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Ostvorpommern Die offene Seele der Alwine Wuthenow
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Die offene Seele der Alwine Wuthenow
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03:48 13.04.2013
Im Pfarrhaus von Neuenkirchen erinnerte Gerhard Dallmann (vorne) an die niederdeutsche Dichterin Alwine Wuthenow. Quelle: Ch. Senkbeil

„Ein Schrei kam aus dem Balthasarschen Haus.“ Mit diesen Worten beginnt die jüngste literarische Abhandlung über die niederdeutsche Dichterin Alwine Wuthenow (1820 — 1908). Geschrieben hat sie der Greifswalder Autor Gerhard Dallmann. Am Donnerstag stellte er sein Essay erstmals öffentlich vor: im Pfarrhaus von Neuenkirchen, wo Alwine Wuthenow vor mehr als 190 Jahren das Licht der Welt erblickte.

Der Schrei, den Dallmann an den Anfang seiner Schrift setzte, galt nicht Wuthenows Geburt und hatte doch großen Einfluss auf ihr Leben. Alwine befand sich noch im Bauch ihrer Mutter, als die mit eben jenem Schrei auf den überraschenden Tod des kleinen Sohnes reagierte. Zwei Tage danach brachte „Frau Pastor“ „den lütten Breetpisser“ (gemeint ist Alwine) verfrüht auf die Welt. Die vom seelischen Zusammenbruch ausgelöste Geburt stand noch über Jahre in Verdacht, für das gewisse Sonderbare verantwortlich zu sein, das Alwine schon als Kind umgab. „Sie trägt ein kleines Geheimnis in sich, das beachtet werden soll“, schreibt Gerhard Dallmann mit der ihm eigenen liebevollen Art, über Menschen zu erzählen.

Als Alwine sechs ist, stirbt Mutter Johanna bei der Geburt von Schwester Anna. Vater Carl Balthasar, inzwischen Vizepläban in der Ackerbürgerstadt Gützkow, heiratet nach Jahresfrist die 24-jährige Witwe Frederike von Lepel — „intelligent und schön“, gut zu den vier Kindern. Ein Schatten auf Alwines Seele bleibt. „Als würde der Geist ihren Körper für Minuten verlassen“, beschreibt ihn ein zu Rate gezogener Wolgaster Arzt.

Alwine kommt nach Greifswald. Geistesbildung bei den Hornschuchs. Mit 13. „Ein umwerfend neues Leben“ mit Büchern, Kirchen, Orgelmusik. Und mit Reimen, die ihr wie Vögelchen zufliegen. Doch die „Absondzien“ nehmen zu, in denen Alwine „wie aus Zeit und Stunde gehoben“ da- steht. „Pränatale Schädigungen“ führen zu einer drei Jahre langen Therapie in Schwerin, aus der sie mit 18 „halbwegs geheilt“ entlassen wird. Zu Hause in Gützkow liest sie Tieck, Eichendorff, Brentano. Und dann tritt Ferdinand Wuthenow in ihr Leben, Rechtsgelehrter und Bürgermeister. Eine Liebe für ein ganzes Leben wächst heran. Auch wenn die beiden verschieden sind, wie Dallmann beschreibt. Er: vom revolutionären Gedankengut des Bundesbruders Fritz Reuter beseelt. Sie: voll fröhlich-naiver Glaubensgewissheit.

Die Nervenheilanstalt bleibt Alwine Wuthenow nicht erspart. In Briefen an Ferdinand daheim, inzwischen in Greifswald, liegt Alwines Seele offen.

Ihre Gedichte sind Kunst. Und immer auf Platt. „Ik kann nich hochdütsch seggen, wat in min Bussen sitt...“, schreibt sie einmal über ihre Liebe zum Niederdeutsch. Ihre Wechsel zwischen Schaffenskraft und Dunkel erstaunen. „Wie ist das möglich?“, sagt ihr Arzt: „Jedes Wort von ihr ist wie eine Perle im Kies.“ Nach 13 Monaten Einsamkeit kehrt Wuthenow, inzwischen eine Dichterin, nach Greifswald zurück.

Auch Fritz Reuter begeistert ihre Lyrik, Klaus Groth veröffentlicht sie im „Quikborn“. „Sie war nun nicht mehr zu bremsen“, sagt Dallmann. Des Vaters Tod löst den „Schmerz ihrer immer blutenden Seele“ neuerlich aus. Neun Jahre Katharinenstift Rostock folgen, dann drei Jahre teure Therapie in Stuttgart, wieder Rostock. „Aber was ihre Seele ausschrie, blieb der Welt nicht verborgen“, sagt Dallmann. Reuter verlegt ihre Gedichte. Sie überlebt ihren geliebten Ferdinand um 34 Jahre und stibt als geachtete Frau mit 88 Jahren in Greifswald. Heute erinnert eine Tafel an ihrem letzten Wohnhaus an Alwine Wuthenow. Auch eine Straße in Neuenkirchen. Und eine Tafel vor ihrem Wohnhaus in Gützkow. Und natürlich Pastor Gerhard Dallmann, dessen Schrift über Wuthenow hoffentlich Verbreitung findet.

Dallmann über Wuthenow 17. April, 19 Uhr, Pfarrhaus Gützkow

Christine Senkbeil

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