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Die alte 96 verkommt zur Müllstrecke

Mesekenhagen Die alte 96 verkommt zur Müllstrecke

Zwischen Neuenkirchen und der Abfahrt nach Gristow liegt beinahe auf Schritt und Tritt Abfall.

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So sieht es an vielen Stellen entlang der alten B 96 zwischen Neuenkirchen und der Abfahrt Gristow aus.

Quelle: jes

Mesekenhagen. Unrat, alle paar Meter Unrat: Die ehemalige Fernverkehrsstraße 96 nördlich von Greifswald ist zur Müllstrecke geworden.

Christina Spierling ärgert sich beinahe täglich darüber. Die Frau aus Gristow fährt montags bis freitags mit dem Rad zur Arbeit nach Greifswald; sie ist Geschäftsführerin des Fremdenverkehrsvereins „Hansestadt Greifswald und Land“. „Ich bin Touristikerin und ärgere mich maßlos über den vielen Dreck, den irgendwelche Leute hier in unsere schöne Landschaft kippen“, bekennt sie. Die alte 96, gibt Spierling zu bedenken, sei Teil des Ostseeküstenradwegs, der im Sommer von so manchem Urlauber genutzt werde. Zwar verläuft der ausgewiesene Weg zwischen Neuenkirchen und Mesekenhagen nicht direkt auf der einstigen Autotrasse. Da die offizielle Radstrecke über Leist und Karrendorf zurzeit aber in einem sehr schlechten Zustand ist, dürfte auch in diesem Jahr so mancher Touri auf der früheren 96 in die Pedalen treten, um nach Greifswald zu gelangen. Der viele Müll, fürchtet Spierling, könnte das Image unserer Gegend beschädigen.

Laminatreste und Dachpappe, Farbeimer und leere Flaschen, gefüllte Abfallsäcke, Bettzeug — vieles hat Christina Spierling an den Rändern der Straße und in nahen Gräben entdeckt und fotografiert.

Verschwunden ist das Ganze damit nicht. „Um alles einzusammeln, müssten wohl so 20 Leute ganz konzentriert die Strecke ablaufen“, schätzt Geert-Christoph Seidlein, Bürgermeister der Gemeinde Mesekenhagen, ein. Die Strecke, fügt er hinzu, sei lang und entmutigend. Den Müll einzusammeln käme einer Strafarbeit gleich. Seidlein weiß, wovon er redet. Vor zwei Wochen erst sammelten er und sechs weitere Frauen und Männer die Ränder der Straße von Gristow zur B 105 ab. Eineinhalb Stunden hätten sie dafür benötigt. Bis jetzt gab es in der Gemeinde Mesekenhagen keine gemeinschaftlichen Frühjahrsputzaktionen. Ob es sie künftig geben wird, ließ Seidlein gestern offen. Die ehemalige 96 über Mesekenhagen nach Greifswald wurde vor Jahren drei Kommunen zugeordnet: Mesekenhagen, Neuenkirchen und Wackerow. Denkbar ist, dass sich alle drei um die Säuberung kümmern. Von der Abfallbehörde des Landkreises scheint Geert-Christoph Seidlein nicht allzuviel zu erwarten.

Behördenmitarbeiter erklärten gestern zwar, auch für die Beseitigung wilde Müllhalden in der Natur zuständig zu sein. Seidleins Erfahrung allerdings besagt, dass sich der Landkreis mitunter ziert, wenn es darum geht, angezeigte Dreckecken aus der Welt zu schaffen. Ihm sei vom Kreis einst beschieden worden, dass zu wenig Leute da seien, um allem Müll Herr zu werden.

Angesprochen auf das Abfallproblem an der alten 96, teilte Robert Vicent, Mitarbeiter der Kreis-Abfallbehörde, gestern mit, dass für die Beräumung des Mülls die angrenzenden Gemeinden zuständig seien. Auch der Landkreis und die Forstverwaltung der Universität hätten hier Verantwortlichkeiten, zudem die Straßenmeisterei in Helmshagen. Allein der Landkreis habe dieses Jahr schon vier Beräumungen in diesem Bereich durchgeführt. Hinzu kämen Beräumungen der Uni-Forst und des Amtes Landhagen. Leider, so Vicent, würden immer wieder Abfälle heimlich entsorgt, so dass schnell der Eindruck entstehe, die Behörden täten nichts. Das sei aber nicht korrekt.

 



Sven Jeske

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