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Chronik der Umweltgefährdung

Lubmin Chronik der Umweltgefährdung

Der Greifswalder Günther Vater hat ein unbequemes Buch über Entwicklungen in der Lubminer Heide erstellt.

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Faktenreich und unbequem.

Lubmin. Kein anderer Standort im Greifswalder Umland erregt(e) die Gemüter so sehr wie die Lubminer Heide. Wo die DDR von 1973 bis 1990 ein Kernkraftwerk sowjetischer Bauart betrieb, steht heute ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle. Zwischenzeitlich wollte ein dänischer Energiekonzern hier ein Steinkohlekraftwerk errichten. Aktuell ist vom Bau eines Gaskraftwerks die Rede.

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Faktenreich und unbequem.

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Dieser Tage nun erschien ein Buch, das die Entwicklung, die die Lubminer Heide in den letzten vier Jahrzehnten genommen hat, auf beispiellose Weise nachvollzieht und hinterfragt. „Eine Chronik der Umweltgefährdung und Naturzerstörung“ hat Autor Günther Vater die von ihm erstellte, über 400 Seiten starke Publikation genannt. Für die sichtete der heute 77-jährige Biologe aus Greifswald Gutachten und Entwicklungsprogramme, fachliche Studien und Stellungnahmen, arbeitete er sich durch Akten und eine Vielzahl von Büchern. Heraus kam eine umfassende und detailreiche Faktensammlung, „kein Lesebuch“, wie Vater betont. „Ich wollte Hintergründe aufdecken und Zusammenhänge darstellen. Ich bin kein Ökofreak und auch kein Stänkerer. Mir liegt an einer sachlichen Auseinandersetzung.“

Das Buch sei unbequem, sagt er. Doch er sei es seinem Gewissen schuldig, auf Gefahren und nachteilige Folgen hinzuweisen, die mit der Lagerung von Atommüll, ehrgeizigen Erdgasprojekten und der Industrialisierung einhergehen.

Etwa mit der geplanten Erdgasspeicherung im Salzstock Moeckow: Mit Wasser aus dem Peenestrom wollte die Energiewerke Ems AG Oldenburg (EWE) riesige Hohlräume für Gas in dem unterirdischen Salzstock ausspülen. Das dabei mit Salz angereicherte Wasser sollte im Anschluss über eine Leitung in den Industriehafen Lubminer Heide transportiert und dort mit Wasser aus dem Greifswalder Bodden verdünnt und in den Bodden abgeleitet werden. Fachleute bezeichneten die geplante Einleitung salzhaltigen Spülwassers in den Bodden als problematisch. Die EWE selbst, so Vater, erkannte „unerheblich nachteilige“ Auswirkungen für den Küstenbereich des Boddens. Ein erhöhter Eintrag von Trübstoffen zählte dazu und eine Verdrängung bestimmter Tierarten. Prognostiziert wurde, dass „mit den zur Aussolung verwendeten Wassermassen aus dem Peenestrom fast 300 Tonnen Algenbiomasse in den Bodden umgeleitet würde“, was zwangsläufig zur Überschreitung der Nährstoffbelastung der Küstengewässer beitragen würde. Die EWE hat ihr Vorhaben bis auf Weiteres verschoben. Aus der Welt aber ist es nicht. Vater ist Mitglied im Bund für Umwelt und Natur, er gehört auch dem Naturschutzbund an und jener Bürgerinitiative, die den scheinbar unmöglichen Kampf gegen den geplanten Bau eines Steinkohlekraftwerks aufgenommen und gewonnen hat. Sein Buch, betont Prof. Michael Succow, Träger des Alternativen Nobelpreises, in einem Geleitwort, führe die Geschichte des noch jungen Industriestandorts Lubmin in ihrer ganzen Tragweite vor Augen. „Mit hoher Wissenschaftlichkeit und in ungewöhnlicher Kleinarbeit.“ Es sei auch ein Dank „an all die Besonnenen, die Mitstreiter im Kampf gegen Unvernunft, Gier und Verharmlosung“. Günther Vater hofft, viele Menschen ins Bild setzen zu können. „Ich habe festgestellt, dass in der Bevölkerung zwar ein großes Wutpotenzial vorhanden ist, es aber an sachlichen Hintergrundinformationen fehlt.“

Schwarzbuch Lubminer Heide,

oekom-verlag, München

Ich bin es meinem Gewissen schuldig.“Günther Vater, Autor

 

Sven Jeske

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