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Gützkower spielt Fährmann auf der Peene

Gützkow Gützkower spielt Fährmann auf der Peene

In der Kleinstadt liebäugelt man mit einer Wiedereinrichtung der früheren Flussquerung.

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Die Gützkower Fähre vor gut 100 Jahren. Damals gab es auf der Gützkower Seite noch ein Gasthaus. Heute kündet an Ort und Stelle nichts mehr von der einstigen Flussquerung.

Quelle: Archiv Wolf-Dietrich Paulsen

Gützkow. Es ist nur eine Aktion. Doch womöglich wird mehr aus ihr. Mit einem Angelkahn will Thomas Thielicke am Ostermontag (1. April) unweit von Gützkow Spaziergänger und Radler über die Peene setzen. Für zwei Stunden möchte der 49-Jährige dann in die Rolle eines Fährmanns schlüpfen. Und so daran erinnern, dass der Fluss hier jahrhundertelang auf die gleiche Weise gequert werden konnte.

Bereits im 14. Jahrhundert sollen Mensch und Tier bei Gützkow mit einer Fähre von einem Ufer ans andere gebracht worden sein. Eine solche verkehrte noch nach dem Zweiten Weltkrieg hier. Damals gab es sogar ein Gasthaus am nördlichen Anleger. Weil es nicht mehr rentabel war, wurde es 1955 geschlossen. Wenige Jahre später stellte man auch den Fährbetrieb ein.

Heute, fast 60 Jahre danach, gibt es in Gützkow Interesse an einer Wiederaufnahme der einstigen Fährlinie. Thomas Thielicke, keine 800 Meter vom früheren Anleger zuhause, kann sich vorstellen, die Gützkower Fähre eines Tages neu aufleben zu lassen. Umstände sprächen dafür, zumindest im Sommer eine Peene-Querung hier einzurichten. Seit wenigen Jahren bemühen sich Gemeinden und Touristiker, die Flusslandschaft für naturnahen Urlaub zu erschließen. Inzwischen wird auf großen Messen für das Abenteuer Peene geworben. Allein, es fehlt noch an einem attraktiven Wegenetz für Wanderer und Radler. Die einen wie die anderen haben zudem keine Möglichkeit, den Fluss zwischen Stolpe und Jarmen zu überwinden. Eine Fähre käme da gelegen.

Thomas Thielicke will nichts übers Knie brechen. Auch weil er weiß, dass es einiger Aufwendungen bedarf, so eine Flussquerung auch nur zeitweise einzurichten. Die Peene ist Bundeswasserstraße. Um eine Fährverbindung auf dieser einzurichten, sind eine Reihe gesetzlicher Bestimmungen zu erfüllen. Letztlich ist auch der Betrieb von Fähren auf Bundeswasserstraßen per Verordnung bis ins Kleinste geregelt.

Daran dürfte sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Berichte, denen zufolge die Peene ihren Status als Bundeswasserstraße verlieren soll, wies Bundestagsabgeordneter Matthias Lietz (CDU) gestern als unzutreffend zurück. Zwar solle der Fluss im Zuge einer Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung als „Sonstige Wasserstraße“ eingestuft werden, doch auch als solche verbliebe er in der Zuständigkeit des Bundes, erklärte Lietz, der Mitglied imVerkehrsausschuss des Bundestags ist. Eine Konsequenz hätte die Einstufung dennoch: Als sonstige und damit in der Wichtigkeitsskala des Bundes ganz unten rangierende Wasserstraße würde die Peene von Berlin nur in ganz speziellen Fällen finanziell berücksichtigt. „Es wird in Zukunft darauf ankommen, wie das Land bestimmte Maßnahmen in Bezug auf den Fluss begründet“, macht Lietz deutlich. Ob die Einrichtung einer vor allem touristisch ausgerichteten Fährverbindung da Gewicht hätte, ist schwer abzuschätzen.

Thomas Thielicke möchte zumindest die Vision hochhalten. Mit seiner Aktion am 1. April werfe er, um im Bilde zu bleiben, einen ersten Stein ins Wasser. „Dann bilden sich ja Ringe und dann schauen wir mal.“

Gützkows Fähre
Jahrhundertelang setzte man mit einer Fähre über die Peene bei Gützkow. Ein Hinweis auf eine solche Querung findet sich bereits auf einem Dokument aus dem Jahr 1361. Als die Peene 1720 zum Grenzfluss zwischen Schwedisch-Pommern und Preußen wurde, entstand an der Gützkower Fähre eine Zollstation. Bis in die 1950er Jahre konnten Personen bei Gützkow über den Fluss setzen. Dann wurde die Fährlinie eingestellt. Bis heute fand sich kein Ersatz.

Sven Jeske

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