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Ostvorpommern Die Vision von einer CO2-freien Stadt
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Die Vision von einer CO2-freien Stadt
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00:00 12.10.2017
Umweltsenatorin Jeannette von Busse und Masterplan-Manager Michael Busch bauen auf das Engagement der Greifswalder. Quelle: Foto: Petra Hase

Illusorisch oder machbar? Die Hansestadt Greifswald hat ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele noch einmal überarbeitet und strebt jetzt an, im Jahr 2050 nahezu kohlendioxidfrei zu sein. Gleichzeitig soll der Energieverbrauch im Vergleich zu 1990 halbiert werden. Ihren Niederschlag finden diese Pläne im druckfrischen „Masterplan 100 % Klimaschutz“. Das 200- seitige Dokument ist ab nächster Woche Diskussionsthema in den Fachgremien der Bürgerschaft.

Sektor

1990

2015

2050

Saldo THG* 2015 zu 1990

Saldo THG* 2050 zu 1990

THG

THG

THG

Absolut

Prozent

Absolut

Prozent

Gewerbe, Handel, Dienstleistungen

152.520

114.241

4.063

-38.279

-25%

-148.457

-97%

Industrie

44.185

11.051

524

-33.134

-75%

-43.661

-99%

KommunaleEinrichtungen

34.602

5.427

402

-29.175

-84%

-33.200

-99%

Private Haushalte

234.897

115.355

12.321

-119.542

-51%

-22.576

-95%

Verkehr

51.840

65.789

8.061

13.949

27%

-43.779

-84%

Gesamt

518.044

311.863

25.371

-206.181

-40%

-492.673

-94%

„Der Masterplan ist die konsequente Weiterführung unserer bisherigen Anstrengungen. Ob wir die Ziele tatsächlich umsetzen, liegt auch an jedem einzelnen. Man kann Klimaschutz nicht befehlen“, sagt Stefan Fassbinder. Als grüner Oberbürgermeister stehen ihm derlei Vorsätze gut zu Gesicht. Allerdings ist der Weg dahin nicht nur lang, sondern hürdenreich. Fakt ist: Vor fünf Jahren musste sich Greifswald bei einer ersten Bilanz eingestehen, die geplanten Eckwerte nicht erreicht zu haben. Eigentlich sah das 2010 beschlossene Klimaschutzkonzept der Hansestadt vor, die CO2

-Werte bis 2020 um 14 Prozent gegenüber 2005 zu senken. Stattdessen stiegen die Emissionen zwischenzeitlich sogar an.

Letzte Erhebungen, so Masterplan-Manager Michael Busch, ließen aber wieder hoffen. Demnach habe der Ausstoß von Kohlendioxid 2015 bei 312000 Tonnen gelegen. Das entspräche einem Rückgang von knapp 40 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 mit 518000 Tonnen. „Wir sind also auf dem richtigen Weg“, erklärt Busch, betont aber zugleich: „Um die Ziele bis 2050 zu erreichen, muss in allen Bereichen etwas passieren, sonst wird es knapp.“ Alle Bereiche bedeutet also nicht nur, dass sich die Verwaltung dreht. Auch in Industrie, Handel, Gewerbe und Dienstleistungen und beim Verkehr müsse ein Umdenken erfolgen. Nicht zu vergessen: die privaten Haushalte. Ihr CO2-Ausstoß betrug laut Studie 2015 rund 115000 Tonnen – etwas mehr als das, was Handel, Gewerbe und Dienstleistungen in Greifswald zu verantworten haben.

„Wenn beispielsweise unser Gebäudebestand soweit energetisch saniert würde, dass er lediglich etwa ein Drittel weniger an Energie für Heizung und Warmwasser benötigt und wir den verbleibenden Bedarf hauptsächlich über Fernwärme, Solarenergie und Geothermie decken, kommen wir unseren Zielen einen großen Schritt näher“, verdeutlicht der Geograf. Zudem sollte Strom in Zukunft generell aus erneuerbaren Energien gewonnen werden.

Die Stadtverwaltung, versichert Greifswalds Umweltsenatorin Jeannette von Busse, gehe beim Klimaschutz mit gutem Beispiel voran: „Dank der Gebäudeleittechnik und einem Energiemanagement ist der Energiebedarf in kommunalen Gebäuden stetig zurückgegangen“, sagt sie. Allerdings sei der Strombedarf aufgrund der Digitalisierung und moderner Technik, wie etwa der Lüftungsregelung oder Bewegungsmeldern, gleichgeblieben.

Aktuell bemühe sich die Stadt zudem um den Ausbau der Elektro- Mobilität in Greifswald. In Kooperation mit den Stadtwerken werde nach weiteren Standorten für E-Ladesäulen gesucht. Auch vor dem Rathaus sei so ein Standort geplant. Darüber hinaus bemühe sich die Verwaltung um ein zentrales Fuhrparkmanagement. Ursprünglich war geplant, ein solches Management gemeinsam mit den Stadtwerken und den Wohnungsunternehmen aufzubauen. „Doch dabei stießen wir leider an die Grenzen von Gesetzen und Vorschriften, sodass wir jetzt erst einmal kleine Lösungen für die Stadt anstreben“, sagt Oberbürgermeister Fassbinder.

Zum Erreichen der Ziele kann sich die Hansestadt übrigens der Unterstützung des Bundes sicher sein: Über vier Jahre fließen 389000 Euro nach Greifswald. Sie ist die einzige in das Masterplan- Bundesprogramm aufgenommene Stadt in MV (die OZ berichtete).

*THG: Treibhausgase

Petra Hase

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