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Ostvorpommern Ein Honecker-Bild gibt Rätsel auf
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Ein Honecker-Bild gibt Rätsel auf
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00:00 15.09.2016

Echt oder nicht? Das ist die Frage, die Nick Spiegelmacher durch den Kopf geht, wenn er das Bild von Erich Honecker sieht. Die Aufnahme im DDR-Museum Neu Boltenhagen zeigt den einstigen Staats- und Parteichef als jungen Mann um 1950. Honecker, damals Funktionär des kommunistischen Jugendverbands FDJ, fährt Rad und hat es damit offenbar eilig.

Interessanter als das aber ist ein handschriftlicher Vermerk auf dem Zeitungsausschnitt. Eine Widmung, dem Anschein nach: unterzeichnet mit den Worten „Dein Kampfgefährte Erich“.

„Mein Vater“, sagt Nick Spiegelmacher, „ist überzeugt, dass das von Honecker geschrieben wurde.“ Er selbst, schränkt der 22-Jährige ein, habe da seine Zweifel. Ein Gutachter könnte Licht ins Dunkel bringen. Doch der würde sehr teuer sein. Wie überhaupt manches, was Nick Spiegelmacher und sein Vater Detlef gerne noch in ihrer Sammlung hätten. Der Karl-Marx-Orden etwa, bedeutendste und höchstdotierte Auszeichnung im früheren Arbeiter- und-Bauern-Staat. „Der wird mit mehreren tausend Euro gehandelt“, weiß Spiegelmacher-Junior und deutet unausgesprochen an, dass derlei Anschaffung für ihn noch nicht erschwinglich ist. Andere waren es: Die komplette Uniform eines Generalmajors der DDR-Grenztruppen etwa ließ sich der Auszubildende 1500 Euro kosten. Bezahlt hat er auch für den Vaterländischen Verdienstorden in Gold. Bis 1973 erhielten mit ihm Geehrte jährlich 1000 DDR-Mark. In den Jahren danach versüßte der Staat diese Auszeichnung mit einer einmaligen Prämie von 10000 Mark (Ost). Bei e-bay, dem Online-Marktplatz, wird der Orden heute für 240 Euro angeboten.

Informationen wie diese sucht der Besucher des kleinen DDR-Museums vergeblich. Noch fehlen Erläuterungen und hintergründige Geschichten zu dem, was man hier sieht. Interessant ist die Sammlung dennoch. Sie vereint mehr als 1600 Abzeichen, Medaillen und Orden der DDR. Plaketten, Anstecknadeln, Aufnäher und Ehrenzeichen. Dazu gut 50 Uniformen von Armee und Grenztruppen, Zoll und Rotem Kreuz.

Blusen, Halstücher, Wimpel und Fahnen der Pionierorganisation, Hemden der Jugendorganisation FDJ... Auch Maskottchen wie das der Leipziger Handelsmesse: ein Männchen mit übergroßem Kopf in Gestalt eines Globus. Es trägt einen blauen Hut und einen blauen Anzug, in der linken Hand steckt ein Koffer. 400 000 Exemplare kamen auf den Markt. Zwei davon stehen in Neu Boltenhagen. Auf Flohmärkten und im Internet erstanden Vater und vor allem Sohn so manche Rarität. Anderes erhielten sie geschenkt. So auch einen Anzug, den junge Arbeiter trugen, die von der DDR zum Bau einer Erdgasleitung in die damalige Sowjetunion entsandt worden waren. „Ein Mann aus Katzow überließ ihn uns.“ Ein anderer aus Greifswald schenkte dem DDR-Museum eine Uniform samt vieler Medaillen. Er selbst hatte sie einst getragen, bei den Grenztruppen.

DDR-Museum Neu Boltenhagen, geöffnet zum Dorffest am Sonnabend von 14 bis 18 Uhr und nach Absprache,

☎ 0152/ 52635118.5

Sven Jeske

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