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Greifswald Ideen gegen den Pflegenotstand

Die Prognose für 2030 ist düster - doch der Landkreis steuert gegen

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Jenny Kempka vom Netzwerk Ilwia mit Fine. Auch dieses Therapietier gehört zu einer Musterwohnung, die Ältere unterstützen soll. FOTO: Dietmar Lilienthal

Greifswald. . Es ist eine Entwicklung, die Sorgen weckt: Im Jahr 2020 wird voraussichtlich schon einer von drei Menschen im Kreis Vorpommern-Greifswald älter sein als 65 Jahre. „Mit dem Alter steigt der Anteil der Pflegebedürftigen und Demenzkranken“, sagt Sozialdezernent Dirk Scheer. Und gleichzeitig nehme die Zahl der 20- bis 65-Jährigen in der Region ab, also die Gruppe der Arbeitenden.

Eine Riesenherausforderung: Wie können Verwaltungsmitarbeiter und Kommunalpolitiker verhindern, dass dadurch ein Pflegenotstand ausbricht? Wie stellen sie sicher, dass jeder Pflegebedürftige noch die Hilfe bekommt, die er braucht, auch auf dem Land?

Seit Jahren laufen dazu Forschungsprojekte und Umstellungsprozesse. Unter dem Motto „Pflegestärkung – starke Pflege im Landkreis“ fand nun gestern die 4. Pflege- und Gesundheitskonferenz in Greifswald statt. „Mit enorm hohem Zuspruch“, wie Dirk Scheer sagt. Über 150 Vertreter von Pflegediensten und Pflegekassen, Kommunalpolitiker, Unimitarbeiter und andere Fachleute kamen, um sich über die wachsende Herausforderung auszutauschen. Und über Ideen, die gegensteuern könnten.

Wie die des Netzwerkes „Ilwia“ zum Beispiel, das in Greifswald sitzt und Wohnungen mit technischen Hilfssystemen ausstatten könnte. „In Umfragen sagen 60 Prozent, dass sie in der Häuslichkeit alt werden wollen“, erklärt Sven-David Müller vom Gesundheitswissenschaftlichen Institut „Gewino“, das mit Ilwia zusammenarbeitet. „Und es wären sicher noch mehr, wenn sie wüssten, welche Möglichkeiten es schon gibt.“

In der Greifswalder Makarenkostraße kann man sie besichtigen, die altengerechte Wohnung der Zukunft von Ilwia. Sensoren und andere technische Hilfsmittel darin registrieren unter anderem: Hat der Bewohner den Herd ausgestellt, hat er die Wohnnungstür geschlossen, bewegt er sich überhaupt noch... Ist das nicht der Fall, meldet sich eine elektronische Stimme aus einer Box, in der alle Daten zusammenlaufen – im Extremfall geht eine Art Notruf an vorher bestimmte Stellen heraus.

Älteren Menschen könnte das helfen, länger selbstbestimmt zu Hause zu leben, meint Dirk Scheer. „Und das unterstützen wir als Landkreis.“ Bisher machen die Ilwia-Mitarbeiter allerdings die Erfahrung, dass Betroffene eher skeptisch sind. „Viele haben Angst vor der Technik und vor Überwachung“, sagt Müller. Darum sei es gut, dass Ilwia nun zusammen mit Gewino ein Pilotprojekt starte: 20 Wohnungen in Greifswald werden von der AOK mit dem Hilfssystem ausgestattet, die Erfahrungen der Bewohner werden ausgewertet.

Aber nicht nur mit diesem Modellprojekt, auch auf anderen Feldern sei der Landkreis ein Vorreiter, meint Dirk Scheer. So sei man etwa dabei, die Telemedizin auszubauen, die Pflegeausbildung attraktiver zu machen und die Integrierte Leitstelle mit neuen Aufgaben zu betrauen. Bisher koordiniert die Leitstelle vor allem den Einsatz von Feuerwehren, den Katastrophenschutz, das THW und den Rettungsdienst. Künftig sei denkbar, dort auch einen Koordinator anzusiedeln, der für Privatpersonen die Arzttermine auf dem Land koordiniert. „Da könnte dann jemand, der gesundheitliche Probleme hat, anrufen und die Leitstelle würde ihm sagen, wo er am besten hingeht und wie er dort hinkommt“, sagt Scheer. Seit dem Frühjahr laufe bereits eine Bestandsaufnahme zum Öffentlichen Nahverkehr.

„Wir müssen den Medizinverkehr verbessern“, sagt Scheer. Bisher gebe es Dörfer, aus denen Patienten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu bestimmten Fachärztem kommen könnten. „Solche Probleme müssen wir lösen“, sagt er. „Schließlich wollen wir, dass die Bevölkerung auf dem Land bleiben kann.“

Pflegebedürftige im Landkreis heute und im Jahr 2030

55324 Menschen im Kreis sind derzeit 65 Jahre oder älter. Im Jahr 2030 werden es voraussichtlich 67861 sein. Das geht aus der aktualisierten Pflegesozialplanung des Kreises hervor.

Ab 65 Jahre steigt der Anteil der Pflegebedürftigen erheblich an. In der Gruppe der Ältesten, ab 85 Jahre, ist fast jeder zweite betroffen.

Über 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, weniger als ein Drittel in Einrichtungen.

34 vollstationäre Pflegeheime gibt es, 90 ambulante Pflegedienste, zwei kleine Kurzzeitpflegeeinrichtungen und 22 teilstationäre Tagespflegestätten.

Sybille Marx

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