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„Die Verschwenkung ist eine Wahlposse“

Kemnitz „Die Verschwenkung ist eine Wahlposse“

Kemnitz leidet unter enormem Lkw-Verkehr / Vor der Wahl wurde plötzlich an der Straße gebaut

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In Kemnitz wohnen viele junge Familien. Doch aus der Dorfstraße ist die Transitstrecke für Lkw zum Hafen Vierow geworden. Das ärgert viele.

Quelle: Fotos: Cm

Kemnitz. Die Gemeinde hat stabile Einwohnerzahlen. Und doch sind viele Leute genervt. Warum und wovon, über neue Straßennamen und eine Blumenzwiebelaktion – darüber sprach die OZ mit Bürgermeister Klaus Buchheister.

 

OZ-Bild

„„Wir Kemnitzer fordern nach wie vor den schnellen Bau einer Umgehungsstraße, damit endlich die Lkw aus dem Ort verschwinden.“Klaus Buchheister, Bürgermeister

Vor wenigen Wochen hat im Ort der kleine Laden geschlossen. Damit sind auf einen Schlag Einkaufsmöglichkeit, Post und Bank weg. Geht das in Kemnitz jetzt so weiter?

Klaus Buchheister: Das will ich doch nicht hoffen. Wenn jemand aus Altersgründen sein Geschäft aufgibt und keinen Nachfolger findet, ist das natürlich immer ärgerlich. Und wir brauchen uns auch nichts vorzumachen: Es kommt kein neues Geschäft. Dort entstehen jetzt Wohnungen. Dennoch sehe ich uns in der Infrastruktur ganz gut aufgestellt. Wir haben ja noch die Grundschule des Amtes und die ABS-Kita hier vor Ort, dazu mehrere Ärzte, Landwirtschaftsbetriebe und Gewerbetreibende.

Schule und Kita haben eine sichere Existenz?

Das haben sie, beide Einrichtungen sind sehr gut ausgelastet. In der Grundschule wird zweizügig gearbeitet. In der Kita gibt es sogar eine Warteliste, weil gar nicht alle Anfragen nach einem Betreuungsplatz realisiert werden können.

Bei den vielen Kindern liegt die Frage auf der Hand: Ist Kemnitz ein junges Dorf?

Ich denke schon, unsere Bauflächen für Eigenheime sind alle vergeben. In den vergangenen Jahren sind viele junge Familien nach Kemnitz gezogen. Unsere Einwohnerzahl liegt konstant bei 1100. Die Uni hat in Kemnitzerhagen drei Parzellen verkauft. Und auch das alte Gutshaus dort wird wieder schick gemacht. Aber auch die älteren Bewohner fühlen sich im Ort wohl. Gerade haben wir als Gemeinde ein Grundstück hinter der Feuerwehr veräußert, auf dem eine Kemnitzerin eine Einrichtung des Betreuten Wohnens mit 25 Wohneinheiten errichten will.

Und wie sieht es mit Investitionen durch die Gemeinde aus?

Im vergangenen Jahr haben das Gemeindezentrum und die Kita – das Gebäude gehört der Gemeinde – eine neue Heizung erhalten. Im Moment warten wir auf den Zuwendungsbescheid aus dem Leader-Programm zur Vergrößerung des Saales im Gemeindezentrum auf 80 bis 100 Plätze. Immer, wenn größere Veranstaltungen anstehen, müssen wir auf andere Orte ausweichen, weil nicht alle Teilnehmer Platz finden.

Immerhin gehören zur Gemeinde Kemnitz fünf Ortsteile: Kemnitz, Kemnitzerhagen, Kemnitz Meierei, Rappenhagen und Neuendorf. Wir haben die Zusage, dass wir von den 80000 Euro, die der Saalumbau kostet, 70 Prozent gefördert bekommen. Unseren Eigenanteil haben wir in den Haushalt eingestellt.

Die Gemeinde hat noch Geld?

Wir müssen sparsam wirtschaften und leider immer wieder auf Rücklagen zugreifen, damit der Haushalt ausgeglichen wird. Dennoch bemühen wir uns, auch mit kleinen Dingen das Dorf zu verschönern.

Wie meinen Sie das?

Im vergangenen Jahr hat uns die Jagdgenossenschaft Blumenzwiebel zur Verfügung gestellt. Wir haben damit eine Fläche am Teich gestaltet. Das sah sehr hübsch aus, als alles blühte. Das wollen wir fortsetzen, in allen Ortsteilen. Wir wollen auch die Idee von Hanshagen aufgreifen und jedes Jahr einen Frühjahrsputz machen. Ein gepflegtes Dorf spricht alle – Einwohner und Gäste – an.

Kemnitz ist für die vielen Lkw Richtung Lubmin bekannt. Viele Anwohner sind genervt, weil sich ein Großteil der Fahrer nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Hat sich etwas geändert?

Kein bisschen. 80 Prozent der Lkw sind hier zu schnell unterwegs, das haben mehrere Messungen ergeben. Seit 15 Jahren machen wir als Gemeindevertretung und auch seitens des Amtes Druck, dass eine Umgehungsstraße her muss. Früher war immer nur die Rede von der Entlastungsstrecke zwischen Eldena und Lubmin. Inzwischen hat man begriffen, dass es zwei Entlastungsstrecken geben muss: eine für Eldena und eine für Kemnitz. Das ist aber auch das einzig Gute. Im Oktober 2014 war im Straßenbauamt Stralsund die letzte Beratung dazu. Dann wechselte die Zuständigkeit zum Straßenbauamt Neustrelitz. Dort wartet man bis heute vergeblich auf die Planungsunterlagen aus Stralsund.

Ein Kemnitzer hat den Petitionsausschuss des Landtages angeschrieben (die OZ berichtete). Plötzlich wurde vor der Landtagswahl die Ortsdurchfahrt bis zum Kreisel saniert und eine sogenannte Verschwenkung gebaut. Hat es was gebracht?

Diese Baumaßnahme ist eine Wahlposse. Die Verschwenkung ist doch gar keine, weder Lkw- noch Pkw-Fahrer müssen für die kleine Ausbuchtung die Bremse betätigen. Nach wie vor sind laut einer Untersuchung des Kreises vom Herbst die Lkw viel zu schnell unterwegs. Vielleicht hätten Berliner Kissen was gebracht. Wir haben jetzt den Antrag an die Polizei gestellt, öfter Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen. Das wurde zugesichert. Aber nach wie vor fordern wir, dass dringend eine Umgehung Richtung Vierow her muss.

Was ist denn mit dem Holperstück der alten Dorfstraße hinter dem Kreisel?

Das möchten wir instandsetzen. Dafür suchen wir gerade einen geeigneten Fördertopf, wo wir unser Projekt beantragen können.

Kemnitz soll neue Straßennamen bekommen, stimmt das?

Wir müssen einige Straßennamen ändern, die es mehrfach gibt, zum Beispiel die Dorfstraße. Das ist besonders für den Rettungsdienst wichtig, denn laut Postanschrift heißen alle Orte Kemnitz. Deshalb gebrauchen wir bei Rappenhagen und Kemnitzerhagen künftig als Adresse den Ortsnamen und die Hausnummer, und in Neuendorf wird es neue Straßennamen geben.

Positive Schlagzeilen macht Kemnitz immer wieder mit der Feuerwehr. Was ist da los?

Wir haben eine sehr aktive Wehr mit 65 Mitgliedern. Besonders die Frauengruppe ist sehr erfolgreich und nimmt auch an deutschlandweiten Wettkämpfen teil. Aber neben der Feuerwehr sind auch andere Vereine sehr aktiv. Dazu gehören der Volkschor, die Volkssolidarität, der Fußballverein mit drei Mannschaften und eine Bastelgruppe.

Cornelia Meerkatz

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