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Ahlbeck Arbeiten bis an die Grenze

Unterwegs mit dem Zoll: Auf der Suche nach Zigaretten, Plagiaten, Sprengstoff und Drogen

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Kurz nach Überqueren der Grenze winkt Zollbetriebsinspektor Helge Reinecke Autos raus.

Ahlbeck. Zollbetriebsinspektor Helge Reinecke steht vor einer Parkbucht wenige Meter vor der deutsch-polnischen Grenze in Ahlbeck. Dann hebt er die Zollkelle und gibt dem Fahrer des dunklen Wagens ein Zeichen, anzuhalten.

„Ich würde gern in Ihren Kofferraum schauen“, begrüßt Zollhauptsekretär Kay Bollow die Urlauber aus Schleswig-Holstein freundlich. „Wir haben nichts zu verbergen“, sagt Beifahrerin Regina Breide. Der kurze Zwischenstopp stört sie nicht. „Man weiß ja, dass hier manchmal kontrolliert wird – ich finde das gut. Das trägt auch zu unserer Sicherheit bei.“ Nach einem Aufenthalt in Polen verbringt Breide mit ihrem Mann ein paar Tage in Heringsdorf. „Wir haben Alkohol und Zigaretten gekauft – nicht viel“, versichert sie. „Alles in Ordnung“, meint auch Bollow nach einem Blick in die Taschen.

Nicht immer verläuft eine Kontrolle so unkompliziert. „Ich habe einmal einen Bus überprüft – der Fahrer hatte in einem Hohlraum 300 Stangen Zigaretten versteckt und die Klappe zugeschweißt“, erinnert sich der Bundesbeamte. „Bei mehr als 800 Zigaretten wird nicht mehr von Eigenbedarf ausgegangen.“ Reinecke nickt zustimmend. „Hauptsächlich werden Tabakwaren über die Grenze geschmuggelt“, sagt er.

„Ab und zu sind auch Soft-Air-Waffen und Springmesser dabei. Drogen sind selten.“ Zum Jahresende werden zudem oft Feuerwerkskörper ohne das erforderliche Prüfsiegel beschlagnahmt. „Wer mehr Zigaretten unangemeldet mitführt, als erlaubt, dem droht meist eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung, muss die Tabaksteuer zahlen und die komplette Ware abgeben“, sagt Reinecke.

Die Männer der „Kontrolleinheit Grenze“ sind mit zwei Kolleginnen auf Streife. Insgesamt 27 Beamte arbeiten in der Usedomer Außenstelle des Hauptzollamtes Stralsund. „Wir sind mindestens zu dritt unterwegs – einer winkt die Autofahrer raus, ein weiterer kontrolliert und der dritte Kollege sichert“, erklärt der Zollbetriebsinspektor. Zur Sicherheit sind die Beamten mit Waffe, Reizstoffsprühgerät und schusssicherer Weste ausgerüstet. „Die meisten, die kontrolliert werden, reagieren positiv und verständnisvoll“, sagt der Zempiner. „Manchmal finden wir Dinge im Auto, die der Besitzer schon gesucht hat“, fügt Zollhauptsekretärin Maren Berndt lachend hinzu. „Wenn wir etwas finden, was für uns relevant ist, tun viele erstmal so, als wüssten sie nicht, woher das kommt. Oder sie betonen, dass sie nicht wussten, dass es verboten ist.“

Besonders auf dem Polenmarkt in Swinemünde würden einige Fallen lauern. „Zigaretten müssen eine Steuerbanderole tragen“, sagt Matthias Klotsch, Sprecher des Hauptzollamtes Stralsund. „Wenn keine vorhanden ist, kann man davon ausgehen, dass die Waren bereits illegal nach Polen gebracht wurden. Das wird genauso behandelt wie die Überschreitung der Richtmenge.“

Sigrid Waack und Holger Koppe aus Ribnitz-Damgarten haben alles richtig gemacht. Während die Zollbeamten Reinecke und Bollow sich weiter um Autofahrer kümmern, blickt Maren Berndt in die Einkaufstüte der Passanten, die über die Grenze nach Deutschland spazieren. Die Heringsdorferin zieht eine Stange Zigaretten aus dem Beutel. „Acht Stangen – also 1600 Zigaretten – ist für zwei Personen in Ordnung“, sagt sie.

Wichtig ist, so Reinecke, die Waren für den Eigenbedarf zu kaufen. „Wenn jemand bei der Kontrolle 800 Zigaretten dabei hat und dann erwähnt, Nichtraucher zu sein, kann das rechtlich bereits bedenklich sein“, erklärt er. Seit 25 Jahren arbeitet der 47-Jährige beim Zoll. „Das ist mein Traumjob. Die Aufgaben innerhalb des Zolls sind vielfältig“, sagt er. „Der bürokratische Aufwand steigt.

Wir schreiben Anzeigen direkt am Laptop im Einsatzwagen.“

Seitdem mit dem Eintritt Polens in die Europäische Union die Grenzen geöffnet wurden, finden nur noch sporadisch Kontrollen an der Grenze statt. „An einigen Tagen findet man viel, an anderen nichts“, sagt er. Mindestens eine Kontrollstation muss jedes Team täglich einrichten – zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten im gesamten Altkreis Ostvorpommern. Nur so sei der Unsicherheitsfaktor für Schmuggler gegeben.

Die Zollbeamten sind nicht nur an der Grenze, sondern auch am Strand, am Heringsdorfer Flughafen, im Hinterland und in der Bäderbahn unterwegs. „Einmal haben wir einen Mann kontrolliert, der den ganzen Koffer voller Zigaretten hatte“, erinnert sich Berndt.

Im Jahr 2015 haben die mobilen Kontrolleinheiten im Bereich des Hauptzollamts Stralsund mehr als 100 000 Personen und Fahrzeuge kontrolliert. Das führte unter anderem zur Beschlagnahmung von 1120 Waffen, 3650 Feuerwerkskörpern, mehr als 560 000 Zigaretten, 16 Kilo Tabak und 378 Liter Branntwein. 1615 Straf- und 105 Bußgeldverfahren wurden eingeleitet.

Das darf über die Grenze gebracht werden

Aus jedem EU-Land, ausgenommen den Kanarischen Inseln, den französischen Überseedepartements, den britischen Kanalinseln sowie St.Pierre-et-Miquelon, Aland und Berg Athos, können Waren abgabefrei für den persönlichen Gebrauch mitgebracht werden.

Eigenbedarf wird bei einer Menge bis zu 800 Zigaretten, 200 Zigarren sowie einem Kilo Tabak angenommen. Eingeführt werden dürfen zudem 110 Liter Bier, zehn Liter Spirituosen sowie zehn Kilo Kaffee. Wer im EU-Ausland tankt, darf zusätzlich zur Tankfüllung 20 Liter in Reservebehältern abgabefrei mitbringen.

Zigaretten müssen Steuer-Banderolen tragen, sonst ist die Einfuhr auch in geringen Mengen verboten. Bei Banderolen aus Nicht-EU-Ländern muss die zuvor legale Einfuhr in die EU nachgewiesen werden.

Eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung droht denjenigen, die die Richtmenge Tabakwaren überschreiten. Zudem muss die Tabaksteuer bezahlt werden, die Waren werden vernichtet.

Bei Einfuhr von Drogen, Sprengstoff oder Waffen drohen Strafanzeigen wegen Verstoßes

gegen das Betäubungsmittel-, Waffen- beziehungsweise Sprengstoffgesetz.

Weitere Bestimmungen unter: www.zoll.de

Katharina Ahlers

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