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Gemeinde Bandelin rutscht in rote Zahlen

Bandelin Gemeinde Bandelin rutscht in rote Zahlen

Gewerbesteuereinnahmen sinken in diesem Jahr drastisch / Geplante Investitionen fallen vorläufig flach

Bandelin. Der Ort Bandelin unweit von Gützkow hat schon bessere Zeiten erlebt. In dem einstigen Vorzeigedorf mit moderner Milchviehanlage und regem Leben im Kulturhaus scheint die Entwicklung zu stagnieren. Lebten vor 1990 an die 1000 Menschen in der Gemeinde mit ihren Ortsteilen Schmoldow, Kuntzow und Vargatz sind es jetzt gerade mal 530. OZ sprach mit Bürgermeisterin Jana von Behren (46, Wählergruppe 2014) über Pläne, Sorgen und Hoffnungen.

An der Mühlenbergstraße, wo 2006 die Plattenbauten abgerissen wurden, entstanden zwei Einfamilienhäuser. Mehr als zehn Grundstücke sind noch frei. Wächst Bandelin wieder?

Jana von Behren: Schön wäre es. Doch die Fläche gehört nicht der Gemeinde, insofern weiß ich nicht, wie viele Interessenten es dort gibt.

Im vorigen Jahr wurde die Gartenanlage am Sportplatz eingeebnet. Sollten dort nicht auch Häuser entstehen? Ein privater Investor hatte eine Voranfrage gestellt, sich jedoch nicht wieder gemeldet. Als Gemeinde mussten wir die kaum noch genutzte Anlage einebnen, weil sie zunehmend zur Gefahr wurde. Es gab jede Menge Unrat und Ungeziefer. Wenn es nach mir ginge, könnte die Wiese bestehen bleiben. Ich finde eine Wohnbebauung an dem Standort nicht besonders geeignet.

Gibt es denn Anfragen von potentiellen Häuslebauern?

Ja, durchaus, immer wieder mal. Doch die Gemeinde hat leider keine weiteren Bauflächen.

Im vorigen Jahr investierte die Gemeinde in die Sanierung der Kita. Was steht 2017 auf der Agenda?

In der Größenordnung sind keine Investitionen möglich, da wir in diesem Jahr ein großes Minus im Haushalt schreiben. Den Einnahmen von 605000 Euro stehen Ausgaben von rund 1,3 Millionen Euro gegenüber. Im Haushaltsentwurf beträgt das Defizit damit rund 700000 Euro. Wir werden deshalb erstmals einen Kassenkredit in dieser Höhe aufnehmen müssen, um den Haushalt ausgleichen zu können.

Und welche Ursache gibt es dafür?

Laut Finanzamt wird unser einziger Gewerbesteuerzahler in diesem Jahr nur 200000 an die Gemeinde abführen. In der Vergangenheit lag die Summe wesentlich höher, 2016 bei fast 900 000 Euro.

Bei dem Unternehmen handelt es sich um die Milchviehanlage. Wissen Sie, warum die Steuerzahlungen so drastisch zurückgehen?

Nein. Wir vermuten, dass das Unternehmen durch seine Investitionen Steuerermäßigungen erhält. Auf dem Gelände wurde eine Biogasanlage gebaut. Die Gemeinde kann die Einnahmeverluste nicht wettmachen, zumal unsere Ausgaben gleichbleibend hoch sind.

Können Sie das näher erläutern?

Wie jede Gemeinde müssen wir verschiedene Umlagen abführen. Allein die Kreisumlage beläuft sich in diesem Jahr auf 370000 Euro, die Schulumlage beträgt 82000 Euro, die Amtsumlage 183900 Euro, um nur einige zu nennen. Diese Umlagen werden jeweils auf der Basis der Einnahmen von vor zwei Jahren berechnet. Da unsere Steuerkraft 2015 aufgrund der hohen Gewerbesteuereinnahmen sehr gut war, müssen wir 2017 so hohe Abgaben zahlen. Im nächsten Jahr wird das ähnlich sein. Ändern kann sich die Situation frühestens 2018, wenn die geringeren Steuereinnahmen zu Buche schlagen.

Wird sich die Gemeinde 2017 also rein gar nichts leisten können?

Nicht viel. Eigentlich wollten wir 50 000 Euro in die Kapelle Kuntzow investieren, sie gehört der Gemeinde. Doch daraus wird nichts. Auf jeden Fall möchten wir aber die Löschwassersituation in Vargatz verbessern. Dort wurde 2016 zwar ein Brunnen gebohrt, doch der funktioniert noch nicht. Die Sache muss zu Ende geführt werden. In den anderen Ortsteilen wurde das Löschwasserproblem mittlerweile gelöst. Gern würden wir im Gebäude der Kita Praxisräume herrichten, damit sich zumindest an einigen Tagen der Woche wieder ein Arzt in Bandelin niederlässt. Doch diese Ausgabe ist erst einmal fraglich. Für unseren Kommunaltraktor wollten wir einen Kehrmaschinenaufsatz kaufen, auch das fällt flach. Darüber hinaus müssen wir zumindest die Pflichtaufgaben erfüllen. Dazu gehören Feuerwehr, Winterdienst, Baumpflege.

Denkt die Gemeinde angesichts der Einnahmeeinbußen über eine Erhöhung der Steuerhebesätze nach?

Ja. Das Amt legte uns nahe, die Hebesätze zu erhöhen, zumal wir derzeit noch unter dem Landesdurchschnitt liegen. Bei der Grundsteuer A soll der Hebesatz von 300 auf 320 Punkte steigen, bei der Grundsteuer B von 373 auf 380 und bei der Gewerbesteuer von 340 auf 345 Punkte. Die Entscheidung fällt die Gemeindevertretung am 3. März, zusammen mit dem Haushalt.

Einst war geplant, die alte Kaufhalle abzureißen, um dort ein Gemeindezentrum mit Feuerwehr zu bauen.

Die Abriss- und Neubaupläne bestehen, allerdings soll es dort kein Gemeindezentrum mehr geben, sondern nur noch einen kostengünstigen Feuerwehrneubau. Dazu sind wir mit dem Landkreis im Gespräch. Ob sich da 2018 etwas dreht, kann ich noch nicht sagen.

Das Kulturhaus im Dorf steht seit Jahren leer, ist ein Schandfleck und wird zur Gefahr. Wann passiert dort etwas?

Auch hier sind wir nach wie vor mit dem Landkreis im Gespräch.

Nach letzten Informationen soll Bandelin 2017 ein schnelleres Internet bekommen. Steht fest, wann die Bauarbeiten beginnen?

Nein, wir sind ja nicht Bauherr. Ich hoffe, dass es bald losgeht. Ebenso mit der Gasversorgung, die Ausschreibung ist beendet. Das Unternehmen wird sicher in Kürze auf die Interessenten zukommen.

Petra Hase

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