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Einer, der die Stille liebt

Weitenhagen Einer, der die Stille liebt

Das kirchliche Einkehrhaus in Weitenhagen hat einen neuen Pastor: einen Mann aus Süddeutschland

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Der neue Leiter im 1972 gegründeten „Haus der Stille“ in Weitenhagen und zugleich Pastor im Ort: Michael Wacker.

Quelle: Sybille Marx

Weitenhagen. Als Pastor Michael Wacker und seine Frau Luise letztes Jahr das kirchliche „Haus der Stille“ in Weitenhagen ansteuerten, waren sie sofort fasziniert. Was für ein schönes Einkehrhaus! Was für eine einladende Pappelallee davor! Und wie verwunschen die schlichte Backsteinkirche von Weitenhagen daneben liegt, versteckt zwischen hohen, alten Bäumen .

Zur Geschichte des Hauses

1972 wurde das Haus der Stille gebaut. Der pommersche Bischof Friedrich-Wilhelm Krummacher wollte damit Spiritualität als Gegengewicht zu einem bloßen Reden über Gott fördern. 1987 übernahm das Ehepaar Breithaupt die Leitung.

1989 brannte das Haus fast vollständig ab. Beim Wiederaufbau wurde es von acht auf 20 Zimmer aufgestockt.

. .

„So eine Anlage ist deutschlandweit einmalig“, schwärmt Wacker. Aber nicht allein die Schönheit des Geländes war es, die ihn dazu brachte, jetzt im März tatsächlich das „Haus der Stille“ zu übernehmen und zugleich mit halber Stelle Pastor der evangelischen Kirchengemeinde vor Ort zu werden.

Weitenhagen liegt hunderte Kilometer von Michael Wackers bisheriger Heimat Baden-Württemberg entfernt, 56 Jahre lang hat er dort gelebt, evangelische Theologie in Tübingen studiert, als Pfarrer in Gemeinden bei Stuttgart gearbeitet. Die Arbeit mit Jugendlichen habe ihn immer besonders begeistert. „Be-geistert“, sagt Wacker, mit diesem typisch süddeutschen „e“.

Aber nun, mit 56 Jahren, sei es Zeit für etwas Neues. Und ein Einkehrhaus zu leiten, so ein moderndes Kloster auf Zeit, „das war schon lange mein Traum.“ Als junger Pfarrer hatte Wacker zum ersten Mal ein Schweigeseminar mitgemacht und seitdem immer wieder die Stille gesucht, sich in Rituale jahrhunderte alter christlicher Spiritualität versenkt. „Der Pfarrberuf ist so fordernd“, sagt er. „Ich habe gespürt, dass ich kaputt gehe, wenn ich keine Kraftquelle habe.“

In der Stille liege eine große Chance, findet er bis heute — und plant wie seine Vorgänger nun viele Seminare, bei denen das Schweigen großen Raum bekommt. Wenn der Lärm und die Stimmen des Alltags verstummten, meldeten sich Stimmen aus der eigenen Seele zu Wort, sagt der Pastor. „Dann begegnet man der eigenen Geschichte, kann schauen: Was ist eigentlich alles in mir?“ Schmerzliches könne hochkommen, Schweres, aber auch Schönes und Stärkendes. Als ausgebildeter geistlicher Begleiter will Michael Wacker Teilnehmern bei solchen Seminaren helfen, alles zu reflektieren. „Allein schon, wenn einem Dinge bewusst werden, kann das heilsam sein.“

Wackers Frau Luise arbeitet ehrenamtlich im Haus mit, seit dem 1. März haben die beiden nun die ersten Gäste begrüßt und wieder verabschiedet. Studenten von verschiedenen Kontinenten, die durch die Nordkirche reisten, nutzten die Einrichtung mit ihren 35 Betten als Unterkunft, die Suchthilfe Blesewitz ebenso. Außerdem fand ein Seelsorgeseminar statt . . .

Insgesamt zählt man im Haus der Stille über 2000 Übernachtungen jedes Jahr, Menschen aus MV, ganz Deutschland und sogar der Schweiz reisen an. Die meisten kommen aus kirchlichen Kreisen, aber Michael Wacker ist überzeugt: Auch für Menschen ohne kirchliche Erfahrung sind die Seminare in Weitenhagen interessant. „Gibt es überhaupt einen Menschen ohne Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung“, fragt er.

Dass er selbst nicht nur das Einkehrhaus leitet, Angebote konzipiert und hält, sondern mit halber Stelle auch Gemeindepastor im Ort ist, empfindet Michael Wacker als Spagat. Aber als einen, der wichtig ist, um den Kontakt zum Alltag nicht zu verlieren. Seine rund 500 Gemeindeglieder leben verstreut in neun Teilorten in und um Weitenhagen. „Ich möchte gerne zunächst Kontakte aufbauen zu allen Altersstufen und dann sehen, wo sich Schwerpunkte setzen lassen“, erklärt er. Mit der Gottesdienstgestaltung fange es an, der Seniorenkreis sei schon sehr lebendig. Wacker hofft, auch Kirchenferne kennen zu lernen. Die „Alten Herren“ im Fußball-Training hat er gleich mal besucht.

Von Sybille Marx

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