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Ostvorpommern Medizingeschichte in Greifswald
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00:01 07.12.2017
Hartmut Bettin und Kathrin Pscheidl mit dem neuen Führer zur Medizingeschichte. Quelle: Foto: Eckhard Oberdörfer

Namen wie Gerhardt Katsch, Friedrich Loeffler, Ferdinand Sauerbruch, Theodor Billroth oder Paul Uhlenhuth sind auch heute noch bekannt. Fünf bedeutende Mediziner, die zumindest eine Zeit ihres Lebens in Greifswald verbracht haben. In der Universitätsstadt sind nach diesen Herren Straßen benannt.

Wer auf ihren Spuren durch Greifswald wandern möchte, der kann den grundlegend überarbeiteten Führer von Hartmut Bettin und Kathrin Pscheidl zur Hand nehmen. „Greifswalder Medizingeschichte. Medizin in Greifswald. Rundgänge durch die Geschichte“ ist im Logos-Verlag erschienen.

„Der vollständige Umzug aller Kliniken ins Klinikum war der Anlass, in zwei Rundgängen entlang der alten Medizinstandorte an die Tradition der Medizin in Greifswald zu erinnern“, sagt Bettin. „Es ist eine historische Bestandsaufnahme“. Über ein Jahr haben er und seine Kollegin an dem reich bebilderten Büchlein gearbeitet. Es ist ein Zeugnis dafür, wie stark insbesondere historische Krankenhäuser und Kliniken Teile der Stadt prägen. Erinnert sei nur an den Komplex von Klinikbauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der in dieser Geschlossenheit seinesgleichen in Deutschland sucht.

Bettin und Pscheidl führen auch zu frühen Epochen der Greifswalder Medizingeschichte und ihren Zeugnissen. So erinnert der Straßenname St. Georgsfeld an ein Grundstück des 1301 gegründeten Hospitals St. Georg. Dort wurden Leprakranke behandelt.

Die ersten Stadtärzte hatten noch keine Universitätsausbildung. Im ersten, 1295 begonnenen Stadtbuch wird ein Mathias medicus erwähnt.

Bei der Gründung der Greifswalder Hohen Schule im Jahre 1456 war die medizinische die kleinste Fakultät. Erster Professor war Vitalis Fleck. Erst im 16. Jahrhundert gab es zwei Professoren. Neben Ezechias Reich war das Franz Jöel, der ab 1551 bereits Ratsapotheker war und ebenso als Greifswalder Stadtphysikus wirkte. Diese Verbindung mit anderen Ämtern wie dem des Hofarztes, blieb in der Folgezeit erhalten.

Der auf dem Rubenowdenkmal verewigte Friedrich August Berndt wurde 1824 nach Greifswald berufen und übernahm zugleich die ärztliche Leitung des Landeslazaretts in der Kuhstraße. Die Einweihung des Universitätskrankenhauses an der heutigen Loefflerstraße 1859 hat er initiiert, aber nicht mehr erlebt. Als Berndt 1854 starb, war die medizinische mit fast 100 Studenten die größte Fakultät.

Bettin und Pscheidl gehen auch auf die NS-Zeit ein, als rassehygienische Lehren Teil des Unterrichts wurden. Ab 1835 gab es Zwangssterilisationen.

In dem Kapitel zur DDR erwähnen die Autoren das 1951 aufgegriffene Projekt einer „Universitätsstadt“ am Pommerndamm (jetzt Petershagenallee), um dem „in jeglicher Hinsicht herrschenden extremen Mangel“ entgegenzuwirken. Die Klinikdirektoren sollten detailliere Pläne ausarbeiten. Die Bemühungen der Unileitung scheiterten aber endgültig 1953.

Erst Ende der 1970er Jahre wurde wieder für die Medizin gebaut. 1987 erfolgte die Übergabe des inzwischen durch einen Neubau ersetzten Diagnostikzentrums. 2000 wurde der Grundstein für das neue Uniklinikum gelegt.

Einige ältere Zeugnisse der Historie

Im Hauptgebäude der Uni in der Domstraße befand sich das „Anatomische Theater“.

In der Kuhstraße 30 befand sich von 1781 bis 1825 das Landeslazarett, dann medizinisch-chirurgische Klinik, weitere Nutzungen folgten.

In der Domstraße 14 eröffnete Friedrich August Berndt 1826 das erste „geburtshilfliche Clinicum und Hebammeninstitut“. Die Frauenklinik

Wollweberstraße wurde 1878 eingeweiht.

In der Rotgerberstraße 8 wurde 1934 nach Erwerb und Umbau eines Gartenrestaurants ein neues zahnärztliches Institut in Betrieb genommen.

Das Buch: Hartmut Bettin, Kathrin Pscheidl: Medizingeschichte in Greifswald. Ein Rundgang durch die Geschichte, Logos-Verlag Berlin. ISBN-978-3-82325-978-3-8325-4175-0, 9,90 Euro

Eckhard Oberdörfer

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