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Greifswald Notfall-Fonds für eine warme Mahlzeit
Vorpommern Greifswald Notfall-Fonds für eine warme Mahlzeit
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00:00 12.04.2013
Manche Kinder bekom- men nicht einmal Frühstück.“Marion Lemke, Schulsozialarbeiterin Arndtschule
Greifswald

Kinder mit knurrendem Magen im Unterricht. Das gibt es nicht nur in der Dritten Welt, sondern leider auch in und um Greifswald. „Mittags im Essensraum sehe ich Schüler, die sich zu zweit eine Mahlzeit teilen oder aber verstohlen auf essende Mitschüler blicken. Da blutet einem das Herz“, offenbart Marion Lemke, Schulsozialarbeiterin in der Arndtschule.

Tausende Familien im Landkreis Vorpommern-Greifswald stellten deshalb 2012 einen Antrag auf Unterstützung aus dem staatlich geförderten Bildungs- und Teilhabepaket. Mit dem wird u.a. Schulbedarf gefördert. 17 400 Bewilligungen registrierte die Verwaltung insgesamt. Das Gros der Beträge jedoch wurde laut Sozialamtsleiter Gerd Hamm für die Finanzierung des Schulessens verwendet. Und trotzdem bekommen nicht alle ein Mittag: Die Eltern können den einen Euro Eigenanteil nicht aufbringen.

Aus diesem Grund will die Hansestadt mit Partnern einen Notfall- und Krisenfonds einrichten. Damit soll der vor fünf Jahren initiierte Kindermittagstisch neu aufleben. Das Projekt lief Ende 2011 wegen der Einführung des Bildungs- und Teilhabepaketes aus, erinnert Gleichstellungs- und Familienbeauftragte Ines Gömer.

Aber die Hoffnung ging nicht auf: Da es manchen Familien in verschiedenen Problemlagen nicht möglich sei, den einen Euro zu der zwischen zwei und drei Euro kostenden Mahlzeit beizusteuern, setzten die Initiatoren des Projekts den Mittagstisch 2012 fort. Mehr als 60 Mädchen und Jungen nutzen derzeit noch immer das Angebot. Machbar nur, weil aus Vorjahren Spenden von Unternehmen und Essenspaten übrig blieben.

Doch das Geld wird im Sommer aufgebraucht sein. „Das heißt, wir benötigen neue Spenden und bauen deshalb wieder auf die Hilfe der Greifswalder“, appelliert Ernst- Hinrich Ballke vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) an alle früheren Partner und neuen Förderer. Der DKSB ist neben der Hansestadt, dem Deutschen Roten Kreuz und dem Jugendfreizeitzentrum Takt Betreiber des Projekts. In dessen Genuss sollen weiterhin vorwiegend jene Schüler kommen, die Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket haben. Allerdings wolle man die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Im Klartext:

„Auch wer sich in einer schwierigen Lage befinde, muss trotzdem den Antrag auf die Mittagsversorgung für sein Kind stellen“, sagt Ines Gömer. Somit würde zunächst die staatliche Förderung greifen.

Und erst dann übernehme der Kindermittagstisch den Rest. „Das bedeutet: Die Eltern bekommen den Euro nicht in die Hand“, so Gömer. Die Schulsozialarbeiter beziehungsweise die Schul- oder Hortleiter geben monatlich eine Empfehlung, wer am Kindermittagstisch teilnehmen sollte. „Die Entscheidung über die Unterstützung fällt dann monatlich die Trägerrunde“, stellt Ines Gömer klar. Was nicht ausschließe, dass alles sehr schnell gehe. Die Versorgung selbst erfolge in den jeweiligen Schulen.

Doch das gesamte Projekt beinhaltet weit mehr als nur eine warme Mahlzeit: Die Initiatoren wollen Kindern mehr Wissen über gesunde Ernährung vermitteln. Beispielsweise mit einem dreitägigen Aufenthalt auf dem Landwerthof — wie 2012. „Im Sommer wollen wir wieder mit 15 Kindern dorthin“, berichtet Anke Wiemer, Schulsozialarbeiterin in der Greifschule. Die Kinder seien damals begeistert gewesen. Vor allem, weil es dort „reichlich zu essen gab“, sagt Anke Wiemer.

Ihre Kollegin Marion Lemke bringt morgens manchmal Milch und Äpfel für die Kinder mit. Doch regelmäßig Schulstullen für hungrige Münder zu schmieren, gebe leider auch ihr privates Budget nicht her, erzählt sie. Und es klingt fast wie eine Entschuldigung.

Kindermittagstisch

58 000 Essen wurden in der Vergangenheit vom Kindermittagstisch ausgegeben.

74 Familien wurden durchschnittlich pro Jahr auf diese Weise unterstützt.

Spenden für den Notfall-Fonds: DKSB, Konto 23 100 38 38 bei der Sparkasse Vorpommern , BLZ 150 505 00

Petra Hase

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