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00:00 26.04.2017
Nordic Walking im Stadion: Sportliche Aktivitäten standen für viele seit Jahren nicht mehr auf dem Programm. Quelle: Foto: Frank Adam

Es gab Phasen, da hat sie sich aufgegeben. „Ich saß zu Hause und habe geweint. Wollte gar nicht mehr in die Öffentlichkeit.“

In einem Jahr 175 Kilo abgespeckt – acht schwergewichtige Langzeitarbeitslose haben Gewicht verloren und Selbstvertrauen gewonnen / CJD-Projekt startet nun auf Usedom

Marina Putzki aus Anklam erzählt über ihren Tiefpunkt im Leben. Die 40-Jährige wog zu der Zeit knapp 190 Kilogramm. „Man wird da schnell abgestempelt, nach dem Motto, die frisst zu viel. Bei mir war es die falsche Ernährung, dazu kamen Hormontabletten“, gesteht die Anklamerin.

Das war vor einem Jahr. Heute wiegt sie 160 Kilo. Sie lacht wieder, sie hat Lebensmut und Selbstbewusstsein. Geholfen hat ihr die Maßnahme „AktiWA – Aktivierung & berufliche Wiedereingliederung bei Adipositas“. Mit Hilfe eines Teams aus Betreuern, Beratern und Therapeuten haben acht Langzeitarbeitslose aus Anklam und Umgebung in zwölf Monaten insgesamt 175 Kilo abgespeckt und ihre Selbst- und Sozialkompetenz gestärkt. Marina Putzki will ein weiteres Jahr ranhängen – „ich will unter 100 Kilo kommen“.

Ernährungstipps und viel Sport

Initiiert wurde die Maßnahme vom CJD Nord und dem Jobcenter Anklam. „Es war ein großes Wagnis. Halten die Teilnehmer durch? Bringt es den gewünschten Erfolg?“, warf Martin Simdorn, Bereichsleiter beim CJD Nord, mehrere Fragen auf, die im Vorfeld die Runde machten. „Dank der vielen Kooperationspartner haben wir es geschafft“, sagt er bei der feierlichen Übergabe der Zertifikate an die Teilnehmer im Anklamer Gymnasium. Mit einem Body Mass Index von über 30 (Adipositas Grad I) und Empfänger von Arbeitslosengeld II passten die Teilnehmer ins Profil für die Maßnahme. Ihr Gewicht lag anfangs zwischen 117 und 189 Kilogramm. „Sie mussten einen richtigen Panzer mit sich tragen“, bringt es Christa Labouvie, Ernährungsberaterin, auf den Punkt. Sie hat die Übergewichtigen ein Jahr lang begleitet – Ernährungstipps, Aufwerten des beschädigten Selbstwertgefühls und viel Sport war ihr Part. „Sie haben die Chance ihres Lebens genutzt. Die Kilos sind nur so gepurzelt. Sie haben ihr Lebensruder richtig rumreißen können“, sagt Labouvie. Viel Freude schwingt in ihrer Stimme. Denn vordergründig ging es nicht nur um das Abnehmen. „Es geht auch um Lebensqualität. Sie trauen sich jetzt wieder in die Öffentlichkeit“, betont Christa Labouvie.

Und sie sind jetzt auch wieder zu Fuß unterwegs, wie Marina Putzki erzählt. „Früher habe ich alle Wege mit dem Pkw erledigt. Nun gehe ich auch mal spazieren.“ Ein weiterer Erfolg für sie: „Ich wohne in der fünften Etage und kam ohne Durchschnaufpause früher nicht hoch, heute gehe ich in einem Ritt.“ „Diese Geschenke haben Sie sich selbst gemacht“, sagt Frank Adam, pädagogischer Mitarbeiter beim CJD. Adam hat die Gruppe in dem Jahr betreut. Er war dabei, als sie sich bei Arbeitseinsätzen quälten, beim Nordic Walking auf den Stadionrunden schwitzten, beim Aquafitness und im Sportstudio. Sie besuchten das KZ Sachsenhausen, den Bundestag in Berlin und das Anklamer Theater.

„Wir sind jetzt viel aufgeschlossener und nicht mehr so graue Mäuse, die wir mal waren“, sagt Anke Rakow, die in dem Jahr von 154 Kilo auf 127 Kilo abgespeckt hat. „Als die ersten Kilos purzelten, hat uns der Ehrgeiz gepackt“, sagt sie stellvertretend für ihre Mitstreiter.

Nach der erfolgreichen ersten Maßnahme in Anklam wird am 2. Mai das gleiche Projekt für die Region Usedom/Wolgast mit acht Teilnehmern beim CJD Insel Usedom-Zinnowitz mit Unterstützung des Jobcenters Wolgast starten.

Dreiwöchiges Betriebspraktikum

Bei Adipositas handelt es sich um eine Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht, die durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen gekennzeichnet ist.

Inhalte der einjährigen Maßnahme:

Ernährungsberatung, Bewegungseinheiten, Verhaltenstraining, Kompetenzförderung, Motivationstraining sowie Typ- & Stilberatung. Organisation eines dreiwöchigen betrieblichen Praktikums, um die Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Das Christliche Jugenddorfwerk Nord ist der Verbund aller CJD-Dienststellen in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Henrik Nitzsche

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