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Nach acht Jahren: Abschied von der Vogelinsel

Greifswalder Oie Nach acht Jahren: Abschied von der Vogelinsel

Mathias Mähler, Leiter der Biologischen Station auf der Greifswalder Oie, verlässt nach intensivem Einsatz das Bodden-Eiland

Greifswalder Oie. Gestern war quasi sein letzter Arbeitstag, heute fährt Mathias Mähler mit Sack und Pack in seine Heimat nach Lengenfeld unterm Stein im Eichsfeld zurück. Am 1. Juni beginnt sein erster Arbeitstag in der Vogelschutzwarte Seebach bei Mühlhausen. Dort wird er eine neue Tätigkeit als Referent für zoologischen Artenschutz aufnehmen. „Ein Angebot, fast vor meiner Haustür, bei dem ich nicht nein sagen konnte“, begründet Mähler seinen Schritt.

Der 33-Jährige verlässt nach fast acht Jahren intensiver Tätigkeit als Leiter der Biologischen Station auf der Greifswalder Oie seine Lieblingsinsel sowie ein Zimmer mit Meerblick. Und: „Er wird eine Riesenlücke hinterlassen“, weiß Geschäftsführer Thorsten Hader vom Ahrensburger Arbeitgeber Verein Jordsand. Ihn eins zu eins zu ersetzen, werde Jordsand wahrscheinlich nicht gelingen. Aber man habe zumindest für ein Jahr eine personelle Zwischenlösung gefunden, so der Geschäftsführer.

Mathias Mähler hat Spuren auf der Insel hinterlassen: als Vogelberinger, Wissenschaftler, Hafenmeister, Organisator, Heizer, Touristenführer, Schäfer, Koch und Waldarbeiter. Bereits als 18-Jähriger lernte er die Oie im Greifswalder Bodden kennen. Ein Freund aus der ornithologischen Fachgruppe hatte ihm damals von der Insel erzählt. Hier beringte er seinen ersten Vogel – eine Gartengrasmücke.

Seither war er vom so genannten Oie-Virus befallen. Die Insel ließ ihn nicht mehr los. Nach abgeschlossenem Studium der Forstwissenschaften wurde er im November 2008 Leiter der Biologischen Station „Walter Banzhaf“ des Vereins Jordsand. Er versprach damals, dass er mindestens fünf Jahre bleiben wolle. Fast acht sind es geworden.

Wer am Mittwoch als Naturfreund mit der „Seeadler“ auf die Insel kam, konnte bei herrlichem Wetter ahnen, weshalb die Greifswalder Oie zu einer zweiten Heimat werden kann: Ein Schwanenpaar mit Gösseln sonnte sich am Strand. Unbemerkt, gleich neben dem Anleger, brütet – kaum zu glauben – eine Eiderente, drei Meter daneben eine Silbermöwe. Und während ein Mittelsägerpaar mit seinen Küken vor dem Fahrgastschiff flüchtete, sonnte sich auf einem Stein am Oier Riff eine Kegelrobbe. Weiter oben am so genannte Inselhof, der Heimstatt der Ornithologen und Helfer, zwitscherten hunderte Schwalben. Der als „Autobahnbau-Verhinderer“ bekannte Wachtelkönig schmetterte seinen Ruf in den wolkenlosen Himmel und Dutzende Heidschnucken-Lämmer sprangen auf der Koppel umher.

Wer im nahen Wald seine Runde drehte, wurde betört von einem duftenden und blühenden Bärlauchteppich und vom Leuchtturm aus, schweifte der Blick übers Meer Richtung Usedom, Rügen oder zur benachbarten Insel Ruden.

„Die Oie kann auch anders“, weiß Mähler. Insbesondere die Zeit ab November, wenn die Herbstberingung endet und es kalt und windig wird. Das weiß auch Meike Bothe. Die 24-Jährige aus Sachsen ist seit September auf der Oie und absolviert ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ). Sie ist die rechte Hand von Mähler, hat einen Bachelor-Abschluss als Forstwissenschaftlerin und hilft in diesen Tagen den Ornithologen bei der Frühjahrsberingung. Unter Mathias Mähler wuchs die Greifswalder Oie zur größten Beringungsstation Deutschlands. In Europa gehört sie zu den drei größten Vogelwarten. Mähler hat sich bei Behörden und Verbänden einen Ruf als verlässlicher Partner erarbeitet und sein Privatleben hintenan gestellt. Und er hat auf der Insel die Liebe seines Lebens gefunden. Sie ist auch eine Biologin und wartet jetzt dort, wohin er wieder zurück möchte, ohne allerdings seine Insel zu vergessen: in seine alte Heimat nach Lengenfeld unterm Stein in Thüringen.

Stefan Brümmer

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