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Ostvorpommern Neu Boltenhagen am Ende?
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07:36 19.04.2013
Festumzug zum traditionellen Erntefest in Neu Boltenhagen: Die kleine Kommune ist zunehmend auf das Engagement ihrer B�rger angewiesen. Quelle: Eckhard Oberdörfer

Katerstimmung in Neu Boltenhagen: Nach den vorzeitig geplatzten Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit der Nachbargemeinde Katzow (die OSTSEE-ZEITUNG berichtete) macht sich bei Bürgermeister Siegfried Krüger (68) Resignation breit. „Seine“ Gemeinde (600 Einwohner) sei finanziell am Ende, gab der sonst zurückhaltende Kommunalpolitiker gestern zu verstehen. „Die Rücklagen sind aufgebraucht. Die Abgaben werden immer höher. Wie sollen wir da überleben?“

Wie andere Kommunen auch hatte Neu Boltenhagen dem finanziellen k.o.-Schlag durch eine Gemeindefusion entgehen wollen und seinen Nachbarn in Katzow den Zusammenschluss angeboten. Um Klarheit über die Stimmung in der Bevölkerung zu erlangen, ließ Katzows Bürgermeister Norbert Labahn daraufhin 175 Umfragezettel an alle Haushalte verteilen. Die Einwohner konnten so für oder gegen eine Fusion stimmen. Zwei Drittel beteiligten sich. Die Mehrheit war dagegen.

Das Abstimmungsergebnis von Katzow beeinflusste offenbar die Abstimmung in Neu Boltenhagen. Die war noch im Gange, als die mehrheitliche Ablehnung der Katzower bekannt wurde. Viele Bürger seiner Gemeinde hätten sich daraufhin gar nicht mehr zu einer Fusion geäußert, bedauert Siegfried Krüger. „Viele haben bekundet, dass eine Abgabe ihrer Meinungsäußerung ja keinen Sinn mehr ergebe, da das Ergebnis seitens Katzow ja feststeht.“ Trotzdem seien von 267 Meinungsumfragebögen 84 abgegeben worden: 67 pro Fusion, 17 dagegen. „Von Seiten der Einwohner von Neu Boltenhagen wäre eine Fusion demnach möglich. Aber hieran brauchen wir nun keine Gedanken mehr zu verschwenden“, stellt Krüger klar. Die Gemeindevertreter müssten nun ausloten, welche Möglichkeiten Neu Boltenhagen noch hätte, eigenständig und leistungsfähig zu bleiben. „Da wir keine Rücklagen mehr haben, sind wir zurzeit nicht kreditwürdig. Ohne Geld aber können wir nichts mehr investieren“, machte Krüger gestern deutlich. 20 Jahre sei er nun schon im Amt, mittlerweile aber tue sich in seiner Gegend kaum noch etwas. 2014 werde er nicht mehr für das Bürgermeisteramt kandidieren. Bis jetzt gebe es niemanden, der seine Nachfolge antreten wolle.

Dem Landkreis warf Krüger vor, seit vielen Jahren Prestigeobjekte wie den Flughafen Heringsdorf auf Usedom zu subventionieren. „Dieses Geld hätte er längst für den dringenden Ausbau maroder Straßen oder aber auch für den Bau von Radwegen im sogenannten Hinterland verwenden können.“

Dass kleine Gemeinden wie Neu Boltenhagen inzwischen nicht einmal mehr genügend Geld haben, um die Plichtaufgaben erfüllen zu können, sei ein Unding. „Mich ärgert das alles sehr“, bekennt Siegfried Krüger.

Sven Jeske

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