Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Fit wie ein Turnschuh – Usedoms ältester Fischer

Zempin Fit wie ein Turnschuh – Usedoms ältester Fischer

Hans-Georg Schätzchen (90) fährt seit 75 Jahren zum Fang hinaus / Auf Kormorane und bestimmte Segler ist er nicht gut zu sprechen

Zempin. Hellwache blaue Augen, glatte Gesichtszüge, dichtes weißes Haar. Mit einem weiten Schritt steigt Hans- Georg Schätzchen aus seinem Strandboot. Auf dem Kopf eine alte, mit Kordeln besetzte Schirmmütze, in der Hand einen großen Kescher.

„Opa geht wie ein junger Gott, bei ihm sitzt jeder Handgriff auf Anhieb“, verkündet Enkel Mario stolz. Opa hat stattliche 90 Jahre auf dem Buckel, exakt so viele wie die englische Königin Elisabeth II. Und er ist Usedoms (dienst)ältester Fischer, auf, inzwischen nur noch gelegentlichem, Fang im 75. Jahr!

„Den alten Heuer habe ich von meinem Vater Karl übernommen. Der und mein Großvater waren schon Fischer. Mein Sohn Karl-Heinz und mein Enkel Mario setzen die Familientradition fort“, so Schätzchen.

Früher fischte das Zempiner Urgestein auf Achterwasser und Ostsee, nach Hering, Flunder, Aal und Zander. Schätzchen war der Herr über 25 Reusen à 50 Meter Länge. „Unsere Reusen waren noch aus Baumwolle, damit fing ich fast sechs Zentner Aal mit einem Mal. Doch das Material war schnell mürbe und musste ständig geflickt oder neu übernäht werden“, erinnert sich Hans- Georg Schätzchen. Heute nutzt der alte Mann nur noch eine Reuse im Achterwasser, für den Eigenbedarf wie er sagt.

Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Usedomer Fischer stetig ab. „Nach dem Abzug der Armee aus dem Inselnorden wuchs dagegen die Zahl der Kormorane am Peenemünder Haken rasant. Die Vögel breiteten sich bald über die gesamte Insel aus. Zurzeit gibt es etwa 6000 bis 7000 in unserer Region“, weiß Schätzchen. Ihm zufolge gehen den verbliebenen Fischern im Bereich des Achterwassers jährlich 6000 bis 7000 Tonnen Fisch auf Grund der gefräßigen Kormorane durch die Lappen.

„Kormorane tauchen sogar in die Reusen und holen sich Aal, Zander und Plötz – vor allem die Jungfische“, sagt der Fischer. Auch durch unachtsame oder gar rücksichtslose Segler entstünden alljährlich große Schäden. „Mit ihrem Bootskiel schlitzen sie uns beim Überfahren die Netze auf, obwohl unsere Fischgründe deutlich mit farbigen Bällen markiert sind“, macht Hans-Georg Schätzchen seinem Ärger Luft. Hoffnung, dass es besser wird, hat er kaum. Denn die Anzahl der Skipper auf dem Achterwasser nehme ständig zu. Schätzchens Tipp: „Hinweistafeln in den Häfen sollten Bootsführer und Segler ausdrücklich über unsere Fanggebiete informieren.“ Früher, schildert der erfahrene Mann, standen im gesamten Achterwasser Fahrwassertonnen, die alle Nutzer auf die Wasserstraßen hinwiesen, doch die wurden nach der Wende entfernt. „Heute“, meint Schätzchen, „fährt jeder kreuz und quer, so wie er es gerade für richtig hält.“ Hinzu komme ein weiteres Problem, der so genannte Fischklau. Dabei begnügten sich diese „schwarzen Schafe“ der Zunft schon lange nicht mehr nur mit dem bloßen Entleeren der vollen, jedoch fremden Fischernetze. „Einigen Kollegen wurde sogar schon ihr gesamtes Fanggeschirr aus dem Achterwasser geklaut und dann von den Dieben weitergenutzt“, erzählt Hans-Georg Schätzchen aus eigenem Erleben. Früher seien „solche Typen“ auf Lebenszeit vom Wasser verwiesen worden, doch heutzutage dürften sie weiterfischen. „Ein Fischer hebt keine fremden Netze“, meint der rüstige Rentner. Das sei ein ungeschriebenes Gesetz, „ein Ehrenkodex in unserer Berufsgruppe“.

Peter Machule

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Barth
Pastorin Annemargret Pilgrim vor der Buchholz-Orgel in der Barther Marienkirche.

Morgen wird Pastorin Annemargret Pilgrim in den Ruhestand verabschiedet / Untätigkeit ist sie nicht gewohnt

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Ostvorpommern
Verlagshaus Greifswald

Johann-Sebastian-Bach-Str. 32
17489 Greifswald

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag
10.00 bis 17.00 Uhr
Freitag
10.00 bis 15.30

Leiterin Lokalredaktion: Katharina Degrassi
Telefon: 0 38 34 / 79 36 74
E-Mail: greifswald@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Physik,Kernphysik,Wendelstein,Plasmaphysik,Atome Teaser der den User auf die Themenseite führen soll image/svg+xml Image Teaser Wendelstein 7-X 2015-09-23 de Themenseite Wendelstein 7-X In der Fusionsanlage des Max-Planck-Instituts in Greifswald wird erforscht, ob sich die Kernfusion zur Energiegewinnung eignet. Hier finden Sie Artikel, Videos und viele weitere Informationen zum Thema.
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.