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Dersekower Kinder im Zirkusfieber

Greifswald Dersekower Kinder im Zirkusfieber

160 Nachwuchs-Artisten zeigen heute und morgen, was sie gelernt haben / Termin steht schon seit zwei Jahren

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Gestern übten Rima Gevogyan, Pia Odine Hering, Lucy Beyer und Jule Hingst (v.l.) noch außerhalb der Manege. Heute und morgen zeigen sie dem Publikum, wie toll sie das Balancieren beherrschen.

Greifswald. Zwei Trainings, eine Generalprobe und dann gleich drei Aufführungen à zwei Stunden: Was sich der 1. Ostdeutsche Projektzirkus da vorgenommen hat, ist erstaunlich.

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160 Nachwuchs-Artisten zeigen heute und morgen, was sie gelernt haben / Termin steht schon seit zwei Jahren

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Vorführungen: Heute um 17 Uhr und morgen um 10 und um 17 Uhr im Zirkuszelt hinter der Schule. Eintritt: 10/3 Euro. Nächste Stationen: Karlshagen und Züssow.

Denn in Dersekow wird heute und morgen keine normale Zirkusvorführung gezeigt, sondern eine, in der alle 160 Kinder von der örtlichen Grundschule und der Kita zu sehen sind. In mehreren Gruppen studieren sie seit gestern Akrobatik, Artistik, jonglieren, balancieren, eine Clown-Nummer, eine Schwarzlicht-Show und vieles mehr ein.

„Das ist lernen mit anderen Mitteln“, sagt Zirkus-Chef André Sperlich. „Weil in Gruppen und nicht in Klassenverbänden geprobt wird und am Ende die Auftritte stehen, trainieren die Kinder ihr Sozialverhalten und stärken das Selbstbewusstsein.“ Seit elf Jahren sind er und sein Team nun schon landauf, landab mit dem Projekt unterwegs. „Mittlerweile müssen wir den Schulen nicht mehr erklären, was wir machen. Sie kommen auf uns zu“, erzählt er. Weil die Nachfrage stetig zunahm, wurde auch der Zirkus vergrößert (siehe Info-Kasten). 160 Kinder sind für Sperlich schon kaum mehr eine Herausforderung. „In zwei Wochen sind wir an einer Grundschule mit 360 Kindern.“ Dort werden die Nachwuchs-Artisten dann in zwei Gruppen geteilt.

Sperlich selbst unterrichtet Clownerie. „Es ist super, die Kinder sind mit Lust und Liebe dabei“, sagt Lehrerin Heidi Töpler, die die Proben im Klassenraum begleitet. „Kinder lieben Zirkus und die Leute vom Projektzirkus haben eine tolle Art, mit den Kindern umzugehen.“ In ihren 42 Dienstjahren habe sie so etwas noch nicht erlebt.

Auch im roten Zirkuszelt, das hinter der Schule steht, herrscht Trubel. In der Manege trainieren kleine Zauberer eine Nummer, bei denen sie dressierte Tauben auf den Händen halten. Bei Nicole Luschnat, Lia Jasmin Wienbrandt und Pia Zimmermann klappt das schon sehr gut. Sie schwingen einerseits ihren glitzernden Hut, andererseits müssen sie die Vögel im Auge behalten. Gar nicht so leicht, das auch noch locker und gekonnt aussehen zu lassen. Aber es ist ja auch erst die erste Probe. Und Lampenfieber gehört dazu.

„Ja“, sagt auch Veyda Kujawa auf die Frage, ob sie aufgeregt sei. Dabei sieht es schon sehr elegant aus, wie sie mit einem roten Sonnenschirm auf einem dünnen Reifen über ein schmales Stahlseil balanciert.

Und die Lehrer? „Bei mir herrscht bald mehr Vorfreude als Aufregung“, sagt Schulleiterin Katja Lippold. Zusammen mit Katja Lewerenz hat sie sich dafür eingesetzt, dass der Zirkus ins Dorf kommt. „Es war schon sehr aufwendig, aber es lohnt sich“, sagt sie. Sie hoffe, bei den Vorführungen „viele strahlende Augen“ zu sehen, bei den Kindern ebenso wie im Publikum. „Mehrere Eltern haben auch schon am Sonntag beim Aufbau mitgeholfen. Das sollte nicht unerwähnt bleiben“, lobt sie. Auch der Abbau am Mittwoch werde von den Eltern unterstützt.

Vier Zirkusse auf Tour

2005 war das Gründungsjahr des 1. Ostdeutschen Projektzirkus’ von André Sperlich. Mittlerweile hat er vier Zirkusse dieser Art, die nicht nur durch Ostdeutschland, sondern durch die gesamte Republik touren. „Wir haben uns vergrößert, um die Wartezeit zu verkürzen“, sagt der Besitzer. Die Dersekower Grundschule musste laut Leiterin Katja Lippold zwei Jahre auf ihren Termin warten.

Kai Lachmann

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