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Ostvorpommern Amtsschimmel wiehert Baumhaus weg
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01:15 23.08.2014
Ein Kran setzte die vom Amtsschimmel beanstandete Spielhütte gestern um. Familie Metzger schaute gebannt zu. Quelle: Sven Jeske
Züssow

Wiehernder Amtsschimmel in Nepzin bei Züssow: Dort musste eine Familie gestern ein auf ihrem Grundstück eigenhändig gezimmertes Baumhaus abbauen, weil es laut Aufsichtsbehörde des Landkreises an unzulässiger Stelle stand. Ein Kran hob die 1,8 Tonnen schwere Holzhütte am Vormittag von vier Pfählen, auf denen sie bislang ruhte, und setzte sie keine 20

Meter weiter auf einem alten Traktoranhänger ab.

Für Markus Metzger ist die leidige Angelegenheit damit erledigt. Das zuvor standortfeste Baumhaus sei nun mobil, meint der 47-jährige Vater von vier Kindern. Er hofft, der vom Kreis erhobenen Rückbauforderung damit entsprochen zu haben.

Die Bauaufsichtsbehörde hatte unter anderem moniert, dass das Häuschen im sogenannten Außenbereich der Ortschaft gebaut worden sei. Dieser Bereich aber dürfe von privaten Grundstückseignern nur landwirtschaftlich genutzt werden. Als Außenbereich gelten Grundstücke, die nicht im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans liegen und die auch nicht zu einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil gehören. Im Fall Metzger befindet sich das so deklarierte Gelände nur einen Steinwurf weit weg vom Wohnhaus der Familie. Es ist umzäunter Bestandteil ihres Privatbesitzes.

Als Markus Metzger, Forstwirt und Eigentümer von Waldflächen im nahegelegenen Karlsburger/Oldenburger Holz, 2011 begann, ein Baumhaus zu bauen, dachte er ausschließlich an seine Kinder. „Im ganzen Ort gibt es keinen Spielplatz für sie, nix. Ich wollte ihnen etwas bieten.“ Zum Richtfest kamen die Nachbarn. Alles war gut. Niemand stellte die Spielhütte in Frage. Zumal sie solide und originell gebaut worden war.

Nepzin ist ein langgezogenes Dorf, abseits von Land- und Bundesstraßen. Familie Metzger wohnt an seinem Ende. Hinter ihrem Anwesen ist nur Wiese und Acker. Das Baumhaus stand niemandem im Wege. Und doch muss sich irgendwer an ihm gerieben haben. Denn 2013 ging eine Anzeige gegen das Bauwerk bei der Gemeinde ein. Die leitete die Beschwerde an den Kreis weiter. Unklar ist, wer das Baumhaus der Familie anschwärzte und warum. Markus Metzger jedenfalls ist enttäuscht. „Ich hätte nie gedacht, dass Leute so kleinkariert sein können“, sagt er.

Die Anzeige setzte einen Prozess in Gang: Vertreter des Bauaufsicht kamen nach Nepzin, um sich das Baumhaus anzusehen. Danach stellten sie Markus Metzger vor die Entscheidung, entweder eine Baugenehmigung für das Spielhaus zu beantragen oder es sofort abzureißen. „Wir haben alles darangesetzt, es genehmigen zu lassen“, schildert der Nepziner. „Ein Architekt wies die statische Zuverlässigkeit des Baumhauses nach. Wir ließen Bauzeichnungen von der Hütte anfertigen und einen Lageplan.“ Vergeblich. Ende Juni lehnte die Bauaufsicht eine Genehmigung ab. Wochen später setzte sie den Metzgers eine Frist zum Abbau ihres Häuschens und drohte mit einer amtlichen Verfügung, sollten sie die Frist nicht einhalten.

Markus Metzger hat sie eingehalten. Gestern ließ er das Baumhaus seiner Kinder abbauen. In ihrer Einschätzung hatten die Behörden auch beanstandet, dass das Baumhaus zweigeschossig errichtet worden sei. Tatsächlich ruhte die Hütte auf Pfählen. Das zweigeschossig zu nennen, sei ziemlich konstruiert, findet Markus Metzger. Er will das Häuschen auf jeden Fall behalten. Schon seiner Kinder wegen.

Auf einem Anhänger stehend, kann es nun theoretisch überall hingefahren werden. Das freilich hat Metzger gar nicht vor. Doch wer weiß: Womöglich wiehert der Amtsschimmel noch einmal.

Verhältnismäßig?
Recht muss Recht bleiben, keine Frage. Doch wie verhältnismäßig ist das Vorgehen der Bauaufsicht im Nepziner Fall? Man führe sich vor Augen, worum es ging. Um ein Baumhaus auf einem Privatgrundstück, das dort, wo es stand, niemanden beeinträchtigen konnte. Die pure Missgunst eines Mitbürgers hat den Ehrgeiz von Amtsleuten geweckt. Die verschafften sich Geltung, indem sie ohne Wenn und Aber auf Recht und Gesetz pochten. Dabei ging es ihnen offenbar nur ums Prinzip. Ein Aktionismus mit fadem Beigeschmack.



Sven Jeske

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