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Ostvorpommern Namhafte Amerikaner in St. Marien
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Namhafte Amerikaner in St. Marien
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00:00 15.06.2017

Die Orgel ist das „Bachwochen-Instrument“ schlechthin: schier unerschöpflich in Repertoire wie Stilen und kaum zu übertreffen in ihrer raumfüllenden, so klangvariablen wie atmosphärischen Wirkung. Mit solchem Pfund lässt sich gut wuchern. So wie vorgestern in St. Marien. Amerikanische Orgelmusik und ein amerikanischer Organisten lockten in die Kirche.

Geoffrey Stanton, Komponist und Kirchenmusiker, ließ es allerdings geruhsam angehen, ehe er über doch marginale eigene Arrangements (Vivaldi und Händel) sowie zwei Choralvorspiele Buxtehudes und Bachs zum Eigentlichen kam: namhafte Amerikaner, hier aber unbekannt und im Programm musikalisch recht unterschiedlich repräsentativ wirkend. Zu den überzeugenden Ausnahmen zählten die klangattraktiven, in einer ausladenden Fuge apotheotisch glänzenden Variationen über Österreichs Nationalhymne von John Knowles Paine (1839-1906) sowie Stanton selbst (Jg. 1956). Er wusste als Organist und Komponist vor allem mit fantasievollem und umfänglichem Einsatz differenzierter Ausdrucks- und Registriermöglichkeiten für sich einzunehmen. Eventuelle Fragen nach der Spezifik amerikanischer Orgelmusik – falls es sie gibt – harren da noch weiterer Erhellung.

Im chorsinfonischen Abendkonzert sorgte dagegen das Thema „Reformation“ für unzweideutige Identitätsklärung. Zunächst mit Mendelssohns sogenannter „Reformationssinfonie“ op. 107 von 1830. Thematisch auf das 300. Jubiläum der „Augsburgischen Konfession“ gerichtet, durchdringt sie das klassische Sinfonieprinzip mit kirchenmusikalischen Zitaten und schwingt sich vom mahnenden, bedeutungsschweren 1.

Satz (mit dem „Dresdner Amen“) zur triumphal pathetischen Paraphrase über den Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ auf. Wahrlich wirkungsmächtig – und damit beste Vorbereitung für das spannendste Werk des Abends, Albert Beckers „Reformationskantate“ op. 28 von 1883, geschrieben zum 400.Geburtstag Luthers. Becker, gebürtiger Quedlinburger und späterer Berliner Domkapellmeister (1834-1899), hat hier ein äußerst expressives und fesselnd klangopulentes Werk geschaffen, höchst affektgeladen, klangmalerisch, auch schwärmerisch in Arien wie Chören, von geschmeidigem, dunkel leidenschaftlich glühendem Orchestersatz und werkbestimmendem nobel ernsten Einsatz Lutherscher Choräle. Eine bemerkenswerte, lohnende Neuentdeckung, für die sich unter Jochen A. Modeß Greifswalds Domchor, das Bachwochenorchester sowie Christine Wolff (Sopran), Bogna Bartosz (Alt), Christoph Rösel (Tenor) und Johannes Happel (Bass) nicht weniger leidenschaftlich einsetzten. Da blieb – zwischengeschaltet – die eigentlich zur Deformation geratene „Re-Formation“ von Bachs d-Moll-Toccata in Leopold Stokowskis heute skurril bis peinlich wirkender Instrumentation eher marginal.

Ekkehard Ochs

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