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Die Kämpferin für den Tierpark

Greifswald Die Kämpferin für den Tierpark

Chefin Heidi Schönherr hat tausend Pläne und jede Menge Energie – gut für die Anlage.

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Heidi Schönherr vor der neuen Stachelschweinbehausung im Greifswalder Tierpark.

Quelle: Foto: Sybille Marx

Greifswald. Wenn Heidi Schönherr durch den Greifswalder Tierpark geht, sagt sie ständig Sätze wie: „Das hier vergrößern wir noch“, „Hier war mal die Kasse. . .“, „Dort sollen künftig einige Tiere unterkommen...“, – denn seit sie vor sechs Jahren den Chefposten im Greifswalder Tierpark übernommen hat, hat sie den Kopf voller Ideen und einen Prozess angestoßen, der die ganze Anlage verwandelte: Gehege wurden vergrößert und mit Blick auf veränderte Richtlinien für die artgerechte Haltung umgestaltet, Wege neu gemacht, Begrenzungen aus Holz gefertigt, Staudenbeete bepflanzt. . .

Heidi Schönherr ist eine Macherin, eine, die aufblüht, wenn sie etwas Sichtbares schaffen kann. „Das sind für mich die schönsten Momente bei der Arbeit, wenn wir es etwas Neues einweihen“, sagt sie.

Wie etwa vor drei Jahren das große Affengehege mit der Insel, auf der die Kapuzineräffchen von Baum zu Baum hangeln können.

Als Schönherr 2011 anfing, steckte der von einem Verein betriebene Tierpark noch sichtlich in der Krise, wirkten viele Gehege, Wege und Beete runtergekommen. Die Stadt hatte jahrelang die Zuschüsse nicht erhöht, nötige Investitionen stauten sich. Die neue Chefin trat „die Flucht nach vorn an“, wie sie es nennt, und schlug in der Bürgerschaft Alarm. „Es gab ja nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Zuschüsse würden erhöht oder wir gingen kaputt“, sagt sie.

Seitdem hat Heidi Schönherr noch weitere Erhöhungen erreicht – und immer neue Wege gefunden, Spendengelder, Sachspenden und indirekte Fördermittel einzuwerben, etwa über ABM-Maßnahmen. Sie macht eine schlängende Handbewegung. „Das ist ja ein Vorteil von uns DDR-Bürgern“, sagt die gebürtige Dresdnerin. „Wir haben gelernt, Auswege zu finden.“

Die Einnahmen des Tierparks sind seitdem gestiegen, die Ausgaben wegen der vielen Investitionen aber auch, ebenso die Arbeit. „Ich habe aber ein super Team“, betont die 56-Jährige. „Und es ist oft nützlich, dass ich eine Quereinsteigerin bin.“ Anders als viele andere Tierparkleiter ist sie weder Tiermedizinerin noch Biologin; „dafür habe ich ja meinen Cheftierpfleger“. Sie selbst hat in Heiligendamm Industriedesign studiert, als Gebrauchsgrafikerin und Industriedesignerin für verschiedene Träger Naturlehrpfade oder Spielplätze entworfen, Konzepte und Förderanträge geschrieben, etwa für das Anklamer Aeronauticon und die Begegnungsstätte Kaminke.

Für den Greifswalder Tierpark entwarf sie 2010 einen Spielplatz. Eben das, erzählt sie, machte den damaligen Tierparkchef aufmerksam. Heidi Schönherr, die damals wie heute bei Ducherow am Waldrand wohnt, wurde seine Nachfolgerin. Grundwissen über Wildtierhaltung lernte sie in Fortbildungen, die Liebe zur Natur hatte sie ohnehin: „Ich habe als Kind viel Zeit mit meinem Opa verbracht, der alle Blumennamen kannte“, erzählt sie. Mit den Eltern habe sie im Urlaub Paddeltouren unternommen und Vögel beobachtet. „Mit meinen eigenen Söhnen bin ich dann oft in Tierparks gewesen, wir hatten Hunde und Katzen zu Hause, zu Wendezeiten sogar ein Stinktier“, erzählt sie lachend. Auch Kräuter für Tee hätten sie gesammelt und Wiesensalat gepflückt.

Über den Tierpark nun Stadtkindern einen Zugang zu Pflanzen und Tieren zu ebnen, macht ihr Spaß. „Wir haben hier keine Löwen oder Tiger und anders als früher keine Wölfe und Hirsche mehr, weil wir die nicht artgerecht halten könnten“, sagt sie. Das fehle aber nicht. Viele Familien hätten keine Haustiere mehr, „wir sind der Vorgarten der Greifswalder“. Der Imker, der eine Kindergruppe leitet, die Zootierschule, in der Schulkinder etwas lernen – Angebote wie diese will sie weiter ausbauen.

Wenn die erbetenen Fördermittel von der EU kommen, soll nicht nur der verschlammte Teich endlich ausgebaggert, sondern auch das Gehege der Ziegen, Esel und Ponys zum Mini-Bauernhof mit begehbarem Stall umgebaut werden. „So kommen die Kinder noch direkter in Kontakt mit den Tieren“, hofft Schönherr. Und sie selbst kann wieder einmal genießen, dass etwas fertig geworden ist.

Die Entwicklung in Zahlen

Die Besucherzahlen im Greifswalder Tierpark sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen.

44 381 Besucher zählte der Tierpark im Jahr 2007. Im Jahr 2011 waren es 48 192. Im vergangenen Jahr wurden bereits 75927 registriert, und der Tierpark stellte auf eine neue Zählung um, die beim Familienticket die tatsächliche Zahl der Kinder aufzeichnet. Demnach besuchten 2016 fast 95000 Kinder und Erwachsene den Greifswalder Tierpark.

Während im Jahr 2011 noch 21 Mitarbeiter im Park beschäftigt waren, sind es heute 38, darunter viele mit befristeten, staatlich geförderten Stellen. Seit 26 Jahren gehört zudem Cheftierpfleger Frank Tetzlaff zum Team.

Sybille Marx

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