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Ostvorpommern Kein Schülerticket für einen Sechsjährigen
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Kein Schülerticket für einen Sechsjährigen
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00:05 30.11.2017
Der sechsjährige Scott soll legal den Bus von Wackerow nach Neuenkirchen nutzen können. Quelle: Foto: Bernd Wuestneck/dpa
Wackerow

Ist der Landkreis Vorpommern-Greifswald kinderfeindlich? Für Wackerows Bürgermeister Manfred Hering sieht das zumindest bei der Schülerbeförderung ganz so aus.

Konkret geht es um die Ausstellung oder besser gesagt Nicht-Ausstellung eines Schülerbusfahrscheins für einen Grundschüler.

Der Fall: Der sechsjährige Scott Marquardt wohnt in Klein Kieshof, einem Ortsteil von Wackerow. Der Betrieb Greifswald Land der Anklamer Verkehrsgesellschaft fährt den kleinen Ort nicht an.

Stattdessen haben die Kinder laut Satzung des Kreises ein Anrecht auf eine Beförderung per Taxi vom Wohnort zur Schule und zurück. „Das ist immer so, wenn in der Nähe keine Buslinie vorbeiführt, nur wenige Kinder wohnen, die Straßen eng sind und es keine Wendemöglichkeiten gibt“, erläutert Kreissprecher Achim Froitzheim.

„Die Beförderung mit dem Taxi ist gar nicht nötig“, sagt Mutter Sandra Marquardt. „Ich fahre Scott nach Wackerow und dort steigt er in den Bus nach Neuenkirchen.“ Die Fahrer würden netterweise Scott bisher auch ohne Schein immer mitnehmen. Marquardts haben aber keinen Hortplatz in Neuenkirchen. „Wir sind froh, dass wir einen in Wackerow haben“, sagt die Altenpflegerin. Darum fährt Scott von der Schule nach Wackerow und nicht nach Klein Kieshof und wird dort wieder von den Eltern abgeholt. Wenn ihn das Taxi, wie in der Schülerbeförderungssatzung vorgesehen, nach Klein Kieshof fahren würde, bringe das nichts. „Wir arbeiten, mein Mann auch, er ist Dachdecker“, erinnert Sandra Marquardt. Das heißt, es wäre keiner Zuhause, wenn der Junge kommt. Marquardts wünschen sich, dass ihr Junge künftig immer legal den Bus nutzen kann.

„Ich werde Scott drei Mal in der Woche von Neuenkirchen zum Hort nach Wackerow fahren“, bot indes Manfred Hering auf der Sitzung der Gemeindevertretung an und bat andere Abgeordnete, seinem Beispiel zu folgen.

„Mir ist schon geraten worden, die Landrätin zu verklagen“, sagt Sandra Marquardt. „Wir verlangen doch nichts Unbilliges, der Kreis würde sogar Geld sparen. Uns ist nur auf die Füße gefallen, dass wir ehrlich waren“. Denn wenn Wackerow und nicht Klein Kieshof auf dem Antrag fürs Schülerticket steht, dann bekommt man den Schein ohne Probleme, bestätigt Manfred Hering. Dass die im Antrag genannte Straße nicht im Ort Wackerow, sondern in Klein Kieshof liegt, das falle den Kreismitarbeitern nicht auf. Bei anderen Kleom Kieshofern habe die Adressangabe Wackerow problemlos zur Ausstellung des Scheins geführt, so Marquardt. „Unsere Tochter Shana ist zum Glück aus dem Grundschulalter raus.“ Sie ist elf Jahre alt. Auch bei ihr habe die Kreisverwaltung zunächst wegen der Angabe „Klein Kieshof“ das Schülerticket abgelehnt, erzählt die Mutter. Aber nach Widerspruch gegen den Entscheid klappte es dann doch. „Jetzt bei Scott wird die Schülerbeförderung in Pasewalk bearbeitet“, erzählt die Mutter. „Dort pocht man auf die Paragraphen.“

Er könne aus Datenschutzgründen nicht zu jeder individuellen Beförderungslösung Stellung nehmen, so Kreissprecher Achim Froitzheim. „Da jeder Fall individuell geprüft wird, gehe ich davon aus, dass die zuständigen Kollegen auch hier die für alle Beteiligten, vor allem für den Schüler, die beste Lösung gefunden haben.“ Da kann Sandra Marquardt nur den Kopf schütteln. Genau das sei die Entscheidung des Kreises nicht.

Eckhard Oberdörfer

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