden
Vorpommern Greifswald Niederdeutsch soll gestärkt werden
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00:00 20.10.2017
Leiterin Birte Arendt, Dekan Thomas Stamm-Kuhlmann und Prorektor Steffen Fleßa bei der Eröffnung. Quelle: Foto: P.b.
Greifswald

Die Universität Greifswald übernimmt bei der Erhaltung und Wiederverbreitung der niederdeutschen Sprache in MV eine Schlüsselrolle. Das Kompetenzzentrum für Niederdeutschdidaktik in der Aula der Universität soll die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrern und Kita-Mitarbeitern verbessern und die bestehende Lehrerausbildung stärken und weiterentwickeln.

Plattdeutsche Videos

Das Zentrum präsentiert auf seiner Internetseite Videos in niederdeutscher Sprache und kürt eines als Video des Monats. Gesucht werden Ideen für die Verwendung im Unterricht und die Plattdeutschvermittlung. Einmal im Monat bekommt per Los ein Einsender ein Buch.

Das Land unterstützt das Vorhaben bis 2020 mit rund 450000 Euro. Das sei ein wichtiger Schritt „für de niederdütsche Sprak“, betonte Leiterin Birte Arendt in ihrer Rede bei der Eröffnung. Das Kompetenzzentrum ist Teil des Landesprogramms „Meine Heimat – mein modernes Mecklenburg-Vorpommern“. Von Heimat und Identität war bei der Eröffnung viel die Rede. Niederdeutsch sei wichtig für „Verheimatung“, für „Verortung auf regionaler Ebene“, schätzt Arendt ein. Aktuell gibt es im Land 62 ausgebildete Niederdeutsch-Lehrer. An sechs sogenannten Profilschulen lernen 615 Schüler die Regionalsprache.

„Verstehen und verstanden werden, das ist Heimat. Wer sich nach Heimat sehnt, ist nicht von gestern“, zitierte Bildungsstaatssekretär Steffen Freiberg aus der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 3. Oktober. Freiberg rühmte die Regionalsprache, der Goethe sinnliche Leidenschaft bescheinigt habe. Das Kompetenzzentrum sei wichtig, um das Hören, Lesen, Sprechen und Singen in dieser Sprache in der Gesellschaft zu verankern.

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität verstehe sich als Universität in der Region und für die Region und sei hier fest verankert, betonte denn auch Prorektor Steffen Fleßa. Dazu gehöre die Sprache der Menschen, die hier leben.

Mit ihrem Ostseeraumschwerpunkt sei die Uni Greifswald der richtige Ort für das Niederdeutsch-Zentrum, befand der Dekan der Philosophischen Fakultät, Thomas Stamm-Kuhlmann. Denn Niederdeutsch war die Sprache der Hanse, wurde vom gebildeten Bürgertum verwendet. „Eine wichtige Rolle der Sprache könnte sein, dass sie den gesamten deutschen Norden verbindet.“ Ein Gegenentwurf zur geläufigen Trennung in Ost und West. Das neue Zentrum kann auf mehreren Greifswalder Traditionen aufbauen, verdeutlichte Birte Arendt. Seit 1925 sei in der Stadt das Pommersche Wörterbuch zu Hause. Ferner gab es in Greifswald mit Renate Herrmann-Winter ab 1992 sogar eine Niederdeutsch-Professorin, die schon erste Schritte auf dem Weg zur Einführung als Schulfach gegangen sei. Der Lehrstuhl wurde nach der Emeritierung Herrmann-Winters 1998 nicht wieder besetzt. „Seit 1993 kann man ohne Unterbrechung in Greifswald Niederdeutsch als eigenständiges Fach studieren“, so Arendt weiter. „Wir fangen nicht bei Null an.“ Über 80 Lehrer seien schon weitergebildet worden. Seit drei Jahren gebe es ferner für die Forschung eine Arbeitsgruppe mit Rostocker und Berliner Kollegen. „2018 wird es mit Unterstützung des Krupp-Kollegs eine internationale Tagung zu Niederdeutsch in der Schule geben“, kündigte die Leiterin an. Noch verliere Niederdeutsch als Alltagssprache an Bedeutung. Um den Trend zu stoppen, setzt das Zentrum auch auf ALWiNE, die Ankibasierte Lernplattform zur Wortschatzermittlung im Niederdeutsch-Erwerb. Anki ist ein Sprachlernprogramm. Auf der Internetseite des Zentrums können rund 3000 Vokabeln sowie 60 Audiodateien mit Redewendungen und Schnacks heruntergeladen werden.

Info: https://germanistik.uni-greifswald.de/institut/arbeitsbereiche/kompetenzzentrum-fuer-niederdeutschdidaktik/

Eckhard Oberdörfer

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