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Wolgast Dieser Mann lotst in die Gesellschaft

Sven Hüttemann gehört zu den Integrationslotsen im Landkreis Vorpommern-Greifswald / Seine Hilfe wird gebraucht

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Hasan Almustafa (r.) hat den Besuch Sven Hüttemanns dringend erwartet. Auch für die amtliche Post benötigt er dessen Hilfe.

Quelle: ag

Wolgast. In Wolgast versucht gerade eine zwölfköpfige Familie aus Syrien sesshaft zu werden und sich zu integrieren. Ihre Heimatstadt Aleppo hatte sie vor zehn Monaten verlassen, ihr Wohnhaus lag in Schutt und Asche. Die Familien Almustafa, Alhassan und Zeidan hatten bislang gemeinsam in einer Asylunterkunft in der Trassenheider Strandstraße gelebt. Jetzt erhielten alle Mitglieder nach und nach die Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. „Das bedeutet auch, dass sie die dezentrale Asylunterkunft verlassen und sich in Wohnungen des freien Marktes einrichten müssen“, sagt Sven Hüttemann (52), einer von sieben Integrationslotsen des Landkreises Vorpommern-Greifswald, die die Betroffenen unterstützen.

Es mangelt am Elementarsten Die Syrer haben viele Hürden zu bewältigen, um sich in den neuen Wohnungen in der Makarenko- und Pestalozzistraße einzurichten. Die Verständigung ist nur eine davon. Als Hüttemann die Familie gestern besuchte, wurde seine Hilfe dringend gebraucht. Vor allem Familienvater Hasan Almustafa (42) wirkte gestresst, weil der Großfamilie noch so vieles zum Leben fehlt; zumeist ganz Elementares, wie Waschmaschine, Küchenherd und Lampen. Deren Bedarf hatte Hüttemann vor zehn Tagen beim Jobcenter angemeldet, bislang ohne Erfolg. Und auf den Tischen türmten sich obendrein Papiere, mit deren Deutung die Syrer überfordert waren. „Das ist jetzt eine schwierige Situation. In der Asylunterkunft wurde ihnen alles Notwendige zur Verfügung gestellt, jetzt müssen sie selbst tätig werden, um sich einzurichten. Das Jobcenter hilft lediglich mit einer elementaren Erstausstattung im unteren Preisniveau“, sagt Hüttemann. Er meint aber auch, dass die Unterstützung besser funktionieren könnte.

„Eine so große Familie tagelang ohne Waschmaschine – das geht gar nicht.“ Der Integrationslotse sieht Sand im Getriebe. „Die jetzt in Trassenheide aufgegebene Unterkunft war vom Landkreis voll ausgestattet, jetzt ist das Jobcenter zuständig. Es wäre wünschenswert, wenn sich schnell eine Möglichkeit finden ließe, die Ausstattungen zwischen Landkreis und Jobcenter zu verrechnen.“ Der Integrationslotse ist zuversichtlich, dass dieses Problem bald gelöst werden kann.

Dankbar für jede Hilfe Mit ein paar Anrufen konnte Hüttemann erreichen, dass Hassan Almustafa und die Großfamilie Hilfe bekommen. „Natürlich sind sie auch in der Selbstverantwortung, aber in der Grundausstattung steht ihnen die Unterstützung zu.“ Hassan Almustafa ist dankbar für die Hilfe. Für Hüttemanns Besuch hat er extra den Deutschkurs unterbrochen. Dabei braucht er die Sprachkenntnisse dringend. Der gelernte Metallbauer, der in Aleppo Vorarbeiter im Betrieb seines Bruders war, möchte auch in Deutschland möglichst bald wieder arbeiten. Am liebsten auf der Wolgaster Werft. Um den neuen Anforderungen gerecht zu werden, absolviert er täglich für eine Stunde ein Praktikum in einem Metallbaubetrieb. Warten fällt ihm schwer, seit seinem zwölftem Lebensjahr hat er in der Branche Geld verdient.

Arbeiten ist für ihn ein Muss, notfalls würde er auch sein Geld als Altenpfleger verdienen.

110-fach gefragt Die nächsten Besuche bei der Familie hat Sven Hüttemann schon vereinbart. Dann wird es darum gehen, die Kinder – bislang in der Schule Karlshagen – nach Wolgast umzumelden. „Um nach Karlshagen zu gelangen, müssen wir jetzt um 5 Uhr aufstehen. Da ist es noch dunkel und wir haben Angst“, sagen die Töchter Heba (14) und Rayan (16). Lediglich Beyen (17) besucht schon das Wolgaster Gymnasium.

Die Mädchen wollen möglichst alle studieren, am liebsten Ärztinnen oder Apothekerinnen werden. Ihre Deutschkenntnisse sind schon so gut, dass sie ihre Eltern als Dolmetscherinnen unterstützen können.

Hüttemann macht seine Arbeit Spaß. Zurzeit kommt sie rund 110 Flüchtlingen zugute. Nach fünfjährigem Aufenthalt in Afrika, Einsätzen als Werksleiter, Controller, Direktor des Ahlbecker Strandhotels und Personalvermittler auf internationaler Ebene sieht er in seinem neuen Job die Chance, viele seiner Erfahrungen einzubringen: „Am besten funktioniert Integration bei den Familien, wobei mir wichtig ist, ihnen nicht unnötig Verantwortung für ihr eigenes Leben abzunehmen“, sagt er.

Die Integration

7 Integrationslotsen hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald. Sie betreuen seit Juli 2016 Flüchtlinge, die eine Aufenthaltserlaubnis besitzen und sich in der Region integrieren wollen. Ihre Hilfe wird gebraucht. Sobald Flüchtlinge ihre Aufenthaltserlaubnis erhalten, kommen einige Herausforderungen auf sie zu: Sie müssen auf dem freien Markt eine eigene Wohnung finden, sich für einen Integrationskurs anmelden, Deutsch lernen und Angelegenheiten mit dem Jobcenter klären. Sie müssen unter Umständen auch eine Arztpraxis aufsuchen, mit einer Krankenkasse, einer Schule oder Kita Kontakt aufnehmen und möglicherweise eine Familienzusammenführung organisieren.

Angelika Gutsche

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