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Ein Job für Leib und Seele

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Milchproduktion und Rinderzucht: OZ-Redakteur Kai Lachmann hat auf einem Bauernhof mitangepackt

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Mit dem Radlader durch den Stall, Futter ausbringen und einsammeln: Das macht OZ-Redakteur Kai Lachmann sichtlich Spaß!

Quelle: Fotos: Peter Binder

Stilow. „Guten Morgen die Damen. So, jetzt mal bitte alle die Köppe einziehen! Ich muss euch nämlich das Futter klauen.“ Gerade bin ich mit einem Radlader in einen Stall gefahren und hoffe, dass die Kühe meine Ansage verstanden haben. Mit heruntergelassener Schaufel fahre ich langsam die Reihe hoch, nehme die Reste von Gras- und Maissilage auf. Die Tiere hören tatsächlich auf zu fressen und treten einen Schritt zurück. „Sehr gut macht ihr das“, lobe ich das Vieh. Doch nicht alle sind so kooperativ. Eine Kuh hebt zwar den Kopf, aber nur, um dann weiter aus der Schaufel zu fressen. Das geht natürlich nicht. Ich steige ab. „Mensch, nu‘ hör doch mal auf zu naschen“, sage ich zu ihr und trete entschlossen auf sie zu. Sie dreht sich weg. „Na siehste, sind wir uns doch noch einig geworden.“

OZ-Bild

Milchproduktion und Rinderzucht: OZ-Redakteur Kai Lachmann hat auf einem Bauernhof mitangepackt

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Milchbauer

auf einem

Gehöft in Stilow

Serie

Ein Tag als. . .

In meinem Leben bin ich bislang weder Radlader gefahren, noch habe ich mit Kühen diskutiert. Aber beides gelingt mir ganz gut. „Immer mit den Tieren reden“, hat mir Landwirt Volker Magens vorher geraten. „Das ist wichtig für sie.“ Auf seinem Hof in Stilow bei Brünzow lerne ich die Arbeit eines Milchbauern kennen. Und was soll ich sagen: Das macht riesigen Spaß.

Magens will von 340 auf

450 Milchkühe aufstocken

Derzeit stehen in den sieben Ställen 340 Milchkühe, einige auch draußen. Hinzu kommt dieselbe Anzahl an Jungtieren. „Wir wollen weiter wachsen“, sagt der Landwirt. 450 Milchkühe sollen es werden.

Aber lohnt sich das überhaupt in Zeiten, in denen der Milchpreis rasant schrumpft? „Ende 2014 gab es 41 Cent pro Liter“, sagt Volker Magens‘ Sohn Christopher, der mit seinem Bruder Henning den Hof einmal übernehmen soll. „Jetzt gerade sind es nur noch 21.“ Aber was solle man machen? „Unsere Devise lautet: Einfach gerade durch“, meint der Vater. „Wir können nur zusehen, dass wir die Kosten gering halten. Wir haben uns zwar darauf eingestellt, dass der Preis sinken wird, aber langsam tut es weh.“ Spätestens zu Weihnachten gehe es wieder bergauf, so seine Hoffnung.

Zweimal am Tag wird gemolken. 8200 Kilogramm Milch kommen dabei zusammen. Am Computer kann Magens kontrollieren, welche Kuh wie viel Milch gegeben hat. „Ich sehe dann sofort, wenn etwas nicht stimmt.“

Die Zuchtbullen

stehen im Katalog

Neben dem Computer steht ein gasflaschenähnlicher Behälter. Als Magens den Deckel öffnet, kommt weißer Qualm heraus. Das sieht etwas geheimnisvoll aus, und in der Tat befindet sich darin so etwas wie ein Schatz: In dem Stickstoffkanister sind Gefrierspermaportionen von Zuchtbullen. Anhand eines Katalogs sucht Magens sich den Bullen aus. „Wir haben Fleckvieh. Die geben zwar ein bisschen weniger Milch als die Schwarzbunten, sind aber robuster und gesünder.“ Der Landwirt zeigt anhand einer Pipette, wie die künstliche Befruchtung abläuft. Sein Sohn greift dabei in den Darm der Kuh, um die Gebärmutter zu fixieren. Dann wird die Pipette in die Scheide der Kuh eingeführt und das angewärmte Sperma reingedrückt. Auch wenn das alles sehr steril klingt, bin ich ganz froh, dass ich das heute nicht machen muss. Sollte die Befruchtung erfolgreich sein, was meistens, aber nicht immer der Fall ist, bezeichnet man die Kuh dann als „belegt“. „Es ist wichtig, dass die Kühe schnell wieder befruchtet werd, weil sonst die Milchleistung abnimmt“, sagt Volker Magens.

Neun Monate dauert die Tragezeit. Nach der Geburt wird das Kalb von der Mutter getrennt. Die Muttermilch bekommt es aber trotzdem verabreicht. „Das ist wichtig für das Immunsystem, damit das Kalb gesund bleibt. Die Muttermilch ist die beste Medizin“, erklärt mir der Bauer. Die männlichen Kälber werden nach mehreren Wochen zum Weitermästen verkauft. Die weiblichen bleiben. Im Laufe ihres Lebens werden die Kühe immer wieder befruchtet. 42 Tage nach der Geburt steht die nächste Belegung an. „Einige bekommen bis zu zehnmal Nachwuchs“, sagt der Stilower.

20 Gramm Hefe pro Tier und Tag machen sich bemerkbar

Auf die Kühe kommt es an. Wenn es den Tieren gut geht, gehe es auch ihm gut, sagt Magens, während wir durch die Ställe gehen und kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. „Und es kommt darauf an, dass sie gut ernährt werden, denn das macht sich letztendlich an der Milch bemerkbar.“

Die Zusammensetzung des Kraftfutters — Getreideschrot, Soja, Rapsexpeller, Hefe, Salz und Mineralstoffe — übernimmt der Futtermeister. Wir verteilen währenddessen in den Ställen mit dem Radlader neue Gras- und Maissilage, die in mehreren Mieten auf dem Hof gärt. Der anstrengendste Teil der Arbeit sei es, diese langgezogenen Haufen mit Planen zu überziehen und diese dann mit Reifen zu überdecken, sagt Magens. „Das dauert gut drei Tage und wenn es nicht ordentlich gemacht ist, dann verdirbt das Futter.“ Das baut er selbst an und spart sich die Kosten fürs Zukaufen.

Dann darf ich mit einem großen Radlader noch zwei Strohballen auf einmal holen. Gar nicht so einfach, mit denen aufgespießt durch einen engen Stall zu fahren und nirgendwo hängen zu bleiben. Die Kühe ziehen vorsichtshalber schon mal die Köpfe ein.

Fazit: Milchbauer muss man mit Leib und Seele sein. Viel Zeit für andere Dinge bleibt da nicht. „Das ist Arbeit und Hobby zugleich“, sagt Magens. Die schönsten Momente seien die, wenn er sich Zeit für die Kühe nehmen kann — und dabei mit ihnen redet.

Familienbetrieb

1997 übernahm Volker Magens den Hof in Stilow mit seiner Familie. Vorher hatte er bereits in Schleswig-Holstein als Milchbauer gearbeitet.

Den in Konkurs gegangenen Hof machte er wieder rentabel und vergrößerte die Herde nach und nach. Vor dem Hintergrund des stark schwankenden Preises sagt der 59-Jährige: „Ich hoffe, dass ich später als Milchbauer in Rente gehen kann.“

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