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Der Storch im Sinkflug

Greifswald Der Storch im Sinkflug

2016 machte sich der Großvogel so rar wie seit 45 Jahren nicht – In vielen Nestern gab es keinen Nachwuchs

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Storchenbetreuer Frank Tetzlaff hält Adebar hoch. Zwar sei sein Bestand rückläufig, aussterben aber werde er nicht.

Quelle: Sven Jeske

Greifswald. Was ist nur mit den Störchen los? 2016 kamen so wenige in die Greifswalder Gegend wie seit 45 Jahren nicht. Gerade mal 31 Horstpaare zählten Fachmann Frank Tetzlaff und andere. Das ist die geringste Anzahl seit Beginn der jährlichen Erfassung 1971.

Im Schnitt ein Jungtier pro Nest – das ist absolut lächerlich.“Frank Tetzlaff, Storchenbetreuer

Nicht weit her ist es im Raum Greifswald auch mit dem Storchennachwuchs: 32 Jungvögel gibt es und damit im Schnitt nur ein Exemplar pro Nest. „Absolut lächerlich“, sagt Tetzlaff. „So wenige hatten wir noch nie! Normalerweise zählen wir die doppelte und dreifache Menge.“

Auffallend: Nester, die Jahr um Jahr belegt waren, blieben diesmal leer. In Hinrichshagen, Katzow, Behrenhoff und Lüssow etwa tat sich gar nichts. Auffallend auch: In 14 der 31 bewohnten Nester wuchs kein neues Leben heran. „Das“, sagt Frank Tetzlaff, „hat es so noch nicht gegeben: In 12 Orten mit Storchenpaaren stellte sich überhaupt kein Nachwuchs ein.“ In anderen gingen geschlüpfte Jungvögel über Bord und verendeten: Totalverlust meldeten Gladrow (drei Jungtiere) und Lodmannshagen (zwei), in Neuenkirchen starben zwei von drei heranwachsenden Tieren.

Schon 2015 ging als extrem schlechtes Jahr in die Aufzeichnungen einheimischer Storchenbetreuer ein. Die Bilanz von 2016 ist wiederum schlechter. Seit mehr als zehn Jahren nimmt der Storchenbestand im Greifswalder Umland ab. 1997 waren hier noch 50 Horstpaare gezählt worden. Mittlerweile sind es 19 weniger.

Entscheidend für die Bestandsentwicklung seien der Vogelzug und die Überwinterung, gibt Frank Tetzlaff zu bedenken. Nicht selten blieben „unsere“ Störche, die über Osteuropa nach Afrika ziehen, irgendwo auf der Strecke. Die Tausende Kilometer lange Route stecke voller Gefahren. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass die Mehrzahl verunglückter Störche an Stromleitungen und Masten verendet. In Afrika wiederum werden bei uns längst verbotene Pflanzenschutzmittel in großen Mengen eingesetzt, um Schädlinge, wie Wanderheuschrecken, zu bekämpfen. Die vergifteten Insekten indes sind Störchen eine willkommene und ebenso todbringende Nahrung. Hinzu kommen Dürreperioden, die das Leben der überwinternden Vögel bedrohen.

So eine Dürre, sagt Frank Tetzlaff, habe es auch im vergangenen Winter in Afrika gegeben. Auf der Suche nach Nahrung seien Störche in weiter entfernt liegende Gebiete gezogen, was ihren Rückflug deutlich verlängert habe. Bei uns lieferten sich die späten Heimkehrer dann Kämpfe mit anderen, früher eingetroffenen Störchen, die sich in ihren Nestern breitgemacht hatten. Dabei wurde hier und da der Nachwuchs getötet.

Andere Störche wiederum fanden in Afrika zu wenig Nahrung und traten den Rückflug deshalb geschwächt an. In Vorpommern gelandet, hätten sie nicht mehr genügend Kondition gehabt, um Nachwuchs aufzuziehen, erläutert Frank Tetzlaff. Als ob das alles nicht schon Bürde genug für Adebar gewesen sei, regnete es in diesem Frühjahr bei uns kaum. Tetzlaff: „Von Mai bis Juni gab es so gut wie keinen Niederschlag. Die Folge: Es fehlten Regenwürmer für gerade geschlüpfte Jungtiere.“

Auch wenn die Storchenbilanz seit Jahren immer schlechter ausfällt, hegen Leute wie Frank Tetzlaff Hoffnung für Adebar. Womöglich kommt die Rettung für seinen Bestand bei uns aus Westdeutschland. Die Störche dort ziehen nicht nach Afrika, um zu überwintern, sondern nach Spanien. Ihre Route ist viel kürzer und nicht so gefährlich. „Auch Nahrung gibt es in Spanien reichlich“, weiß Tetzlaff. Seit einigen Jahren schon mischten Weststörche die bei uns heimische Population auf. Und wer weiß: Vielleicht beherrschen sie die eines Tages.

Sven Jeske

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