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Ostvorpommern Auf den Spuren der guten alten Knolle
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00:01 20.05.2017
Jeder kleine Projektteilnehmer aus der Kita „Bienenhaus“ pflanzte eine Kartoffel. Deshalb hat jede auch ein Namensschild. Quelle: Fotos: Petra Hase

Auf dem Teller kennt sie wohl jedes Kind. Doch die allerwenigsten von ihnen haben heutzutage noch eine Vorstellung davon, wie viel Zeit und Arbeit vonnöten sind, damit aus Pflanzgut Kartoffeln entstehen. Monika Schwanz möchte das gern ändern. Zumindest im kleinen Stil. Deshalb initiierte die studierte Landwirtin der Agrar GbR Groß Kiesow in Kooperation mit der Kindertagesstätte „Bienenhaus“ das Projekt „Knolli“. Ein Langzeitprojekt, bei dem die Lütten alles Wichtige über Anbau, Pflege und Ernte dieses traditionellen Nahrungsmittels erfahren. Und zwar vorwiegend ganz praktisch mit eigener Hände Arbeit – von der Vorbereitung über das Pflanzen bis hin zum Essen.

Vom Anbau bis zur Ernte: Die Agrar GbR Groß Kiesow vermittelt Kindern Wissen über die Kartoffel

Agrar GbR Groß Kiesow

2400 Hektar Land bewirtschaftet die Agrar GbR Groß Kiesow. Neben Getreide, Raps und Zuckerrüben werden auf 200 Hektar Kartoffeln angebaut. Das Unternehmen liefert Pflanzgut in viele Länder der Welt, darunter Ägypten, Russland, Finnland, Dänemark, Österreich und Bulgarien.20 Mitarbeiter gehören zur Agrar GbR.

„Im Herbst war ich mit den 22 Kindern das erste Mal auf dem Feld“, erzählt Monika Schwanz, Bereichsleiterin für die Kartoffelproduktion. Gemeinsam schaute man sich schon mal den Acker an, wühlte in der Erde, die so ganz anders ist als der Kies im Sandkasten. „Die Kinder waren total begeistert, und zwei Jungs erklärten danach, Treckerfahrer werden zu wollen. Das find’ ich toll“, sagt sie mit strahlendem Gesicht. Denn die Landwirtschaft benötige dringend Nachwuchs. Es gebe kaum noch einen jungen Mann, eine junge Frau, deren Berufswunsch Bauer ist.

Doch nicht dieses, sondern ein anderes Problem bewegt sie, um den Heranwachsenden ein Stück Wissen zu vermitteln: „Kinder haben nur noch wenig Bewusstsein für unsere Lebensmittel. Reis und Nudeln etwa verdrängen in Deutschland immer mehr die Kartoffel“, sagt die 60-Jährige. Dabei gelte die Knolle aufgrund ihres Gehalts an Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Vitamin C und Kalium als äußerst gesund.

Vor diesem Hintergrund gab es im März eine Verkostung verschiedener Sorten. Die Köchin des Agrarunternehmens brachte eine Reihe unterschiedlicher Geschmacksproben auf den Kantinentisch. Am Ende entschieden sich die Vier- bis Sechsjährigen für die Sorten „Goldmarie“ und „Talent“. „Sicherlich auch wegen der gutklingenden Namen“, glaubt die Projektchefin und bemerkt: „Unser Unternehmen bekommt das Pflanzgut aus Groß Lüsewitz. Wir vermehren die Kartoffeln und liefern sie in die ganze Welt – nach Ägypten, Russland, in die skandinavischen Länder, nach Lettland.“ Auf etwa 200 der insgesamt 2400 Hektar des Kiesower Agrarunternehmens werden laut Monika Schwanz Kartoffeln angebaut. Auch der Lebensmittelhersteller Pfanni in Stavenhagen zähle zu den Kunden der GbR.

Das alles erfahren die Kids so nebenbei, während sie sich im Kindergarten ebenfalls mit der Knolle beschäftigen: „Wir veranstalten mit den Kindern Spiele rund um die Kartoffeln, basteln daraus verschiedene Sachen und lassen sie auch Erfahrungen in der Küche sammeln“, sagt Manja Lewe, Praktikantin im Kindergarten. All das trage dazu bei, dass das Thema das ganze Jahr über präsent bleibe, so Kitaerzieherin Heike Wegner. Denn nachdem die Kinder am 27. April ihre ganz persönlichen Kartoffeln auf dem Feld der Agrar GbR pflanzten, gebe es ja erst einmal nichts zu tun.

Trotzdem geht es ab und an zum Feld! Mal schauen, ob da schon etwas Grünes aus der braunen Erde linst. Vorsichtig kratzen kleine Hände auf dem Damm – und siehe da: Knapp unter der Erdoberfläche wachsen die Keime zu ersten Blättern! Ein wenig Geduld brauchen die Lütten also noch, bis ihre Arbeit so richtig Früchte trägt.

Babett Lehmann freut sich schon auf die Ernte im Herbst: „Kartoffeln mit Fischstäbchen und Soße. Das ist lecker“, sagt die Fünfjährige. Monika Schwanz versucht derweil, das Gelernte zu hinterfragen:

„Wer weiß noch, wie tief wir die Kartoffeln im April gepflanzt haben?“ „15 Meter tief“, ruft Emil Hafermann mit in die Luft gestrecktem Zeigefinger. „Fast richtig, Emil“, antwortet die „Kartoffelfrau“ mit einem breiten Lächeln: „Es waren 15 Zentimeter.“

Petra Hase

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