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Greifswald Oma und Opa für alle Fälle
Vorpommern Greifswald Oma und Opa für alle Fälle
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14:57 10.08.2018
Elke und Uwe Lübstorf mit dem „Wunschenkel“ Luca. Der sechsjährige war das erste Mal bei seinen „Wunschgroßeltern“ zu Besuch. Insbesondere der große Teich mit seinen Fröschen im Garten des Ehepaars hatte es dem Jungen angetan. Quelle: Anne Ziebarth
Greifswald

Was für ein aufregender Tag liegt hinter dem sechsjährigen Luca. Erst ein Ausflug zur Burg Klempenow, dann in die Loitzer Badeanstalt und schließlich Abendessen im großen Garten seiner Großeltern in Loitz: Nudeln mit Tomatensauce! Luca streckt die Ärmchen aus und umarmt Opa Uwes Bein. Oma Elke wuschelt ihm durch die Haare. Doch was wie das vertraute Miteinander einer ganz normalen Familie wirkt, hat einen anderen Hintergrund. Uwe Lübsdorf ist nicht der leibliche Opa von Luca, seine Frau Elke nicht seine Oma – das Dreamteam hat sich über das Projekt „Wunschgroßeltern“ des Greifswalder Bürgerhafens kennengelernt. Dort werden Kontakte zwischen älteren Menschen und Familien vermittelt, die sich aus welchen Gründen auch immer einen Opa oder eine Oma für ihre Kinder wünschen.

Leuchtturmprojekt des Greifswalder Bürgerhafens

Mit dem Projekt „Wunschgroßeltern“, welches 2010 ins Leben gerufen wurde, ist der Bürgerhafen Vorreiter in Vorpommern. Die nächsten organisierten Vermittlungsmöglichkeiten für ehrenamtliche Wunschgroßeltern gibt es erst wieder in Brandenburg oder der Landeshauptstadt Schwerin. „Das ist schade, denn die Resonanz ist wirklich gut“, sagt Friederike Güldemann vom Bürgerhafen. In Grimmen gab es vor zehn Jahren ein ähnliches Projekt, gefördert durch das Bundesprojekt Lokales Bündnis für Familie. Das musste allerdings wegen mangelnder Beteiligung eingestellt werden, erinnert sich Elke Lübsdorf, die damals als Beauftragte für Chancengleichheit bei der Agentur für Arbeit gearbeitet hat und das Projekt mit betreute. Damals lernte Familie Lübsdorf auch ihre erste Partnerfamilie kennen, mit der sie bis heute eng verbunden ist. „Wir wollten die Lübstorfs unbedingt als Wunschgroßeltern gewinnen“, sagt Antje Röhrbein (38) aus Elmenhorst. „Und wir freuen uns bis heute, dass es geklappt hat.“ Nach mittlerweile neun Jahren des intensiven Kontaktes ist der Status der Wunschgroßeltern klar: „Sie sind einfach das dritte Großelternpaar und gehören zur Familie“, so Antje Röhrbein. „Wir feiern Weihnachten und Ostern gemeinsam, Arne fährt auch einmal im Jahr mit Opa Uwe für einige Tage auf die Burg Stargard zum Mittelalterfest.“

Nachfrage nach Wunschgroßeltern übersteigt „Angebot“

Als sie sich kennenlernten, war Arne, für den damals die Wunschgroßeltern gesucht wurden, gerade einmal neun Monate alt. Heute ist er Schüler und großer Bruder, denn es gab mit Ella und Ida noch zweimal Nachwuchs im Hause Röhrbein. „Es ist schön, wenn man Kinder so lange und so dicht begleitet“, meint Uwe Lübsdorf. „Wir waren selbstverständlich bei Arnes Einschulung dabei. Und als Antje zur Geburt der kleinen Ella ins Krankenhaus musste, haben wir auf Arne und Ida aufgepasst.“Doch die Wunschgroßeltern seien keine bestellbaren Babysitter, stellt Uwe Lübsdorf klar, alles müsse sich ergeben, es bestehe keine Pflicht. „Es handelt sich um Verabredungen, von denen beide Seiten etwas haben sollen“, sagt der 65-Jährige. „Die Kinder profitieren von den Erfahrungen der Älteren und können vielleicht auch neue Hobbys entdecken. Und wir Großeltern bleiben jung und aktiv, werden gebraucht. Rumsitzen im Ruhestand war für mich nie eine Option.“ Dabei seien die Partnerschaften, die Großeltern und Enkel miteinander eingehen, ganz unterschiedlich. „Manchen Rentnern ist ein fester Tag am liebsten, andere Familien nutzen spontan das Wochenende für Unternehmungen“, erzählt Elke Lübsdorf, die sich seit Anfang dieses Jahres offiziell um das Projekt des Bürgerhafens kümmert. Es müsse beiden Seiten Spaß machen. Wenn es nicht passe, würde eben weitergesucht. „Insgesamt haben wir zehn Großeltern bei uns“, erzählt sie. „Sieben Omas und drei Opas.“ Die Nachfrage nach Großeltern sei deutlich höher als das Angebot. „Alle Anfragen können wir gar nicht vermitteln. Derzeit warten neun Familien auf Wunschgroßeltern“, so Lübsdorf. „Es wäre super, wenn sich noch einige Senioren bei uns melden würden, die Lust haben, mitzumachen.“

Großeltern sind oft die entspannteren Eltern

Die Bedeutung von Großeltern für das Wohl der Kinder schätzt Antje Röhrbein hoch ein. „Ich finde Großeltern bieten den Kindern eine ganz andere Welt. Sie sind häufig viel gelassener im alltäglichen Umgang als das Eltern sein können“, findet die dreifache Mutter. „Leider wohnen Arnes Großeltern sehr weit weg, in Südniedersachsen und in Rheinland-Pfalz. Deshalb können wir uns nicht so oft sehen.“ Auch bei den Original-Großeltern haben Elke und Uwe übrigens überzeugen können. „Wir haben uns früh kennengelernt und verstehen uns sehr gut“, so Uwe Lübsdorf. „Da gibt es keine Konkurrenzkämpfe.“

Berufliche Wegzüge trennen die Generationen

Es sei häufig so, dass Familien in der Region durch den Beruf getrennt werden, hat Elke Lübstorf festgestellt. „Entweder die jungen Paare ziehen auf der Suche nach Arbeit aus MV weg. Oder sie sind wegen eines Jobs hierhergezogen und ihre Eltern sind im Ursprungsort geblieben.“ Übrig blieben dann eben einsame Großeltern ohne Enkel und Familien ohne Unterstützung von Oma und Opa. Auch Familienzwist kann dazu führen, dass es nur noch wenig Kontakt zu den eigenen Enkeln gibt. „Das ist bei meinen Kindern leider der Fall“, sagt Elke Lübsdorf und schweigt. Luca hat sich derweil an den Gartenteich der Lübsdorfs gesetzt. Besonders haben es ihm die dicken Frösche im Teich angetan. Fünf Stück hat der Junge bereits gezählt und erzählt diese Neuigkeiten auch gleich Opa Uwe und Oma Elke. Die Chemie zwischen dem Wunschenkel und Wunschgroßeltern stimmt in diesem Fall, das haben beide Seiten schnell gemerkt. „Uwe hat aber auch Zucker in den Taschen“, merkt seine Frau an. „Er kommt mit Kindern unheimlich gut aus und findet schnell den richtigen Draht zu ihnen.“ So dürfte der Besuch von Luca am Froschteich der Lübsdorfs auch nicht der letzte gewesen sein.

Anne Friederike Ziebarth

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