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Greifswald Offenes Ohr für Probleme von Kindern
Vorpommern Greifswald Offenes Ohr für Probleme von Kindern
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00:01 12.11.2016

Jungs im Grundschulalter messen gern mal ihre Kräfte. Mädchen führen hin und wieder Zickenkrieg. „Dabei wollen sie sich eigentlich gar nicht zanken und sind meistens schnell bereit, selbst eine Lösung für ihr Problem zu finden“, weiß Marianne Jakowski. Die Greifswalderin spricht aus Erfahrung. Arbeitet sie doch gemeinsam mit Marta Krauss seit September als Streitschlichterin an der Martin-Andersen-Nexö-Grundschule. Das Besondere an ihrem Job: Er ist ehrenamtlich und sie beide agieren im Ruhestand.

Die beiden Frauen sind „Seniorpartner in Schulen“ – kurz SiS genannt – und damit Teil eines großen Netzwerkes. Das vom Bund seit Jahren geförderte und mehrfach ausgezeichnete Projekt nahm in der Hansestadt erst 2015 seinen Anfang. Greifswalder Frauen suchten damals nach einer sinnvollen Beschäftigung im Ruhestand, als sie von dem Streitschlichterprojekt für Senioren in anderen Bundesländern hörten. MV war damals noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der Seniorpartner. Doch das änderte sich schnell dank des Engagements von Maria Lebek, die mittlerweile Vorsitzende des neu gegründeten Landesverbandes ist. Die 68-Jährige wirbt vehement für diese ehrenamtliche Tätigkeit, der eine Ausbildung vorausgeht. Eine Tätigkeit, „von der alle Seiten profitieren“, sagt Lebek. Das spricht sich herum: In Greifswald arbeiten nun schon acht Mediatoren an drei Grundschulen – in der Regel an einem Tag pro Woche.

„Im Falle eines Streits zwischen Kindern geben wir keine Lösung vor, sondern zeigen ihnen Wege auf, damit sie diese selbst finden“, sagt Marianne Jakowski. Auf diese Weise, so die 60-Jährige, würden die Schüler lernen, mit Konflikten umzugehen. Doch nicht immer sei ein Problem schnell ausgeräumt. Es gebe auch Kinder, die einen schweren Rucksack an Sorgen mit sich herumtragen. Etwa dann, wenn Eltern sich trennten. „Da hilft es oft, einfach zuzuhören, sich für das Kind Zeit zu nehmen“, sagt Jakowski. Marta Krauss (67) ergänzt: „Manchmal haben sie einfach niemanden, der ihnen zuhört, was sie auf dem Herzen haben.“ Ein Mädchen etwa komme jeden Mittwoch zu ihnen. „Sie will einfach nur, dass jemand sie lieb hat“, sagt Jakowski.

Bei den Lehrern kommen die Seniorpartner an. „Das ist eine großartige Sache“, sagt Schulleiterin Katrin Schmidt. Da die Großelterngeneration traditionell einen guten Zugang zur Enkelgeneration habe, „bauen die Kinder oft schnell Vertrauen zu ihnen auf“, wertschätzt Schmidt das Engagement von Krauss und Jakowski. Damit würden sie außerdem hervorragend die Arbeit des Schulsozialarbeiters Erik Hinneburg ergänzen. Der 29-Jährige sieht das auch so: „Die beiden Frauen sind eine echte Bereicherung für unsere Schule. Sie haben einen ganz anderen Blick auf die Dinge und bringen die nötige Ruhe mit, sich auf die Kinder einzulassen.“

Vier bis fünf Stunden sind die Streitschlichter in der Regel pro Woche an der Schule. Sie agieren nie allein, sondern immer im Zweier- team. Auch die Greif- und die Weinertschule können auf Seniorpartner bauen. „Doch wir drängen uns niemandem auf, gehen nur dorthin, wo wir auch erwünscht sind“, betont Maria Lebek. Sie träumt davon, den Pool der Schulmediatoren in Greifswald, aber auch im Land zu erweitern. Im Frühjahr beginnt deshalb eine neue Ausbildung für Interessenten, finanziert vom Bundesverband. Sie umfasst insgesamt 80 Stunden, verteilt auf dreimal drei Tage im April, Mai und Juni.

Marianne Jakowski, die früher bei einer Krankenkasse gearbeitet hat, kann nur gut zuraten: „Ich wollte etwas für andere tun, etwas Sinnvolles leisten, was auch mich wiederum bereichert“, erklärt die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Oma von zwei Enkeln. Die Arbeit mit den Grundschülern erfülle genau diese Vorstellungen. Marta Krauss kann sich dem nur anschließen: „Früher hatte ich keine Zeit für ein Ehrenamt“, sagt die Diplomingenierin, „jetzt schon.“ Und nach ihrer Hospitation bei den ersten Streitschlichtern an der Greifschule sei klar gewesen: Das ist es!

Petra Hase

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