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Auf Jagd nach Geisternetzen

Freest Auf Jagd nach Geisternetzen

Der Naturschutzverband WWF lässt ab Freest herrenlos in der Ostsee treibendes Fanggeschirr einsammeln

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Karl-Heinz Neumann (links) und sein Steuermann Günter Baltsch, hier im Hafen von Freest, holten Geisternetze aus der Ostsee.

Quelle: Stefan Brümmer

Freest. Einlauf im Freester Hafen: Der 18-Meter-Kutter „Einheit“ kommt vom Fang zurück. Vor Rügen nahe Sassnitz sind Kapitän Karl-Heinz Neumann und sein Steuermann Günter Baltsch fündig geworden. „Na klar waren wir erfolgreich“, sagt Käpt‘n Neumann nach dem Festmachen am Liegeplatz. Immerhin: Eine Tonne wiegt, was er und Baltsch da aus dem Meer holten. Doch was sich in fünf großen weißen Säcken befindet, sind keine Fische. Es sind verloren gegangene Stell- und Schleppnetze. Die Karlshagener „Einheit“ ist ein Geisterjäger, ihre Crew sucht herrenloses Fanggeschirr.

Solche Netze fischen auch dann noch weiter, wenn sie herrenlos geworden sind.“Karl-Heinz Neumann, Fischer

Tonnenweise treibt dieses durch die Meere und wird dort zur tödlichen Falle für Fische, Meeressäuger und Seevögel. Die Ostsee von dieser Gefahr zu befreien, war bereits im August 2013 und davor erklärtes Ziel des Naturschutzverbandes World Wide Fund for Nature (WWF). Weil damals kein Geld für das Projekt bewilligt wurde, sprangen Spender ein.

Seit Sommer läuft nun ein EU-gefördertes WWF-Pilotprojekt. Die Stralsunder WWF-Projektmanagerin Andrea Stolte stützt sich bei der Umsetzung auf die Erfahrung der einheimischen Fischer. Und so beteiligte sich auch Karl-Heinz Neumann mit seiner KAR-41 an dem Projekt.

Neumann ist 63, trägt Schnauzbart, das T-Shirt der Seenotretter und ein Basecap der Fischereigenossenschaft Freest. Seit 36 Jahren ist er Fischer, seit gut 25 Jahren Eigner und Kapitän der „Einheit“.

„Wenn wir keinen Fisch mehr fangen dürfen“, sagt Neumann mit Blick auf die immer weiter reduzierten Quoten, etwa für den Dorsch, „müssen wir uns eben was anderes einfallen lassen.“ Er mache den Job für den WWF gerne, weil er wisse, dass diese Arbeit wertvoll ist. „Was wir vor Ahlbeck erlebt haben, war schon schlimm“, erzählt er. Zwischen der Ahlbecker Seebrücke und der polnischen Grenze harkte die Crew der KAR-41 insgesamt 1746 Kilogramm Stellnetze aus dem Wasser. „Solche Netze fischen auch dann noch weiter, wenn sie herrenlos geworden sind“, weiß der Experte. Aber es komme ja keiner, um das Fanggeschirr einzuholen, also verende der Fang erbärmlich in den im Wasser treibenden Netzen. Nach dem Einholen der Geisternetze vor der Ahlbecker Seebrücke bestätigte sich Neumanns Vermutung.

„Wir haben Barsche, Flundern, Schnäpel und Plötzen aus den Maschen befreit“, berichtet der Fischer. Die „Harke“ - eine Art Rechen, der über den Boden gezogen wird - haben Neumann und Baltsch selbst angefertigt. Von polnischen Kollegen, die schon länger das Suchen nach Geisternetzen praktizieren, hatten sie ein Foto bekommen. „Wir haben das Ding nachgebaut“, erzählt Neumann. Es funktioniere einwandfrei.

Eine Antwort darauf, warum Netze verloren gehen, kann Neumann auch liefern: Das passiere zum größten Teil bei plötzlichen Stürmen und Eisbildung, aber auch durch die Sportschifffahrt. Beim „Abkürzen“

würden bisweilen Netze überfahren, die dann vertreiben würden. Nach Informationen des WWF gehen allein in der Ostsee jährlich etwa 10000 Netze oder Netzteile verloren. Etwa ein Zehntel des weltweiten Kunststoffmülls im Ozean soll aus Geisternetzen bestehen. Bis zur vollständigen Zersetzung der Kunststoffe können bis zu 400 Jahre vergehen.

Insgesamt 16 Seetage war Karl- Heinz Neumann mit seiner „Einheit“ in diesem Sommer unterwegs, um nach Geisternetzen zu suchen. Die Suche hat er nun erstmal unterbrochen. Um seinem eigentlichen Handwerk nachzugehen.

Stefan Brümmer

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Dem Dorsch in der westlichen Ostsee geht es schlecht. Den Fischern droht eine Reduzierung der Fangmengen um 88 Prozent - für viele wäre das existenzbedrohend. Anfang der Woche verhandeln die Fischereiminister der EU-Staaten die umstrittenen Quoten.

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