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Letzte Chance für Neuenkirchens Feuerwehr

Neuenkirchen Letzte Chance für Neuenkirchens Feuerwehr

Die zerstrittene Kameradschaft bekommt acht Wochen Zeit, um sich neu aufzustellen. Die Gemeinde will Greifswald bitten, vorübergehend den Brandschutz zu übernehmen.

Neuenkirchen. Die zerrüttete und derzeit nicht einsatzbereite Freiwillige Feuerwehr von Neuenkirchen (die OZ berichtete) bekommt wider Erwarten noch eine Chance, um ihre Streitigkeiten beizulegen und sich neu aufzustellen. Das hat die Gemeindevertretung am Donnerstagabend in Anwesenheit von mehr 40 Mitgliedern und Sympathisanten der ehrenamtlichen Kameradschaft beschlossen. Die soll nun acht Wochen Zeit haben, um ihre Verhältnisse zu ordnen.

Der Bürgermeister wurde beauftragt, möglichst bald eine Feuerwehr-Mitgliederversammlung einzuberufen. Um bis zur endgültigen Klärung der Situation den Brandschutz in der 2300-Seelen-Kommune abzusichern, will Neuenkirchen nun die benachbarte Hansestadt Greifswald um vertraglich abgesicherten Beistand ersuchen.

Nach anhaltenden Zwistigkeiten hatten in den vergangenen Tagen zwölf Kameraden ihren Austritt aus der Freiwilligenwehr erklärt. Zuvor hatten der Wehrführer und sein Stellvertreter ihre Ämter niedergelegt. Damit ist die Wehr führungslos. Um eine neue Leitung aufzubauen, müssten befähigte Kameraden demnächst Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule belegen.

Eigentlich hatten die Gemeindevertreter am Donnerstag über eine Auflösung der Freiwilligenwehr und die Bildung einer Pflichtwehr abstimmen sollen, um den Brandschutz wiederherzustellen. Doch wie bereits Tage zuvor sahen sie sich einem größeren Publikum gegenüber, das mit Unmut und Unverständnis auf alle Bestrebungen reagierte, die 86 Jahre alte Kameradschaft ohne weiteres Bemühen aufzugeben.

Offenbar beeindruckt vom anscheinend breiten Widerstand sprach sich der Vorsteher des Amtes Landhagen, Detlef Neumann, dafür aus, der Wehr Zeit zu geben, um aus ihrer verfahrenen Lage zu finden.

„Offensichtlich sind hier viele Leute, denen Brandschutz am Herzen liegt“, erklärte Neumann unter Beifall. Womöglich war das der Moment, in dem die Gemeindevertreter umschwenkten. Schließlich stimmte eine Mehrheit von ihnen dafür, die ursprüngliche Tagesordnung — Auflösung der Freiwilligenwehr, Bildung einer Pflichtwehr — abzusetzen und eine Mitgliederversammlung der angeschlagenen Wehr einzuberufen. Er sei sehr gespannt, „was sich da tut“, bekannte Neuenkirchens Bürgermeister Norbert Riechert schlussendlich. Gespannt ist man in Neuenkirchen auch auf den Ausgang eines Disziplinarverfahrens gegen zwei Kameraden, die die Geschicke der Wehr über Jahre maßgeblich mitbestimmten. Wegen finanzieller und anderer Ungereimtheiten waren sie vor einem Jahr vom Dienst suspendiert worden. Die Gemeinde schaltete die Kreisverwaltung ein, um die Vorwürfe auf neutralem Wege überprüfen zu lassen. Das Disziplinarverfahren werde noch acht Wochen andauern, informierte Hartmut Amtsberg, Leiter des Kreisamtes für Brand- und Katastrophenschutz, am Donnerstag. Näheres konnte und wollte er dazu nicht sagen. Sollten den betreffenden Kameraden Verfehlungen nachgewiesen werden, drohten ihnen unter Umständen Geldstrafen, merkte Amtsberg lediglich an. Seit vorletztem Dienstag schon hilft die Greifswalder Berufswehr, den Brandschutz in Neuenkirchen abzusichern. Bis auf weiteres.

Sven Jeske

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