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Nordeuropas älteste Kamelie steht im Botanischen Garten

Greifswald Nordeuropas älteste Kamelie steht im Botanischen Garten

Genetische Studie brachte sensationelle Ergebnisse / Greifswalder Exemplar ist mit drei anderen Pflanzen des 18. Jahrhunderts in Pillnitz, Portugal und Italien verwandt

Greifswald. Im Kalthaus des Botanischen Gartens steht eine Rarität: „Die Greifswalder Kamelie ist eine der ältesten in ganz Europa“, sagt Experte Ehrenfried Weidauer. Über 200 Jahre alt ist diese Camelia japonica. Genau wie drei andere Exemplare in Deutschland, Portugal und Italien stammt sie aus dem 18. Jahrhundert und wurde aus Stecklingen der gleichen Mutterpflanze gezogen. Das haben genetische Untersuchungen der Technischen Universität Dresden ergeben. Wahrscheinlich ist die Greifswalder Kamelie sogar die älteste in Nordeuropa.

 

OZ-Bild

Thoralf Weiß und Ingrid Handt haben viel Wissenswertes über die Kamelie im Botanischen Garten an der Münterstraße herausgefunden.

Quelle: Peter Binder

Wie Thoralf Weiß vom Botanischen Garten informiert, importierte der Botanikprofessor Johann Quistorp 1791 eine Kamelie mit weiteren 72 Pflanzen aus England. In den leider nur bis 1802 und dann wieder ab 1960 geführten Bestandsverzeichnissen ist sie regelmäßig aufgeführt. Auch in einem Herbarium von 1873 findet sich ein Beleg für die derzeit von einem roten Blütenmeer umgebene Pflanze. Das Porzellanschild für die Kamelie soll um 1900 entstanden sein.

Im 18. Jahrhundert stand die Pflanze in einem Gewächshaus zwischen Unihauptgebäude und Wall, dem damaligen Botanischen Garten. In ihrem Pflanzkübel wurde sie dann Ende des 19. Jahrhunderts zum heutigen Standort des Botanischen Gartens an der Münterstraße gebracht.

Regelmäßig wird die Kamelie beschnitten. Ab dem 11. Mai kann die inklusive Kübel 3,50 Meter hohe botanische Rarität im Freilandbereich an der Münterstraße wieder besichtigt werden — leider ist sie dann schon verblüht. „Wir bräuchten ein bewegliches Haus wie es im Pillnitzer Schlossgarten vorhanden ist“, meint der Botanikprofessor und Gartendirektor Martin Schnittler.

Dort steht die wohl berühmteste deutsche Kamelie. Sie ist mit etwa neun Metern Höhe und elf Metern Durchmessern das größte Exemplar nördlich der Alpen und wirbt wie die portugiesische und italienische Konkurrenz gern mit dem Superlativ „Älteste Kamelie Europas“. Bisher hieß es immer, dass die Pflanze aus Japan über England nach Pillnitz gelangte. Angeblich hatte Carl Peter Thunberg vier Exemplare von einer Asienreise mitgebracht. Der schwedische Naturforscher gilt als Pionier der Erforschung der japanischen Pflanzenwelt in der Neuzeit. Christian Striefler, Geschäftsführer des Staatsbetriebs der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsens, wollte es genauer wissen. Er beauftragte die Untersuchung. „Herr Striefler war hier und hat uns um eine Probe gebeten“, erzählt Weiß.

Die Thunberg-Legende ist nun widerlegt. Die Kamelien stammen auch nicht aus Japan, die Herkunft bleibt noch unbekannt. Die Untersuchung von Proben der Exemplare aus Caserta bei Neapel, aus Campo Bello bei Porto, aus Pillnitz, aus Greifswald und aus Sammlungen zeigen: Das Erbgut der portugiesischen, der italienischen und der beiden deutschen Kamelien ist identisch.

Allerdings steht im Botanischen Garten Greifswald nicht mehr das ursprüngliche Exemplar. Kamelien lassen sich durch Stecklinge vermehren, das war auch hier der Fall, die Pflanzen werden sozusagen geklont. Es wird vermutet, dass die seit 2008 im Kalthaus stehende Pflanze etwa 100 Jahre alt ist. Die Bedeutung der Kamelie liege daher nicht im Alter, sondern in ihrer genetischen Reserve, schätzt die Technische Leiterin des Gartens, Ingrid Handt, ein.

Daten zur Kamelie

1692wurde eine Kamelie erstmals erwähnt. 1777bot Conrad Lodiges ungefüllte Kamelien, wie sie in Pillnitz und Greifswald stehen, zum Verkauf an. Viel spricht dafür, dass das Greifswalder Exemplar von ihm stammt. Sicher ist der Import aus England. Die Kamelie wechselte im Laufe der Jahre mehrfach den Standort und wurde zuletzt 2008 beim Umzug ins jetzige Haus stark beschnitten.

Von Eckhard Oberdörfer

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