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700 Tauben im Wettflug nach Usedom

Usedom 700 Tauben im Wettflug nach Usedom

In Neppermin geht es morgen um Tausende Euro. Tierschützer üben Kritik.

Usedom. Wettflug nach Usedom: Der Sieger bekommt 10 000 Euro. Viel Geld für einen schnellen Vogel. 699 Tauben werden morgen Früh in Hessisch-Oldendorf bei Hameln (Niedersachsen) in die Luft gelassen. Gegen 13 Uhr werden die ersten von ihnen im 500 Kilometer entfernten Neppermin erwartet. Dort sind sämtliche Fremdenzimmer seit Tagen ausgebucht. Denn Hunderte Züchter aus ganz Deutschland wollen die Ankunft ihrer Vögel live verfolgen. Alle in der leisen Hoffnung, am Ende zu den Gewinnern zu zählen. Doch gar nicht jedes Tier wird das Ziel erreichen. „Wir rechnen mit zehn Prozent Abgang“, sagt Veranstalter Toni Deigner. Die weite Strecke berge so manche Gefahr. Raubvögel etwa, auch Stromleitungen.

Zehn Prozent Abgang — Deigner nennt sie unvermeidlich und normal. Die Tierrechtsorganisation Peta bewertet das anders. „Wettflüge stellen für Tauben eine Extrembelastung dar“, kritisiert Kampagnenleiterin Charlotte Köhler. Zahlreiche Tiere würden auf solchen Flügen an Dehydration, Erschöpfung oder Verletzungen sterben. Die Züchter, beklagt Köhler, nähmen das Leid der Vögel billigend in Kauf. Aus Sicht von Peta gehören Wettflüge wie der morgige schlichtweg verboten. Sie seien tierschutzwidrig und deshalb inakzeptabel.

Klaus Klee sieht das anders. Die Tauben, sagt er, würden nicht unvorbereitet auf die weite Reise geschickt. Der Mann muss es wissen. Er kümmert sich seit Monaten um die Vögel, die morgen von Niedersachsen nach Usedom fliegen sollen. Im Frühjahr schon wurden sie nach Neppermin gebracht. „Da waren sie gerademal 35 Tage alt und standortfremd.“ Klee umsorgte sie und päppelte sie auf. Er gewöhnte sie an ihr neues Zuhause. Und er begann, die Jungtauben für den langen Wettflug zu trainieren. Schritt für Schritt: „Zuerst fuhren wir mit ihnen nur 15 Kilometer weiter an die Zecheriner Brücke. Später nach Anklam und Altentreptow.“ Inzwischen, sagt Klee, seien die Tiere so gut drauf, dass sie 500 Kilometer „locker schaffen“. Allerdings wüsste man nie, was auf dieser weiten Strecke auf die Tauben zukomme. Erfahrungsgemäß gelte: gute Pflege plus gute Versorgung gleich geringer Verlust.

Den Wettflug nach Usedom gibt es seit mittlerweile 16 Jahren. „Die letzten fünf waren super“, sagt Veranstalter Toni Deigner. Das Ganze habe sich etabliert, sei für Neppermin/Benz auch ein wirtschaftlicher Faktor. Mehr als 500 Leute erwarten Deigner und Mitstreiter zum morgigen Zieleinlauf. Den können Züchter und andere auf einer Leinwand verfolgen. Jede Sporttaube ist mit einem Chip versehen, der über eine Antenne eingelesen wird, sobald sie Neppermin erreicht. Die Schnellste wird schon gegen 13 Uhr eintreffen. Ihr Züchter wird jubeln. Denn er bekommt 10 000 Euro.

Wir rechnen mit 10 Prozent Abgang.“Toni Deigner,

Veranstalter

 

Sven Jeske

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