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Greifswald Peter Binder geht in den Ruhestand
Vorpommern Greifswald Peter Binder geht in den Ruhestand
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18:39 11.01.2019
Ein Hoch auf Peter Binder (Mitte). Gestern wurde er im Greifswalder OZ-Haus feierlich verabschiedet. Mit dabei: Jan-Peter Schröder, Chef vom Dienst, Museologe Mario Scarabis, Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder, NDR-Redakteur Martin Haufe, Cornelia Meerkatz, Leiterin der Lokalredaktion auf Usedom, Thomas Pult, stellvertretender Chefredakteur sowie Vera Wollschläger, frühere OZ-Sekretärin (v.l.) Quelle: Petra Hase
Greifswald

 Ob strömender Regen oder strahlender Sonnenschein. Ob Demos oder Kanzlerbesuche, Grundsteinlegungen, Richtfeste oder Einweihungsfeiern, Firmenjubiläen, Kommunalwahlen oder Feierlichkeiten an der Universität ... Kein Ereignis von öffentlichem Interesse in Greifswald, das Peter Binder in den vergangenen Jahrzehnten nicht mit seiner Kamera für die OSTSEE-ZEITUNG festhielt. Das ist nun Geschichte. Mit fast 80 Jahren verabschiedet sich der stadtbekannte Pressefotograf in den Ruhestand. Eine Ära geht zu Ende. Der Peter – er wird uns fehlen!

Es war die Lust am Fotografieren und das Bestreben, ständig den Puls der Zeit zu spüren. Schon in jungen Jahren zog der gebürtige Stettiner mit seiner Exa 1a durch die Straßen der Stadt. Die erste Spiegelreflexkamera – ein Geschenk seiner Eltern. Wie viele wohl im Laufe der Jahre durch seine Hände gegangen sind? Fakt ist, 1967 veröffentlichte Peter Binder seine ersten Fotos als Volkskorrespondent. Als Angehöriger der Betriebsfeuerwehr des Kernkraftwerkes „Bruno Leuschner“ in Lubmin hatte er eine Sondergenehmigung, überall auf dem Gelände zu fotografieren. Seine Bilder erschienen in der Betriebszeitung, wenig später auch in der OZ. Mit dem Job war es nach dem politischen Umbruch passé. Ein Glücksfall für unsere Heimatzeitung, die fortan verstärkt auf seinen fotografischen Blick bauen konnte. Redakteure kamen und gingen – Peter Binder blieb. Er wurde zum Gesicht der OSTSEE-ZEITUNG, den jeder kennt. Ein Fotograf, der sich nie groß in den Vordergrund drängte – außer für ein gutes Motiv.

Nie vergessen werde ich die Dienstreise mit Peter Binder nach Weißrussland. Die OZ Greifswald hatte die Leser zur OZ-Weihnachtsaktion 1996 gemeinsam mit dem Tschernobylhilfe-Verein zu Spenden für Dobrusch aufgerufen. Die Einwohner jener Stadt, etwa 180 Kilometer von Tschernobyl entfernt, litten noch immer unter den Folgen der Reaktorkatastrophe von 1986. Die Klinik brauchte dringend ein Ultraschallgerät – für Vorsorgeuntersuchungen aller Kinder auf Schilddrüsenkrebs. Und die Greifswalder spendeten: über 72000 D-Mark! Am 15. Dezember machten wir uns gemeinsam mit Vereinsmitgliedern, dem Medizingerät und hunderten Päckchen auf die weite Reise. 30 Stunden brauchten wir mit dem Bus. Doch die Strapazen waren vergessen, als uns die vielen Kinder in Dobrusch bei klirrender Kälte in Empfang nahmen. Peter und ich genossen gemeinsam die Gastfreundschaft einer Familie, kochten, aßen und scherzten mit Valentina und Jakob und lernten sogar die Vorzüge ihrer urigen Sauna mit einem Bad im Schnee kennen.

Peter Binder, das ist für mich Greifswalder Geschichte im Lebend-Format – und zwar immer mit dem Fotorucksack auf dem Rücken. Der Mann weiß irgendwie alles und hat in Greifswald schon jeden Stein einmal umgedreht“, sagt Cornelia Meerkatz, Leiterin der OZ-Lokalredaktion Usedom. Als sie noch in Greifswald arbeitete und mit Peter zu Fuß unterwegs war, ging das nur mit ständigem Grüßen: Denn ihn kennt jeder! Seine Kondition – legendär. Denn obwohl er auf die 80 zugeht, stiefelte er bis zuletzt mit flottem Tempo von Termin zu Termin. „An eine Begebenheit erinnere ich mich ganz besonders“, so Meerkatz. „Wir waren bei einer Jubilarin, die ihren 103. Geburtstag feierte. Sie hatte ein ausgesprochen fröhliches Gemüt, sang, pfiff, trank Sekt, erzählte aus der Jugend und strahlte dabei Peter an. Der lobte ihren Gesang und lachte mit ihr. Plötzlich fragte die betagte Dame, ob der junge Mann da (Peter) nicht öfter vorbeikommen könne, sie könnten dann ja gemeinsam singen. Peter wusste nicht, wie ihm geschah. Ich erklärte der Frau, dass Peter bei uns in der Redaktion unabkömmlich sei. Die Jubilarin meinte daraufhin trocken zu Peter: ,Das ist nicht gut. Dass mit den vielen Aufträgen für Sie treiben sie der da mal aus!’ – und zeigte auf mich.“

Über Erinnerungen ganz anderer Art erzählt Eckhard Oberdörfer: „Wir haben ab 2005 gemeinsam Bücher für die Sardellus Verlagsgesellschaft über Greifswald, die Universität, das Kernkraftwerk und mit Kurt Feltkamp zusammen über die Freester Fischerteppiche inhaltlich verantwortet.“ Die Bücher haben viele Interessenten gefunden, nicht nur in der Hansestadt. „Das ist vor allem Peter Binder zu verdanken, das heißt den Bildern aus seinem riesigen Archiv und den gekonnt in Szene gesetzten neuen Aufnahmen. „Unglaublich, was er auf DVD oder USB-Stick mitbrachte, ich habe jedes Mal gestaunt. Und wer liest schon gern viel Text?“ Die Fotos sind entscheidend –und die lieferte Peter Binder.

„Über 50 Jahre bei der OZ – ich kann es selber kaum glauben. Die Zeit ist rasend schnell vergangenen. Und es hat immer Spaß gemacht“, sagte er gestern auf der Abschiedsfeier mit Kollegen und Wegbegleitern.

Nach über 50-jähriger Pressearbeit für die OSTSEE-ZEITUNG wurde Peter Binder am 11. Januar in den Ruhestand verabschiedet.

Petra Hase