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Ostvorpommern Kampf gegen Biber beschäftigt die Kripo
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00:05 19.03.2016
Der Prägelbach bei Kühlenhagen. In der Mitte ist der jüngst zerstörte Biberdamm zu sehen. Quelle: Fotos: Wolfram Otto

Die Staatsanwaltschaft weiß Bescheid. Kriminalpolizisten ermitteln. Seit einem Jahr reißen bislang Unbekannte im Prägelbach bei Kühlenhagen (Gemeinde Katzow) ein ums andere Mal Dämme von Bibern ein. Dietmar Weier, Sachgebietsleiter Naturschutz beim Landkreis, spricht von Straftaten. Der Prägelbach sei Teil eines europäischen Naturschutzgebiets, der Biber selbst stehe unter Schutz. Seine Behörde habe die wiederholten Zerstörungen deshalb bei der Polizei angezeigt.

Geschützter und umstrittener Nager: der Biber.

Die neuesten Zwischenfälle liegen nur wenige Tage zurück. Im Februar war ein Hauptdamm der Nager mittig eingerissen worden. Die Tiere, schildert Wolfram Otto, ehrenamtlicher Naturschutzwart, hätten das Leck daraufhin geflickt. Anfang März schließlich beseitigten Unbekannte einen vier Meter breiten Biberdamm komplett. Der illegale Eingriff erfolgte in der Nacht.

200 Jahre lang galt der Biber in der Region als ausgerottet. 2014 wurde er erstmals wieder im Prägelbach gesichtet. Laut Wolfram Otto lebt dort ein Paar. Noch im Herbst habe es in seinem Bau, zu dem die Dämme zählen, Junge aufgezogen und gepflegt. Dass Biber in einem Schutzgebiet derart von Menschen bedrängt und beeinträchtigt werden, hält Otto für eine Schande.

Der jüngste Vorfall dieser Art ist nicht nur von der Naturschutzbehörde des Kreises angezeigt worden. Auch der Verein „Naturstation Peenetal“, in dessen Beirat so namhafte Naturschützer wie der vielfach geehrte Wissenschaftler Michael Succow mitarbeiten, hat Anzeige erstattet. Vereinsvorsitzende Geranda Olsthoorn, bekannte Diplombiologin mit herausragenden Fachkenntnissen zu Biber und Fischotter machte sich persönlich ein Bild von den Eingriffen im Prägelbach.

Derweil sorgt der Biber für einen politischen Schlagabtausch. Das Nagetier gefährde die öffentliche Sicherheit, warnte Beate Schlupp, Mitglied des Kreistags und agrarpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, zu Wochenbeginn. Das Tier unterhöhle Bahnanlagen und Deiche, zerstöre wasserwirtschaftliche Anlagen, wie Staue und Wehre und überflute landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Nutzflächen. Aus diesem Grund, erklärte Schlupp, habe sie sich an die Bundesumweltministerin gewandt, um eine rechtmäßige Bestandsregulierung zu erwirken.

Ursula Karlowski, umweltpolitische Sprecherin der Günen-Landtagsfraktion, kontert: Es gebe bereits effektive Gegen- und Schutzmaßnahmen bei potenziellen Biberschäden. So seien Eingriffe in Biberburgen und Biberdämme durchaus genehmigungsfähig, wenn nachgewiesen sei, dass ein Schaden drohe.

Im Falle des Prägelbaches bei Kühlenhagen drohe der keineswegs, macht Naturschutzwart Wolfram Otto deutlich. Behauptungen, durch die biberbedingten Anstauungen des Bachlaufs nehme die gleichfalls geschützte Bauchige Windelschnecke Schaden, seien schlichtweg falsch. „Das Gegenteil ist aus biologischer Sicht der Fall!“ betont Otto.

Wozu ein Damm?

Der Biberdamm ist wichtig für die Behausung der Nager. Deren Eingang befindet sich unter Wasser. Damit das so bleibt, baut das Tier einen Damm, der den Wasserpegel auf demselben Stand hält. Der Damm dient auch dem Schutz vor Feinden, die bei sinkendem Wasserstand in den Bau eindringen könnten. Um das Wasser zu stauen, stecken Biber Stämme, Äste und Zweige in den Grund eines Bachs und befestigen das Gerüst mit Schlamm, Steinen, Schilf und Anderem. Nicht immer bauen sie Dämme. Gefällt ihnen der Wasserstand, verzichten sie darauf.

Von Sven Jeske

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