Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ostvorpommern Aufruhr in Diedrichshagen: Baum kracht auf Auto
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Aufruhr in Diedrichshagen: Baum kracht auf Auto
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 13.07.2013
Die gefährlichen Pappeln überragen das mehrstöckige Wohnhaus um ein Vielfaches. Rechts stürzte der Baum auf den Wagen.
Diedrichshagen

Es regnet und stürmt. Bärbel Böttcher-Zornu rennt mit ihrer zehn Jahre alten Enkelin zum Auto, um sich vor dem Unwetter in Sicherheit zu bringen. Plötzlich knickt eine riesige Pappel um und kracht auf ihren Ford Fiesta. „Unglaublich. So etwas habe ich noch nie erlebt. Was für ein Schock“, sagt die 54-Jährige.

Die Frau und das Kind haben riesiges Glück: „Wir sind unverletzt. Hätte ich vorher in der Wohnung nicht meine Schuhe gesucht, wären wir im Wagen gewesen, als der Baum umkippte.“ Nach dem Unfall flüchten die beiden zurück in den Wohnblock, der an der Haupstraße liegt.

In Diedrichshagen geht nun die Angst um, dass weitere Pappeln umknicken könnten. Mehr als 20 Bäume gelten seit längerem als alt, krank und gefährlich. „Die sind innen hohl“, sagt Anwohner Thilo Schlumm und deutet auf die drei Bäume, die noch am Unfallort stehen — direkt an einem Hof, wo Kinder spielen und Frauen ihre Wäsche aufhängen.

Ein anderer Bewohner sagt: „Hätte dort statt des Autos ein Mensch gestanden, wäre er nicht mehr unter uns.“ Er betont: „Die Bäume hätten vor fünf Jahren gefällt werden müssen.“ Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. Er fürchtet sich: „Ich will meine Wohnung ja noch behalten.“

Dem Vermieter und Eigentümer des Wohnblocks droht nun Ärger. Er könnte seine Sicherungspflichten vernachlässigt haben. „Wenn der Baum gepflegt wurde und der Vorfall unvorhersehbar gewesen ist, haftet der Besitzer nicht“, sagt Matthias Wins, Jurist bei der Verbraucherzentrale Mecklenburg- Vorpommern. „Waren die Pappeln allerdings schon vorher wackelig und wurden trotzdem nicht untersucht, dann muss der Eigentümer für den Schaden aufkommen“, betont Wins.

Dass die Bäume marode sind, scheint unstrittig zu sein. Die Gemeinde habe bereits vor Kurzem sämtliche gefährliche Pappeln fällen lassen, die auf öffentlichem Boden stünden, teilt Bürgermeister Detlef Neumann mit. „Viele stehen jedoch noch auf privatem Besitz“, sagt der 55-Jährige. „Die Eigentümer müssten eigentlich entsprechend reagieren, doch das ist bei einigen offensichtlich noch nicht angekommen.“

Eine Woche ist der Zwischenfall nun her. Der Ärger bei Bärbel Böttcher-Zornu hat sich aber längst nicht gelegt. „Einer muss mir den Schaden bezahlen“, sagt die arbeitssuchende Frau. Doch wer wird das sein? Die Diedrichshägenerin hofft auf ihre Teilkasko-Versicherung. „Ein Sachverständiger war vor Ort und ich denke, dass das klappt“, sagt sie.

Die genaue Schadenshöhe ist noch nicht bekannt. Klar ist nur: „Das Auto fährt nicht mehr“, sagt Bärbel Böttcher-Zornu. Sie hat sich einen neuen Wagen besorgt.

Sollte die Autoversicherung für den Sturmschaden nicht einspringen, müsste die Frau den Grundstücksbesitzer verklagen. Dieser blockt jedoch ab: „Die Bäume stehen nicht mehr auf unserem Boden“, sagt Christian Szerwinski aus Berlin. Er verwaltet den Besitz und betont: „Eine Erbengemeinschaft aus Nordrhein-Westfalen ist dafür verantwortlich.“

Bürgermeister Neumann sagt dazu: „Die vier Pappeln stehen auf einer Grundstücksgrenze. Es muss nun geklärt werden, wo sie genau verläuft.“

André Wornowski

Ruhestand nach zwei Jahrzehnten in der Verwaltung.

13.07.2013

Tag der offenen Tür ermöglicht Einblicke.

13.07.2013

Das Transit-Festival steigt am Sonnabend auf der Burg Klempenow, 40 Kilometer südlich von Greifswald. Sechs Bands stehen auf dem Programm,

12.07.2013