Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Die Vision von einer CO2-freien Stadt

Greifswald Die Vision von einer CO2-freien Stadt

„Masterplan 100 % Klimaschutz“ definiert für Greifswald ehrgeizige Ziele bis zum Jahr 2050

Voriger Artikel
B 110 vor Usedom wird saniert
Nächster Artikel
Polit-Posse um Eisbahn in Pasewalk

Umweltsenatorin Jeannette von Busse und Masterplan-Manager Michael Busch bauen auf das Engagement der Greifswalder.

Quelle: Foto: Petra Hase

Greifswald. Illusorisch oder machbar? Die Hansestadt Greifswald hat ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele noch einmal überarbeitet und strebt jetzt an, im Jahr 2050 nahezu kohlendioxidfrei zu sein. Gleichzeitig soll der Energieverbrauch im Vergleich zu 1990 halbiert werden. Ihren Niederschlag finden diese Pläne im druckfrischen „Masterplan 100 % Klimaschutz“. Das 200- seitige Dokument ist ab nächster Woche Diskussionsthema in den Fachgremien der Bürgerschaft.

Sektor 1990 2015 2050 Saldo THG* 2015 zu 1990   Saldo THG* 2050 zu 1990  
  THG THG THG Absolut Prozent Absolut Prozent
Gewerbe, Handel, Dienstleistungen 152.520 114.241 4.063 -38.279 -25% -148.457 -97%
Industrie 44.185 11.051 524 -33.134 -75% -43.661 -99%
KommunaleEinrichtungen 34.602 5.427 402 -29.175 -84% -33.200 -99%
Private Haushalte 234.897 115.355 12.321 -119.542 -51% -22.576 -95%
Verkehr 51.840 65.789 8.061 13.949 27% -43.779 -84%
Gesamt 518.044 311.863 25.371 -206.181 -40% -492.673 -94%

„Der Masterplan ist die konsequente Weiterführung unserer bisherigen Anstrengungen. Ob wir die Ziele tatsächlich umsetzen, liegt auch an jedem einzelnen. Man kann Klimaschutz nicht befehlen“, sagt Stefan Fassbinder. Als grüner Oberbürgermeister stehen ihm derlei Vorsätze gut zu Gesicht. Allerdings ist der Weg dahin nicht nur lang, sondern hürdenreich. Fakt ist: Vor fünf Jahren musste sich Greifswald bei einer ersten Bilanz eingestehen, die geplanten Eckwerte nicht erreicht zu haben. Eigentlich sah das 2010 beschlossene Klimaschutzkonzept der Hansestadt vor, die CO2

-Werte bis 2020 um 14 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Stattdessen stiegen die Emissionen zwischenzeitlich sogar an.

Letzte Erhebungen, so Masterplan-Manager Michael Busch, ließen aber wieder hoffen. Demnach habe der Ausstoß von Kohlendioxid 2015 bei 312000 Tonnen gelegen. Das entspräche einem Rückgang von knapp 40 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 mit 518000 Tonnen. „Wir sind also auf dem richtigen Weg“, erklärt Busch, betont aber zugleich: „Um die Ziele bis 2050 zu erreichen, muss in allen Bereichen etwas passieren, sonst wird es knapp.“ Alle Bereiche bedeutet also nicht nur, dass sich die Verwaltung dreht. Auch in Industrie, Handel, Gewerbe und Dienstleistungen und beim Verkehr müsse ein Umdenken erfolgen. Nicht zu vergessen: die privaten Haushalte. Ihr CO2-Ausstoß betrug laut Studie 2015 rund 115000 Tonnen – etwas mehr als das, was Handel, Gewerbe und Dienstleistungen in Greifswald zu verantworten haben.

„Wenn beispielsweise unser Gebäudebestand soweit energetisch saniert würde, dass er lediglich etwa ein Drittel weniger an Energie für Heizung und Warmwasser benötigt und wir den verbleibenden Bedarf hauptsächlich über Fernwärme, Solarenergie und Geothermie decken, kommen wir unseren Zielen einen großen Schritt näher“, verdeutlicht der Geograf. Zudem sollte Strom in Zukunft generell aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Die Stadtverwaltung, versichert Greifswalds Umweltsenatorin Jeannette von Busse, gehe beim Klimaschutz mit gutem Beispiel voran: „Dank der Gebäudeleittechnik und einem Energiemanagement ist der Energiebedarf in kommunalen Gebäuden stetig zurückgegangen“, sagt sie. Allerdings sei der Strombedarf aufgrund der Digitalisierung und moderner Technik, wie etwa der Lüftungsregelung oder Bewegungsmeldern, gleichgeblieben.

Aktuell bemühe sich die Stadt zudem um den Ausbau der Elektro- Mobilität in Greifswald. In Kooperation mit den Stadtwerken werde nach weiteren Standorten für E-Ladesäulen gesucht. Auch vor dem Rathaus sei so ein Standort geplant. Darüber hinaus bemühe sich die Verwaltung um ein zentrales Fuhrparkmanagement. Ursprünglich war geplant, ein solches Management gemeinsam mit den Stadtwerken und den Wohnungsunternehmen aufzubauen. „Doch dabei stießen wir leider an die Grenzen von Gesetzen und Vorschriften, sodass wir jetzt erst einmal kleine Lösungen für die Stadt anstreben“, sagt Oberbürgermeister Fassbinder.

Zum Erreichen der Ziele kann sich die Hansestadt übrigens der Unterstützung des Bundes sicher sein: Über vier Jahre fließen 389000 Euro nach Greifswald. Sie ist die einzige in das Masterplan- Bundesprogramm aufgenommene Stadt in MV (die OZ berichtete).

*THG: Treibhausgase

Petra Hase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Greifswald
Der Big Jump 2012: Damals machten rund 30 Studenten auf die dürftige Wasserqualität des Ryck aufmerksam.

Müll sammeln, Bäume pflanzen, Baden gehen: ein Aktionstag lädt alle ein, den Fluss zu entdecken

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Ostvorpommern
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 bis 15.30

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74
E-Mail: greifswald@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.