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Baumschutz ist nicht gleich Baumschutz

Greifswald Baumschutz ist nicht gleich Baumschutz

Trotz Landesgesetz haben Gemeinden eigene Satzungen mit anderen Inhalten.

Greifswald. Weitenhagen verzichtet: Mitte vergangener Woche legte die Gemeinde ihre Baumschutzsatzung auf Eis. Vor acht Jahren erst hatte sie das 13 Paragraphen umfassende Regelwerk in Kraft gesetzt. Seitdem war es im Gemeindegebiet verboten, „Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 50 Zentimetern in 1,30 Meter Höhe“ mir nichts, dir nichts umzuhauen. Wald und Obstplantagen ausgenommen.

Vergangenheit! Fortan gilt in der Kommune südlich von Greifswald allein das Naturschutzausführungsgesetz des Landes. Das, gibt Gemeindevertreter Bodo Baranowski zu verstehen, definiere Baumschutz weniger streng. Und tatsächlich: Dem Landesgesetz zufolge muss so ein Baum schon einen Stammumfang von mindestens 100 Zentimetern in 1,30 Meter Höhe haben, um unantastbar zu sein. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Das Landesgesetz gebe der Gemeinde eine Handhabe, unerwünschte Pflanzungen zu beseitigen, die durch ihre eigene Satzung bislang geschützt waren, erklärt Bodo Baranowski.

Das Beispiel Weitenhagen macht eines deutlich: Baumschutz ist im Landkreis nicht gleich Baumschutz. „Wo Gemeinden eigene Satzungen dazu erließen, gelten Schutzbestimmungen, die über die des Landesgesetzes hinausgehen“, erklärt Veronika Saathoff, im Kreis-Umweltamt für Gehölzschutz zuständig. Dersekow etwa befand Kulturen als schützenswert, von denen im Landesgesetz gar nicht die Rede ist. Eiben und Stechpalmen zum Beispiel, vorausgesetzt, ihr Stammumfang in 1,30 Meter Höhe misst „mindestens 30 Zentimeter“. Geschützt sind hier ansonsten Bäume mit einem Stammumfang von mindestens 70 Zentimetern in 1,30 Meter Höhe.

Auch die Gemeinde Neuenkirchen räumt Eiben und Stechpalmen eine gesonderte Regelung in ihrer Baumschutzsatzung ein, definiert die Voraussetzung für den Schutz dieser Gehölze mit „mindestens 30 Zentimeter Stammumfang in ein Meter Höhe“aber anders als Dersekow.

In der Kommune Behrenhoff sind Nadelgehölze, darunter Eiben, vor Fällung geschützt, wenn ihr Stammumfang ein Meter und mehr beträgt. Für Laubbäume ist ein Stammumfang ab 70 Zentimetern in ein Meter Höhe Voraussetzung.

Auch das Seebad Lubmin hat den Umgang mit Bäumen mit einer eigenen Satzung geregelt. Hier gilt wie in Behrenhoff ein Stammumfang ab 70 Zentimetern in ein Meter Höhe. In Katzow wiederum stehen Bäume erst ab einem Stammumfang von einem Meter in ein Meter Höhe unter Schutz.

Wo es Gemeindesatzungen zum Baumschutz gibt, entscheiden in erster Linie auch die Gemeinden über das Wohl und Wehe von Bäumen, gibt Veronika Saathoff vom Kreis-Umweltamt zu verstehen. Bürger, die geschützte Bäume fällen wollen, müssen sich denn auch an ihre Kommunalvertreter wenden.

In der Gemeinde Weitenhagen sei das nun anders, meinte gestern Kerstin Krey, zuständige Mitarbeiterin der Amtsverwaltung Landhagen. Nachdem die Kommune ihre eigene Baumschutzsatzung aufgehoben habe, gelte nunmehr allein das Landesgesetz für sie. Fällanträge würden damit vom Kreis-Umweltamt entschieden. Für den Bürger vielleicht ein Nachteil.

Die Satzungen der Gemeinden sind ein zusätzlicher Baumschutz.“Veronika Saathoff, Umweltamt

 

 

Sven Jeske

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