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Ostvorpommern Großer Jubel in Neuenkirchen: Klassen kehrten in sanierte Regionalschule zurück
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Großer Jubel in Neuenkirchen: Klassen kehrten in sanierte Regionalschule zurück
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00:00 23.04.2013
Blau wie das Wasser des nahen Boddens an einem wolkenlosen Sonnentag: die sanierte Schule in Neuenkirchen. Quelle: Fotos: jes
Neuenkirchen

Mit einem Finger streicht Schulze über eine schneeweiße Tafel seines Fachraums. Wo der Finger langfuhr, erscheinen Striche und Kringel. Schulze könnte jetzt „Beethoven“

schreiben oder Noten zeichnen. Ganz ohne Kreide. Computertechnik macht es möglich.

Im aufwändig sanierten Regionalschulgebäude von Neuenkirchen hat sie nicht nur im Musikkabinett herkömmliche Unterrichtsmittel verdrängt. „Bei uns sind jetzt alle Klassenräume internetfähig. Wir denken darüber nach, eine I-Pad-Klasse einzurichten“, erklärt Schulleiter Bernd Leu.

14 Monate und 3,2 Millionen Euro hat es gebraucht, aus dem vormals schmutziggrauen und in Teilen völlig zerschlissenen Schulbau ein Haus zu machen, das hell und farbenfreundlich und bestens ausgestattet ist. „Wenn wir vor zwei, drei Jahren nichts unternommen hätten, wäre dieser Schulstandort gekippt. Jetzt ist er endgültig gesichert“, betont Neuenkirchens Bürgermeister Norbert Riechert.

Der Ruf der Schule sei zuletzt nicht der beste gewesen, was wesentlich mit ihrem baulichen Zustand zusammenhing, räumt Detlef Neumann, Vorsteher des Amtes Landhagen ein. „Fast vier Jahre haben wir um Fördermittel gerungen, um sie sanieren zu können“, erinnert er. Norbert Riechert und andere fuhren deshalb ein ums andere Mal nach Schwerin, wo sie in verschiedenen Ministerien vorstellig wurden. „Die Planung der Sanierung hatte schon begonnen, doch das Geld kam und kam nicht.“ Dann, im August 2011, wenige Wochen vor der Landtagswahl, ging alles ganz schnell. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) tauchte persönlich auf, um einen Bewilligungsbescheid über 1,15 Millionen Euro zu übergeben. Den großen Rest wollte das Amt über Kredite finanzieren.

Bevor die Arbeiten überhaupt beginnen konnten, lagen die Nerven der Akteure schon blank: Ein monatelanger Streit um den Brandschutz blockierte das Vorhaben und entzweite die Landkreisverwaltung und den Vorhabenträger, das Amt Landhagen. Während sich beide um fachliche Details stritten, machten Politiker die Schulsanierung zum Thema ihres Landtagswahlkampfes. Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU), die Landrätin des neuen Großkreises werden wollte, äußerte sich seinerzeit „enttäuscht über den vorherrschenden Bürokratiewirrwarr“. Zugleich bat sie Landes-Bauminister Volker Schlotmann (SPD), die oberste Bauaufsicht seines Hauses in die Angelegenheit einzuschalten. Auch die Sanierung selbst verlief nicht ohne böse Überraschungen: Das mit Arbeiten am Rohbau beauftragte Unternehmen ging pleite. Später, während der letzten Phase der Sanierung des Hauses, meldete auch noch die Malerfirma Insolvenz an.

All das ging an Niclas Segebard sprichwörtlich vorbei. Der Fünftklässler wurde in seinem ersten Halbjahr an der Neuenkirchener Regionalschule in einem Container auf dem Grundschulgelände in Dersekow unterrichtet. Dorthin waren die fünften bis zehnten Klassen aus Neuenkirchen vor nunmehr 14 Monaten verzogen, um unbeeinträchtigt von Baulärm und Schmutz lernen zu können. „Unser Klassenraum gefällt mir“, stellt der elfjährige Niclas nun bei seinem Rundgang durch das sanierte Schulhaus in Neuenkirchen fest. „Er ist größer als die Container in Dersekow“, erklärt der Junge. Die 16-jährige Laura Richter wird die neue Schule nur noch zwei Wochen besuchen. Dann endet für die Zehntklässlerin der reguläre Unterricht. „Irgendwie schade“, meint sie beim Blick in einen der jetzt hellen und freundlich wirkenden Klassenräume. „Es ist einfach toll, was hier passiert ist. Ich hoffe, dass die Schüler das schätzen.“

„Wir müssen jetzt erstmal ankommen“, sagt Schulleiter Bernd Leu. Noch wird vor dem Haus gebaut. Eine Firma ist dabei, die Flächen zu pflastern. Bis Anfang Mai soll das erledigt sein. Bis dahin hat Musiklehrer Wilfried Schulze auch die Sitzmöbel für sein Kabinett. Jeder Stuhl soll ein Schreibbrett haben und variabel im Raum aufgestellt werden können. Auch so eine Besonderheit im neuen Schulhaus von Neuenkirchen.

Sanierung mit Hindernissen
Beinahe vier Jahre lang bemühten sich Bürgermeister und die Verwaltung des Amtes Landhagen um Fördergeld für eine Sanierung der Regionalschule in Neuenkirchen.

Sieben Mal wurde allein Neuenkirchens Bürgermeister Norbert Riechert deshalb bei Ministerien in Schwerin vorstellig.

Für öffentlichen Streit sorgte das Ausmaß von Brandschutzmaßnahmen im Sanierungsobjekt. Der dafür zuständige Mitarbeiter der damaligen Kreisverwaltung Ostvorpommern lehnte das Konzept der Sanierungsplaner ab und forderte teure Nachbesserungen. Am Ende musste die Landrätin ein Machtwort sprechen.

Firmenpleiten beeinträchtigten die Sanierung. Erst meldete das mit dem Rohbau befasste Unternehmen Insolvenz an, dann noch ein Malerbetrieb.

Sven Jeske

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