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Ostvorpommern „Das Thema geht uns alle an“
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern „Das Thema geht uns alle an“
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00:05 03.06.2017
Greifswald

Keine 30 Jahre ist es her, dass Homosexualität als Krankheit aus dem Diagnoseschlüssel der Weltgesundheitsorganisation am 17. Mai 1990 gestrichen worden ist. In Erinnerung daran wird am 17. Mai weltweit der Internationale Tag gegen Homo-, Inter- und Transphobie gefeiert. In Greifswald findet an diesem Wochenende eine entsprechende Veranstaltung statt: Der Tag der Akzeptanz auf dem Marktplatz.

„Diskriminierungs- erfahrungen machen was mit uns. Es braucht massive Energie, dann seinen Selbstwert aufrecht zu erhalten. Heike Radvan, Uni Cottbus

Termine

Heute: Tag der Akzeptanz, 13 bis 18 Uhr, Greifswalder Marktplatz

9. Juni: QueerFilmFest Rostock on Tour im Demokratiebahnhof Ankam 10. Juni: Ideenwerkstatt: Queer up your city! 10 bis 16 Uhr, Koeppenhaus

11. Juni: Workshop: Queere Bildungsarbeit an Schulen, 10 bis 14 Uhr, Lange Straße 60, Greifswald

„Noch immer werden Trans- und Intersexuelle, Lesben, Schwule und Queers weltweit diskriminiert, stigmatisiert und sind Neonazi-Gewalt ausgesetzt“, mahnt Heike Radvan, Mitarbeiterin der Amadeus Antonio Stiftung. Aus diesem Anlass organisieren verschiedene Gruppen und Einzelpersonen vom 17. Mai bis zum 14. Juni 2017 Aktionswochen in Greifswald, in denen sie sich gegen Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit positionieren und für ein gesellschaftliches Klima eintreten, in dem sich Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und Begehren wohl und sicher fühlen können.

Im Rahmen dessen machten verschiedene Aktionen und Veranstaltungen deutlich, dass die Kategorien der Zweigeschlechtlichkeit „männlich“ und „weiblich“ und die Norm der Heterosexualität immer noch Menschen, die nicht in diese Kategorien passen oder passen wollen, gesellschaftlich ausschließt. Beispielsweise kommen als Rechtssubjekte nur Frauen oder Männer in Betracht, obwohl sich Menschen seit 2013 auch einer dritten, biologisch und sozial offenen Geschlechtskategorie zuordnen können. Menschen mit offenem Geschlechtseintrag haben juristisch aber noch wenig bis keine Handlungsmöglichkeiten, was das Heiraten oder die Übernahme einer Elternschaft betrifft.

Auf diese Thematik aufmerksam machen wollte der Arbeitskreis der Kritischen Juristen (AKJ) Greifswald, indem er dem Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) und dem Standesamt Greifswald einen offenen Brief mit dieser Fragestellung vorlegte. Salome Kruzynski, Jura-Studentin und Mitglied im AKJ, erklärt: „Das Geschlecht darf nicht bestimmen, welche Rollen, Rechte und Pflichten wir in unserer Gesellschaft haben. Denn Rechte sollten für alle gelten und somit geschlechtsindifferent formuliert werden.“ Bis heute hat sich die Stadt Greifswald noch nicht zu dieser Fragestellung äußern können.

Am Mittwochabend wurde die Expertise „Homo- und Transfeindlichkeit in Mecklenburg-Vorpommern“ im Koeppenhaus vorgestellt. Die von Radvan wissenschaftlich angeleitete Expertise ist die erste umfangreiche Studie zum Thema für das Bundesland. Sie wurde im Dezember 2016 von dem Verein Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht und bietet anhand lebensgeschichtlicher Interviews einen Einblick in Alltagserfahrungen von Lesben, Schwulen und Transsexuellen.

„Es zeigte sich, dass Lesben, Schwule und Trans gerade in ländlichen Gebieten in MV stark benachteiligt und diskriminiert werden. Das betrifft neben anderen die medizinische und psychotherapeutische Versorgung, das pädagogische Angebot, die Rechtsstaatlichkeit, die Polizei und die Kultur“, erläuterte Radvan. „Gesellschaftliche Institutionen sollten eine wertschätzende und diskriminierungs-vermeidende Haltung vermitteln, um die freie Entfaltung der Persönlichkeit zu ermöglichen. Das Thema geht uns alle an.“

Annemarie Bierstedt

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