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Greifswald Nord Stream 2: Angst vor dem Aus bleibt
Vorpommern Greifswald Nord Stream 2: Angst vor dem Aus bleibt
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02:18 13.12.2017
Damit der Beton auf den nackten Stahlröhren hält, wird ihnen im ersten Schritt ein Gitter aus Metall übergestülpt. Quelle: Foto: Norbert Fellechner

Gänzlich unbeirrt von der europaweiten Diskussion um die Notwendigkeit einer zweiten Nord-Stream-Pipeline werden in Sassnitz nach wie vor Rohre ummantelt. Der Beton rundherum soll das Gewicht der zwölf Tonnen schweren und zwölf Meter langen Elemente auf 24 Tonnen verdoppeln – damit die rund 1200 Kilometer lange Pipeline, die die einzelnen Segmente spätestens im Jahr 2019 bilden sollen, sicher auf dem Ostseegrund liegt.

Dänemark hat ein Gesetz erlassen, um mehr Einfluss auf den Bau des zweiten Stranges der Nord-Stream- Pipeline zu haben. Auch in der EU wächst die Zahl der Kritiker. Die Teilgenehmigung der deutschen Behörden könnte vor allem politisch Bedeutung haben. Was

Die Arbeiten im Ummantelungswerk im Fährhafen Sassnitz Mukran laufen im Akkord. Während Mitte September noch 3200 Rohre umhüllt waren, sind dort inzwischen rund 60000 bearbeitet worden. Damit sind bereits zwei Drittel der Gesamtproduktion vor Ort erfüllt. 110000 weitere Röhren entstehen im finnischen Kotka, wo die Herstellerfirma Wasco ein zweites Werk betreibt. 650 Millionen Euro kostet das Verfahren für alle 200000 Segmente. Fast 400 Menschen sind mit der Ummantelung in Sassnitz beschäftigt. Keine dauerhaften, aber vernünftig bezahlte befristete Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen, sollten die politischen Hürden für Nord Stream so hoch gelegt werden, dass das Projekt doch noch scheitert.

„Grundsätzlich sehen wir für derartige Gedanken keinen Anlass“, sagt Nord-Stream-Sprecher Steffen Ebert sofort, wenn man ihn danach fragt, was ein Ausstieg aus dem Projekt für Vorpommern bedeuten würde. Am liebsten will Ebert das Thema gleich im ersten Atemzug abwürgen. Dann lässt er sich doch ein. Es seien bereits Verträge mit einem Volumen von rund 4,7 Milliarden Euro abgeschlossen worden.

„Mehr als 670 Unternehmen aus 25 Ländern profitieren bereits heute von diesen Aufträgen. 60 Prozent der Rohre sind inzwischen geliefert und trotz politischer Störfeuer laufen die nationalen Genehmigungsverfahren in Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland entsprechend dem Plan“, sagt er. Immerhin kommt ihm das Wort „Störfeuer“ über die Lippen, zumindest ein kleiner Hinweis darauf, dass Nord Stream die politische Entwicklung intern vielleicht doch nicht so gelassen hinnimmt, wie es den Anschein erweckt. „In Deutschland wären rund 10000 Arbeitsplätze im Investitionszeitraum von fünf Jahren betroffen“, zählt Ebert die Argumente weiter auf. Dauerhafte Jobs in Vorpommern schafft die Gazprom-Tochter indes nur wenige. Am geplanten Anlandepunkt in Lubmin, wo bereits seit sechs Jahren russisches Gas aus der ersten Pipeline in zwei kontinentale Pipelines weitergeschleust wird, arbeiten für Nord Stream drei Menschen zu „durchaus guten Konditionen“, wie Ebert hervorhebt. Zehn weitere seien dort bei dem Betreiberunternehmen der Landpipelines angestellt. Kommt die Nord Stream 2, werde sich die Zahl dieser Mitarbeiter ungefähr verdoppeln.

Auch wenn das Bergamt Stralsund bereits Anfang November eine Teilgenehmigung für den Bau der Pipeline erteilt hat, ist das Projekt damit längst nicht gesichert. Zunächst muss hier in Deutschland als zweite Behörde das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie entscheiden. Die „Störfeuer“ wie Ebert sie nennt, kommen derzeit vor allem vonseiten der EU und aus Dänemark.

Zuletzt hatte die EU-Kommission eine Initiative für neue Auflagen zum Betrieb der Gasleitung gestartet. Damit müsste das Projekt etliche Bedingungen des sogenannten dritten Energiepaketes erfüllen.

Demnach darf ein Gaslieferant nicht gleichzeitig auch Betreiber einer Leitung sein. Zudem müssten auch andere Anbieter Zugang zu der Pipeline bekommen. Der Vorschlag der Kommission muss aber zunächst von den Mitgliedsstaaten gebilligt werden.

Die Pipeline wird von mehreren osteuropäischen Ländern vehement abgelehnt. Zudem hat Dänemark inzwischen die gesetzliche Grundlage dafür gelegt, das Projekt in den eigenen Hoheitsgewässern zu stoppen. Für diesen Fall behält Nord Stream sich vor, den Verlauf der Trasse zu ändern. Bei der Produktion der Rohre sei dafür Ebert zufolge bereits eine kleine Reserve vorgesehen worden, falls die Trasse durch die Änderung länger werde als geplant.

Eine weitere mögliche Schwierigkeit für das Projekt war zuletzt in den geplatzten Jamaika-Verhandlungen sichtbar geworden, sie scheint sich aber mit den nun ersten greifbaren Fortschritten des Genehmigungsverfahrens in Deutschland wieder aufzulösen. Auch in den Sondierungen war der Pipeline-Bau ein Streitthema. Über ein bereits genehmigtes Projekt brauchen die zukünftigen Koalitionäre, wie auch immer das Bündnis dann aussehen wird, indes nicht mehr zu diskutieren.

Benjamin Fischer

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