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Ostvorpommern Für diese Frau sind 400 PS kein Problem
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Für diese Frau sind 400 PS kein Problem
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00:01 02.04.2016
Katharina Hinz an ihrem Arbeitsplatz. Die Lenkräder der Busse sind nicht mehr so groß wie früher.

Der Preis liegt weit über 250 000 Euro. Dafür hat der Motor auch um die 400 Pferdestärken. Kaum ein Luxussportwagen bringt es auf solche Werte. Und auffälliger ist das Gefährt von Katharina Hinz dazu allemal: Die 26-Jährige ist die einzige Frau, die hier in der Region einen Linienbus fährt. Im Dienste der Verkehrsbetriebe Greifswald-Land (VBG-L) springt sie ein, wenn gerade Not am Mann ist. Ansonsten plant sie die Touren und Schichtpläne der Kollegen.

Katharina Hinz ist die einzige Linienbusfahrerin in der Gegend / Ein Job, der für viele nicht infrage kommt

Einen Spruch von wegen ,Frau am Steuer‘ habe ich noch nie gehört.“ Busfahrerin Katharina Hinz

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Mein Wagen

und ich

Mehr als fünf Jahre macht sie das nun schon. „Man sieht in dem Beruf doch schon das ein oder andere auf der Welt, selbst wenn man nur über die Dörfer fährt. Aber das sind Orte, in die ich sonst nicht gekommen wäre“, sagt Hinz. Und weil ihr der Job so viel Spaß macht, hat sie erst kürzlich ihren Führerschein verlängert. Anders als Autofahrer müssen Busfahrer alle fünf Jahre ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen.

Gegen Ende des Jahres wird sie die Arbeit von Einsatzleiterin Margitta Jürgens übernehmen. „Es ist gut, dass sie auch hinters Steuer kann“, meint die erfahrene Kollegin. „Wenn sich morgens ein Fahrer krankmeldet, kann sie einspringen und die Tour übernehmen.“

Doch der Job hat offenbar ein Attraktivitätsproblem. „In ein paar Jahren werden wir händeringend Busfahrer suchen“, blickt Jürgens voraus. Busfahren bedeute, auch an Wochenenden, manchmal sogar nachts zu arbeiten oder mehrtägige Touren ins Ausland zu machen. Zudem würden sich oft die Schichten ändern. „Der Führerschein kostet zwischen 5000 und 7000 Euro.“ Für viele klingt das erst mal abschreckend.

Hinz hatte Glück. Die Firma übernahm die Kosten für die Fahrerlaubnis. Wie viele Stunden sie benötigt hat, weiß sie nicht mehr. Aber nach nicht mal drei Monaten hatte sie die praktische Prüfung erfolgreich absolviert. Auf ihrer ersten Tour beförderte sie Schulkinder im Greifswalder Umland. Sie erinnert sich, dass die Kleinen sie mit großen Augen und offenen Mündern anschauten und fragten:

„Kommst du jetzt öfter?“

Der Schülerverkehr ist die Hauptaufgabe der VBG-L. Die Kinder seien auch die quirligsten Fahrgäste. Da müsse Hinz manchmal eine Ansage machen, damit die jungen Fahrgäste nicht während der Fahrt im Gang herumtoben. Rentnergruppen zu chauffieren sei hingegen eine sehr ruhige Angelegenheit. Doch egal, wen sie fährt: „Es ist faszinierend, dass die Leute ihr Leben in meine Hände legen. Dieses Vertrauen ehrt mich.“

Eine riesige Sonnenbrille trägt sie nicht, sie hört auch keine Countrymusik und fühlt sich nicht wie der King, pardon, die Queen of the Road. „Aber es ist schön, so hoch zu sitzen und einen guten Überblick zu haben.“ Privat fährt sie einen Opel Corsa. Das einzige Berufsklischee, das auf Katharina Hinz zutrifft: Sie grüßt alle anderen Busfahrer, die ihr entgegenkommen.

Von Kai Lachmann

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