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Ostvorpommern Loitzer Bücherschatz wird untersucht
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Loitzer Bücherschatz wird untersucht
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00:05 17.02.2017
Die Kunsthistorikerin und Mediävistin Britta-Juliane Kruse in ihrem Büro im Alfried-Krupp-Kolleg. Quelle: Foto: Eckhard Oberdörfer

In der Marienkirche der Peenestadt Loitz wird ein echter Schatz verwahrt: die historische Kichenbibliothek, gegründet von Herzogin Sophia Hedwig von Pommern-Wolgast. „Alle Bücher darin haben noch die historischen Einbände, das ist sehr selten“, sagt Britta-Juliane Kruse, promovierte Mediävistin und Kunsthistorikerin. Besitzvermerke und Namen ehemaliger Benutzer seien auf den Innenseiten dieser Einbände erhalten.

Wissenschaftlerin sucht in den Druckwerken nach Hinterlassenschaften früherer Leser

Kruse hat in den letzten Jahren für die berühmte Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel gearbeitet und ist derzeit Gastwissenschaftlerin (Fellow) am Greifswalder Alfried-Krupp-Kolleg. Ein Jahr lang befasst sie sich dort mit der „Erforschung und Erschließung der Kirchenbibliothek von St. Marien zu Loitz“. Am Ende ihrer Greifswalder Zeit soll ein Buch über die Büchersammlung entstanden sein.

Außerdem wird die Forscherin in einem öffentlichen Vortrag ihre Arbeitsergebnisse vorstellen.

In Vorpommern gibt es mehrere historische Kirchenbibliotheken. Auch in Wolgast und Barth haben die Bücher noch die alten Einbände. Dass die Loitzer Kirchenbibliothek von Sophia Hedwig von Pommern-Wolgast (1561 bis 1631) gegründet wurde, sei ein Glücksfall, schätzt Wissenschaftlerin Kruse ein. Sophia Hedwig, die Frau des Pommernherzogs Ernst Ludwig (1545 bis 1592), hatte ab 1611 ihren Witwensitz in Loitz. Der dortigen evangelischen Kirchengemeinde und deren Propst Julius Colerus (1579 bis 1642) habe sie eine Lutherbibel übergeben, die der Wolfenbütteler Hofbuchbinder Lukas Weischner eingebunden hatte.

Diese Bibel ist mit einem goldgeprägten Porträt ihres Vaters, Herzog Julius von Braunschweig-Lüneburg (1528 bis 1589), geschmückt. Andere Bücher gelangten mit Sophia Hedwigs Brautschatz vom Wolfenbütteler Hof nach Pommern. Vermutlich wurden sie später Teil der Bibliothek der Marienkirche, weitere Bücher kamen dann als Geschenke hinzu.

„Dank des Engagements der Herzogin weiß man viel über die Gründungszeit, über die Preise der Bücher, über die Bezüge zu Pastoren und historischen Persönlichkeiten“, sagt Britta-Juliane Kruse. Die Loitzer sammelten systematisch Bibeln und Schriften, die die Pastoren für die Erarbeitung ihrer Predigten benötigten. „An der Zusammensetzung der Bibliothek lässt sich das gelehrte theologische Wissen der Zeit ablesen“, sagt Kruse.

Aktuell untersucht die Forscherin die Bücher des 16./17. Jahrhunderts. Etwa 200 untersucht sie. Der Gesamtbestand liegt bei etwa 600 Büchern. In den Werken befinden sich besondere Schätze: zum Beispiel Zettel, Lesezeichen, gepresste Pflanzen, Briefe, sogar Haare, Anmerkungen der Nutzer, Unterstreichungen – alles Hinweise auf die Nutzungsgeschichte. Auch die Veränderung inhaltlicher Schwerpunktsetzungen lässt sich ablesen.

„Es ist eine funktionierende Handbibliothek von Geistlichen“, fasst Kruse zusammen. Unter den Büchern befänden sich viele Schriften großer Reformatoren wie Martin Luther, Philipp Melanchthon und des „Doctor Pomeranus“, Johannes Bugenhagen. Veröffentlichungen für Greifswald wichtiger Theologen wie Johannes Knipstro (1497 bis 1556, seit 1531 in Greifswald, später Generalsuperintendent und Professor) und Jacob Runge (1529 bis 1597) habe sie noch nicht gefunden. Runge war der Nachfolger Knipstros als Generalsuperintendent. Auf ihn geht die neue pommersche Kirchenordnung von 1563 zurück.

Für ihre Forschung fährt Britta-Juliane Kruse übrigens mit dem Bus nach Loitz. Die schöne Lage der Stadt gefällt ihr, sagt sie. Greifswald sei schön. „Ich habe mich schnell eingelebt. Man findet hier aufgeschlossene Kooperationspartner, und im Krupp-Kolleg werde ich sehr gut betreut.“ Dass sie nach Greifswald kam, hat nicht nur mit der eingangs erwähnten Verbindung Wolfenbüttel/Pommern zu tun. Britta-Juliane Kruse war schon bei einer großen Tagung zu Fürstinnen im Krupp-Kolleg zu Gast und hat gute Beziehungen zum hiesigen Mittelalterzentrum. „Mit Monika Schneikart forsche ich zum Briefwechsel von Fürstinnen“, erzählt sie. Auch für die Lehre der Universität Greifswald ist sie aktiv und bietet in Zusammenarbeit mit Prof. Monika Unzeitig Seminare an.

Eckhard Oberdörfer

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