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Ostvorpommern Immer weniger Tante-Emma-Läden
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Immer weniger Tante-Emma-Läden
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00:10 08.02.2017
„Der Laden gehörte zum Dorfbild und war ein wichtiges Stück Infrastruktur. Die Schließung ist ein großer Verlust.“Klaus Buchheister, Bürgermeister von Kemnitz

/Krienke. Keine Einkaufsmöglichkeit, keine Postannahmestelle und keine Bankgeschäfte mehr: Seit Jahresanfang ist die kleine Verkaufseinrichtung in Kemnitz geschlossen. Der Betreiber, Fred Marienfeld, ist in den wohlverdienten Ruhestand gegangen. „Es ist ein großer Verlust“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Kemnitz, Klaus Buchheister.

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Im Kreis gibt es nur noch vereinzelt Orte mit kleinen Geschäften / Auch in Kemnitz schloss der Laden

Acht Jahre lang versorgte Fred Marienfeld seine Kunden fünf Tage pro Woche von 7 bis 17 Uhr und am Sonnabend von 8 bis 12 Uhr. „Es war ein Knochenjob. Nach der Öffnungszeit musste ich immer einkaufen fahren, um Ware für den nächsten Tag zu haben“, beschreibt er seine Tätigkeit. Seine Frau habe geholfen, wo sie konnte. Reich habe er davon nicht werden können, es hätte gerade so für sie beide gereicht. „Aber wir haben es gern gemacht. Es kam soviel Dankbarkeit zurück von den Kunden“, sagt der jetzt 65-Jährige.

Die Kunden – das waren zumeist die älteren Einwohner von Kemnitz und den umliegenden Dörfern wie Kemnitzerhagen, Neuendorf und Rappenhagen. Im Angebot hatte Marienfeld neben Waren des täglichen Bedarfs vom Brot über die Butter und Wurst bis hin zum Reinigungsmittel alles. Auch eine kleine Poststelle und eine Mini-Filiale der Volksbank waren in seinem Geschäft zu finden. „Die älteren Kunden waren froh, dass sie alles in meinem Laden beisammen hatten“, schildert Marienfeld. Besonders begehrt waren seine frischen Brötchen, „die habe ich nämlich immer selber gebacken“, sagt er.

Nun genießt der Rentner zusammen mit seiner Frau Marianne die neu gewonnene Zeit. Reisen wollen beide, die Kinder und Enkel besuchen. Und die Kemnitzer? „Tja, die müssen jetzt zum Einkauf nach Greifswald, Lubmin oder Wolgast fahren“, so Fred Marienfeld. Einen Nachfolger für sein Geschäft gibt es nicht. „Das will doch niemand mehr machen“, sagt er. Der Neffe, dem das Gebäude gehört, baut das Geschäft jetzt um und macht eine Wohnung daraus.

Mit der Schließung des Ladens in Kemnitz gibt es im Greifswalder Umland als „Tante-Emma-Laden“noch einen in Loissin, einen in Behrenhoff und den Gemischtwarenladen in Gristow. Das Geschäft existiert bereits seit 1977, seit 1991 wird es von Erika Ahrns betrieben. In anderen kleinen Dörfern rund um Wolgast oder auf Usedom sucht man vergeblich, Kundschaft und Kaufkraft reichen oft nicht aus, um einen Laden am Leben zu erhalten. Allerdings gibt es einen Zipfel im Landkreis Vorpommern-Greifswald, der kann gleich drei solcher Tante-Emma-Läden vorweisen: Der Lieper Winkel auf der Insel Usedom.

In Krienke, Warthe und Rankwitz betreiben agile Damen noch Einzelhandelsgeschäfte.

Ramona Schiemann (53) ist eine von ihnen. Seit September 1990 verkauft die frühere Verkaufsstellenleiterin des Dorfkonsums in Krienke Waren des täglichen Bedarfs, Wurst, Säfte, Zeitschriften, Back- und Süßwaren sowie weitere Artikel. „Älteren oder kranken Dorfbewohnern bringen wir den Einkauf auch direkt nach Hause“, erzählt sie. In ihrem Geschäft bietet sie auch einen kleinen Imbiss an.

Deshalb ist ihr kleines Einkaufsparadies schon morgens gut besucht. „Die Hälfte meiner Kunden kommt aus Krienke sowie den umliegenden Dörfern. Während der Sommermonate kaufen aber auch viele Urlauber und Durchreisende bei mir ein“, erzählt Ramona Schiemann, die ihre Einkaufsoase den Menschen im Lieper Winkel noch viele Jahre erhalten möchte.

In Kemnitz bedauern unterdessen viele Einwohner den Wegfall der bequemen Einkaufsmöglichkeit. „Das Geschäft gehörte zu unserem Dorfbild und war ein wichtiges Stück Infrastruktur. Ist es erst weg, kommt es meist nicht wieder“, meint Buchheister. Viele Gemeinden seien für Einzelhandelsansiedlungen zu klein. „Und dann ist ja die riesige Konkurrenz durch die Discounter. Wenn ein Betreiber nicht von seinem Geschäft vernünftig leben kann, macht es keinen Sinn“, findet Fred Marienfeld.

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