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Göslow Ihre Wohnstube kennen Tausende

In Göslow betreiben Elke Maier und Adolf Müller den ungewöhnlichsten Kulturtreff des Landes

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Wohl niemand im Kreis hat(te) so viele Besucher in seiner Wohnstube wie Elke Maier und Adolf Müller in Göslow.

Quelle: Sven Jeske

Göslow. Erwin Sellering war vorgewarnt. Folge der Ministerpräsident ihrer Einladung, hatte Elke Maier seiner Referentin zu verstehen gegeben, werde er wohl oder übel ins Schwitzen kommen. Ihre Stube sei klein und sie werde voller Leute sein.

Die vielen Begegnungen entschädigen uns für den Aufwand.“Elke Maier, Gastgeberin

Sellering kam: in Schlips und Kragen. Und er schwitzte, erinnert sich die Frau aus Göslow, 15 Kilometer südlich von Greifswald. „Nach 15 Minuten zog er sein Jackett aus, eine Viertelstunde später legte er auch seine Krawatte ab.“

Episoden wie diese haben Elke Maier (72) und ihr Partner Adolf Müller (76) einige auf Lager. Wohl niemand in und um Greifswald teilt(e) sein Wohnzimmer mit so vielen Menschen wie sie. Mehr als 5000 Besucher zählten beide in den letzten 15 Jahren. Und es werden stetig mehr. Denn alle vier bis sechs Wochen laden Maier und Müller zu Veranstaltungen in ihre eigenen vier Wände ein und das nun schon seit 2001.

Damals verteilten sie 40 Einladungen an Bewohner des Dorfes, zu einer Grillparty auf ihrem Grundstück. 25 Leute kamen. Und Elke Maier erklärte, sie wolle für „ein bisschen mehr Kultur“ sorgen und die Gemeinschaft fördern. „Mir war aufgefallen, dass der Kontakt unter den Leuten abgebrochen war. Viele kamen abends von der Arbeit nach Hause und machten die Tür hinter sich zu. Irgendwie war ein jeder mit sich selbst beschäftigt.“

Elke Maier ging das gegen den Strich. Sie selbst hatte viele Jahre als Lehrerin gearbeitet. In Greifswald, wo sie zuvor zu Hause war, mischte sie lange im Kulturbund mit. Als sie 1998 ins kleine Göslow zog, gab es da nur einen Landfrauentreff. Kaffeetrinken, Würfeln, Kartenspielen – zu wenig für die aufgeweckte und vielseitig interessierte Frau. „Ich wollte mehr Niveau. Deshalb begann ich, selbst etwas auf die Beine zu stellen“, sagt sie. Anfangs organisierten Maier und Müller Vorträge über die Geschichte des Dorfes und seiner Gegend. Es ging um Hünengräber, Sagen, Hexenprozesse, Baukunst ... Manchmal sprach jemand über sein für andere ungewöhnliches Hobby.

Nach einer gewissen Zeit waren die Themen aus dem unmittelbaren Umfeld der Göslower abgegrast. Elke Maier begann, anderes anzusprechen. Am 30. Januar 2004 begrüßte sie den damaligen Umweltminister des Landes in ihrem Haus. Wolfgang Methling (Linke) sollte über alternative Energiegewinnung, den damaligen Autobahnbau und den Tourismus sprechen. Ihm folgten unzählige, mehr oder wenige bekannte Referenten.

In Maiers Wohnstube las der Schriftsteller Hermann Kant, plauderten die heutige Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), Landrätin Barbara Syrbe (Linke) und Wolfgang Bordel, Intendant der Vorpommerschen Landesbühne Anklam. Hier gastierten Chöre und so manche Musikband.

Für Besucher war und ist der Eintritt immer frei, sie werden sogar verköstigt. Alles auf freiwilliger Spendenbasis. Wer möchte, steckt einen Groschen in eine Kiste. Meistens zahlen Maier und Müller drauf. Geld für die Referenten hat das Paar nicht. „Das sagen wir ihnen aber auch, wenn wir sie einladen.“ Die meisten kamen und kommen trotzdem. Auch weil Elke Maier am Ball bleibt. „Meine Frau kriegt alle!“, schwört Adolf Müller und lacht.

Für den heute 76-Jährigen ist jede Veranstaltung eine Herausforderung. „Über das Herrichten unserer Wohnstube vergeht schon mal ein Tag“, sagt er. Um Platz für 40, 50 Leute zu schaffen, müssen Couch und Tisch heraus- und viele Stühle hereingeräumt werden. Auch in der Küche sei dann viel zu tun. Damit Besucher ihre Autos auf dem geräumigen Grundstück parken können, hebt Müller ein ums andere Mal ein Segment des Gartenzauns aus seiner Verankerung. Wie lange er und seine Partnerin derlei noch stemmen können, ist ungewiss. Fast wäre 2016 das letzte Jahr in der Geschichte der ungewöhnlichsten Wohnstube im Landkreis geworden. Doch dann hatte Elke Maier schon wieder ein Programm zusammen. Es reicht bis zum Sommer 2017.

Sven Jeske

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