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Ostvorpommern „Hilfe, wir werden obdachlos!“
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern „Hilfe, wir werden obdachlos!“
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02:24 29.03.2014
Gestrandet in Vorpommern: Thomas und Tatjana Aßmann zogen mit ihren kranken Kindern der guten Luft wegen hierher. Nach einer wahren Odyssee muss die Familie nun befürchten, obdachlos zu werden. Quelle: Günther Manthei
Anklam

Sie kamen nach Vorpommern, damit es ihnen besser geht. Stattdessen nahm man ihnen alle Hoffnung. Passiert kein Wunder, werden Thomas und Tatjana Aßmann obdachlos. Es wäre ein Drama: Sie haben vier Kinder! Und eine wahre Odyssee hinter sich.

Thomas Aßmann ist 46 und schon Rentner. Ein stattlicher Mann, 1,93 Meter groß. Er war Forstwirt und Leiter eines Gebrauchtmöbellagers. Heute, sagt er, habe er sechs kaputte Bandscheiben und das Skelett eines 70-Jährigen. Seine Kinder — 15, acht, vier und zweieinhalb Jahre alt — litten alle unter Neurodermitis, einer entzündliche Hauterkrankung, die mit quälendem Juckreiz einhergeht. „Das ist der Grund, warum wir von Nordrhein-Westfalen in den Nordosten gezogen sind“, erklärt Aßmann. Salzhaltige Meeresluft, hätten Ärzte gemeint, würde die Beschwerden lindern.

Ein Haus auf dem Lande sollte es sein, möglichst Einzellage und küstennah: In Papendorf bei Lassan wurde Thomas Aßmann fündig. Im August 2012 zog die Familie um, ohne das Anwesen im 650 Kilometer entfernten Vorpommern zuvor besichtigt zu haben. „600 Euro Kaltmiete für 120 Quadratmeter erschienen uns vernünftig“, sagt Aßmann. Ein Trugschluss.

Die Neurodermitis der Kinder klang ab. Dafür, schildert der Vater, hätten sich andere Beschwerden eingestellt: „Unseren Körpern ging es nicht mehr gut. Eine bleierne Müdigkeit erfasste uns alle.

Die Kinder bekamen von Zeit zu Zeit Atemnot. Hinzu kamen starke Gelenkschmerzen.“ Bisher konnte kein Arzt eine treffende Diagnose erstellen. Kreis-Gesundheitsbehörde und das Kreis-Bauamt wurden eingeschaltet. „Untersuchungen ergaben, dass eine etwa 60 Jahre alte Fäkaliengrube am Haus undicht geworden und ihr Inhalt unter das Haus gesickert war.“ Dessen Innenwände seien zumeist mit Styropor verkleidet gewesen. Behördenvertreter entdeckten Schimmel. Der Familie rieten sie, so schnell wie möglich auszuziehen. „Ich habe den Mietvertrag daraufhin fristlos gekündigt und nach einer anderen Bleibe gesucht“, erläutert Thomas Aßmann. Wieder sollte es möglichst ein Haus sein. „Zwei meiner Kinder haben ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Sie sind hyperaktiv. Die brauchen Bewegung, müssen viel raus. Eine Wohnung in einem Plattenbau hätte uns deshalb nicht geholfen.“ Abgesehen davon, sagt Aßmann, hätten Behörden auch keine hinreichend große für seine Familie bieten können. In Wolgast fand er ein Haus zur Miete. Die allerdings überstieg das Wohngeld deutlich, dass der Landkreis Wenigverdienern wie Aßmann gewährt. Das zuständige Jobcenter in Wolgast stimmte einem Umzug der Familie in besagtes Haus deshalb nicht zu. In seiner Not wandte sich Thomas Aßmann im November 2013 an die Landrätin. Jene, sagt er, habe auch reagiert und das Jobcenter zum Einlenken bewegt. Trotzdem hätte seine angeschlagene Familie nicht umziehen können. Denn in der Zwischenzeit hätte der Eigentümer des Wolgaster Hauses nicht mehr vermieten wollen. „Stattdessen sollten wir es kaufen, was wir nicht konnten.“

Nun spitzte sich die Lage offenbar dramatisch zu. Thomas Aßmann: „Der Eigentümer des heruntergekommenen Hauses in Papendorf forderte uns auf, sofort auszuziehen. Da habe ich gedacht, eine Welt bricht zusammen. Ich habe versucht, ein Hotel oder eine Pension für meine Familie zu finden. Keiner wollte uns.“ Zwei Tage lang seien er, seine Frau und die vier Kinder quasi obdachlos gewesen. „Wir schliefen in unserem Kleinbus.“ Der Hauseigentümer in Papendorf habe derweil ein Verbot erwirkt, sein Anwesen zu betreten. Persönliche Sachen, die die Familie notgedrungen in einer Scheune des Anwesens zwischengelagert hatte, waren für sie unzugänglich.

Im Dezember strandeten die Aßmanns auf dem Campingplatz in Murchin. Dort kann man sich noch gut an sie erinnern. Sie bewohnten ein Ferienhaus, für 50 Euro am Tag. „Wir waren so froh, dass wir einen Schlafplatz hatten“, sagt Tatjana Aßmann. Länger als einen Monat seien sie dort geblieben. Danach seien sie finanziell am Ende gewesen. Thomas Aßmann kümmerte sich in dieser Zeit, wiedermal, um eine Bleibe. „Ich bewarb mich um Häuser, sprach bei Wohnungsgesellschaften und der Volkssolidarität vor. Nach vielen Absagen entdeckte ich ein leer stehendes Haus nahe Gellendin bei Anklam. Die Nachbarn wussten, wem es gehört. Ich wandte mich an die Besitzer, schilderte unsere Lage und bekam die Schlüssel für das Anwesen.“ Von Mietkauf sei die Rede gewesen, tatsächlich hätten auch diese Hausbesitzer nur verkaufen wollen. Nun sollen Aßmanns auch dieses Haus räumen. Vater Thomas ist verzweifelt: „Ich weiß nicht mehr weiter. Wir brauchen Hilfe, sonst stehen wir in wenigen Tagen auf der Straße!“

Haben Sie Wohnraum, den Sie der Familie anbieten können? Dann melden Sie sich in der OZ-Redaktion. Wir stellen den Kontakt her. ☎ 03834 / 793 687

Ich weiß nicht mehr ein noch aus.“Thomas Aßmann,
Familienvater



Sven Jeske

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