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Greifswald Nord Stream 2 klärt sein Umwelt-Problem
Vorpommern Greifswald Nord Stream 2 klärt sein Umwelt-Problem
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00:00 11.10.2018
Die „Castoro 10“ – hier beim Bau der ersten Ostsee-Pipeline im Jahr 2010 – ist derzeit genau wie die „Audacia“ vor der deutschen Küste im Einsatz, um die zweite Erdgas-Trasse von Russland nach Lubmin bei Greifswald zu verlegen. Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa
Greifswald

Während der Pipelinebauer Nord Stream 2 vor der deutschen Küste mit zwei Spezialschiffen die Ostseepipeline verlegt, laufen an Land die Maßnahmen für den beauflagten Umweltausgleich. Als Kompensation für den Eingriff in den küstennahen Gewässern wollte Nord Stream 2 zunächst großflächig auf der Insel Rügen Acker- in Grünland umwandeln. Dies hatte zu erheblichen Protesten von Landwirten geführt (die OZ berichtete). Unter dem öffentlichen Druck und angesichts des selbst gesteckten ambitionierten Zeitplans sah sich Nord Stream 2 veranlasst, alternative Maßnahmen zu suchen und vorzulegen – zumal die betroffenen Landwirte mit einer Klage gedroht hatten.

Als Ausgleich für den Bau der zweiten Ostseepipeline erhalten vier Klärwerke Vorpommerns Zusatzfilter / Dadurch sollen jährlich viele Tonnen Nitrat und Phosphor weniger in den Greifswalder Bodden laufen

Das Bergamt Stralsund beauflagte den Pipelinebauer mit seiner Genehmigung vom 31. Januar, Ökopunkte für die bereits erfolgten Renaturierung der Fischlandwiesen zu erwerben und den Polder Bargischow zu vernässen. Weitere Auflage war die Aufrüstung von vier Klärwerken rund um den Greifswalder Bodden. Die Klärwerke in Bergen und Göhren auf Rügen sowie in Stralsund und Greifswald sollen Zusatzfiltrationen erhalten, um den Nitrat- und Phosphoreintrag in die Boddengewässer zu minimieren. „Die Entwurfsplanung für die vier Standorte wurde inzwischen abgeschlossen“, sagte NordStream 2-Sprecher Steffen Ebert. Nächste Schritte seien nun die Ausführungsplanung und die Vergabe von Technik- und Bauleistungen.

Bis Ende 2019 sollen – so die Aussage von Nord Stream 2 – die Systeme in allen vier Klärwerken in Betrieb genommen werden. Rund 70 Tonnen Nitrat und drei Tonnen Phosphor werden nach Angaben des Pipelinebauers so jährlich weniger über die besser geklärten Abwässer in Boddengewässser und damit in die Ostsee gelangen.

Der Umweltverband WWF hält es für generell problematisch, dass die technische Aufrüstung eines Klärwerks als Naturkompensation gewertet wird. „Eigentlich stehen dafür Kommunen und Abwässerverbände in der Verantwortung“, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. „Wir sind aber leider mit unserer Argumentation beim Bergamt nicht durchgedrungen.“ Die Maßnahme an sich, durch Zusatzfiltration den Nährstoffeintrag zu reduzieren, sei aber generell als effektiv einzustufen, räumte Lamp ein.

Am weitesten gediehen sind die Arbeiten in den Klärwerken des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR). „Im Klärwerk Bergen hat bereits der Abriss der alten Nachklärung begonnen, um Platz für die Zusatzfiltration zu schaffen“, sagte der technische Leiter des ZWAR, Karsten Kröger. In der Zusatzfiltration würden die Nährstoffe über einen sogenannten Sandfilter abgebaut.

In den beiden Klärwerken in Stralsund und Greifswald werden die Arbeiten Anfang 2019 beginnen. Dort plant man zusätzlich zur Zusatzfiltration Investitionen in die Denitrifikation. Bei diesem Prozess werden die in Nitraten gebundenen Stickstoffe in molekulare Stickstoffe und Stickoxide umgewandelt. Diese „untätigen“ Stickstoffe entweichen in die Atmosphäre, gelten dann nicht mehr als umweltrelevant. Bei der REWA Stralsund (Regionale Wasser- und Abwassergesellschaft Stralsund mbH ) sieht man das Nord-Stream 2-Vorhaben positiv. Das Projekt nütze der Umwelt. Zudem sei die Zusatzfiltration eine zusätzliche Investition, die die REWA nicht in Planung hatte, sagte der für Abwässer zuständige Ingenieur Thomas Scharlau.

Nord Stream 2, das rund 9,5 Milliarden Euro in den Bau der 1200 Kilometer langen Ostseepipeline investiert, hat für die Umweltmaßnahmen in Deutschland rund 40 Millionen Euro veranschlagt. Mit der Aufrüstung der Klärwerke, dem Erwerb von Ökopunkten für die von der Landgesellschaft vorfinanzierte Renaturierung der etwa 488 Hektar großen Fischlandwiesen und mit der Vernässung des Polders Bargischow wären die Genehmigungsauflagen erfüllt. „Der Kompensationsbedarf für Bau und Betrieb der Pipeline ist damit komplett abgegolten“, sagte Nord Stream 2-Sprecher Ebert.

Geplante Verminderung des Nährstoffeintrags pro Jahr:

Klärwerk Göhren: 3 Tonnen Nitrat, 0,2 Tonnen Phosphor

Klärwerk Bergen: 16 Tonnen Nitrat,0,4 Tonnen Phosphor

Klärwerk Greifswald: 21 Tonnen Nitrat, 0,6 Tonnen Phosphor

Klärwerk Stralsund: 31 Tonnen Nitrat, 1,8 Tonnen Phosphor

Bau der zweiten Pipeline ist international umstritten

Die Nord Stream 2 verläuft weitgehend parallel zur ersten Ostseepipeline, die 2011 in Betrieb ging. Die etwa 1200 Kilometer lange Trasse verfügt wie die erste Pipeline über eine Transportkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr.

Ihr Bau ist international umstritten: Polen und die Ukraine fürchten den Verlust von Transitgebühren, die USA warnen Westeuropa vor einer Abhängigkeit von Russland und drohen mit Sanktionen gegen an der Finanzierung beteiligten Unternehmen.

Das Projekt ist bis auf Dänemark in allen Ländern genehmigt. Die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 hat in deutschen und finnischen Gewässern bereits 100 Kilometer Rohre verlegt und will Ende 2019 die Leitung in Betrieb nehmen.

Martina Rathke

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