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Ostvorpommern Neue Datenbank spart viel Zeit und Geld
Vorpommern Greifswald Ostvorpommern Neue Datenbank spart viel Zeit und Geld
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00:00 01.12.2016
Dezernatscontroller Daniel Kasch erläutert, wo Sozialarbeiterin Annedore Schwan welche Daten findet. FOTOS (3): PETRA HASE

Vernachlässigung, sexueller Missbrauch, Drogenkonsum... Es gibt viele Gründe, Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder zu helfen. Meistens muss es schnell gehen.

Der Landkreis hat ein bundesweit einmaliges Portal entwickelt/ Das könnte Exportschlager werden

„Also sucht der Sozialarbeiter nach einem sofort verfügbaren Heimplatz oder anderen Hilfen, wälzt Ordner, sichtet Angebote und telefoniert mit freien Trägern, bis schließlich das Passende gefunden wurde“, sagt Dirk Scheer, Sozialdezernent in Vorpommern- Greifswald.

Doch mit diesem Prozedere ist nun Schluss. Der Landkreis entwickelte mit professioneller Unterstützung eines IT-Büros ein Onlineportal, „auf dem alle Daten tagesaktuell abrufbar sind und dadurch ein viel schnelleres Agieren ermöglichen. Damit erreichen wir zugleich eine sehr hohe Transparenz. Das ist bundesweit einzigartig“, versichert Daniel Kasch. Der Leiter der Stabstelle Controlling im Kreis hat das Portal maßgeblich mitgestaltet. Das Projekt, vom Sozialministerium des Landes nicht nur gefördert, sondern ausdrücklich begrüßt, nennt sich „SoJus“. Es betrifft den Bereich Soziales/Jugend und geht tatsächlich ab wie eine Rakete (siehe Infokasten). „Viele Kreise und Städte haben bereits ihr Interesse für unser Programm bekundet. Nach dem Probebetrieb, der mit dem Dezember endet, werden wir deshalb unser Portal vermarkten“, sagt Scheer und wundert sich, dass nicht schon andere Kommunen das System entwickelten.

Ein Stück weit ist es mit dem Buchungsportal von Reiseveranstaltern vergleichbar: Im Internet sind beispielsweise alle Anbieter von Hilfen zur Erziehung aufgelistet, also freie Träger der Jugendhilfe, dazu ihre Einrichtungen mit den dazugehörigen Daten, wie Gesamtkapazitäten, freie Plätze, Kosten pro Tag, Kontakte, Leistungsspektrum, ja sogar Fotos von Zimmern, Gemeinschaftsräumen und Außenanlagen. Die Datenpflege übernehmen die Träger selbst, auch die Abrechnung soll darüber in Kürze erfolgen. „Wenn ein Sozialarbeiter des Kreises beispielsweise eine Heimunterbringung für ein Kind sucht, kann er mit wenigen Mausklicks sehr schnell und effektiv herausfinden, wo wie viele Plätze frei sind“, sagt Jugendamtsleiterin Karina Kaiser. Mehr noch. „Er sieht auf einen Blick, welche Kosten die freien Träger pro Tag und für den gesamten Zeitraum dafür in Rechnung stellen“, erklärt Daniel Kasch. Während die Heimunterbringung im Zinnowitzer „Haus Möwennest“ vom Eisenbahner Wohnhort zum Beispiel 76 Euro pro Tag kostet, fordert der Verbund für Soziale Projekte für einen Platz in seinem Greifswalder Kinder- und Jugendhaus 143 Euro. „Der teuerste Träger stellt gar 340 Euro pro Tag in Rechnung“, sagt Scheer und fügt hinzu: „Unsere Sozialarbeiter sind angehalten, ihre Auswahl im oberen Drittel zu treffen.“

Denn klar ist: Das neue Portal soll nicht nur Zeit, sondern langfristig auch Geld sparen, ohne dass die Qualität leide. Der Kreishaushalt des Bereichs Jugend und Soziales umfasse im Jahr etwa 240 Millionen Euro. Das meiste Geld gehe für Pflichtaufgaben drauf, darunter die Hilfen zur Erziehung. „Wir haben kaum Spielraum für freiwillige Leistungen. Deshalb wollen wir mit Hilfe des neuen Portals Kosten sparen, um künftig unsere Sportler, die Jugendfeuerwehren oder andere Projekte mehr zu unterstützen“, betont der Sozialdezernent. Ziel sei es, pro Jahr mit dem Programm etwa 500000 Euro einzusparen. Bedeutet aber auch: Freie Träger werden ihre kostenintensiven Angebote überdenken müssen. Wer stetig teurer ist als die Konkurrenz, hat langfristig das Nachsehen. Um keinen vor den Kopf zu stoßen, sollen Gespräche helfen, sich auf die neue Situation einzustellen und Offerten anzupassen.

Doch das Potential von „SoJus“ erschöpft sich nicht im Bereich Hilfen zur Erziehung. Die Synergieeffekte, so Daniel Kasch, seien sehr groß. Andere Datensätze etwa sollen künftig die Arbeit von Mitarbeitern erleichtern, die mit Asyl und Integration zu tun haben oder mit Altenpflege. Dazu ist der Kreis laut Scheer auch bereits mit der Unimedizin Greifswald und dem Unternehmen Medigreif im Gespräch.

Soziales und Jugend im Landkreis

50000

Euro kostet im Bereich Hilfen zur Erziehung durchschnittlich ein Heimplatz pro Jahr. Doch es gibt enorme Unterschiede: Einige Träger bieten einen Platz schon ab 76 Euro pro Tag an, andere für bis zu 340 Euro. Die Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie kostet etwa ein Drittel der Heimkosten.

31 freie Träger gibt es im Kreis, sie bieten ambulante, teilstationäre und stationäre Hilfen an. 44 Sozialarbeiter des Kreises kümmern sich um die Organisation dieser Hilfen, fällen damit auch Entscheidungen über die anfallenden Kosten. Das waren zuletzt im Jahr 19 Millionen Euro.

50000

Euro gab das Sozialministerium für das Projekt. Der Kreis selbst finanzierte weitere 120000 Euro und will das Programm nun vermarkten.

Die webfähige Datenbank „SoJus“ bietet die Möglichkeit, landesweit alle Träger und Kommunen einzubinden und damit Vergleichsdaten zu erheben. Das Portal liefert Angebote und Kosten in Echtzeit, ermöglicht ein gutes Controlling.

Der Begriff Sojus ist nicht neu: es ist der Name einer Reihe von bemannten russischen Raumschiffen.

Petra Hase

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