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Polnisch im Aufwind

Neuenkirchen Polnisch im Aufwind

Paul will weitermachen. Im Sommer wechselt der zehnjährige Junge in die fünfte Klasse. Seine Chancen, auch dann Polnischunterricht zu erhalten, stehen gut. Denn Paul lernt in Neuenkirchen.

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Donnerstags haben Dritt- und Viertklässer Polnischunterricht in Neuenkirchen.

Quelle: Sven Jeske

Neuenkirchen. Paul will weitermachen. Im Sommer wechselt der zehnjährige Junge in die fünfte Klasse. Seine Chancen, auch dann Polnischunterricht zu erhalten, stehen gut.

Denn Paul lernt in Neuenkirchen. Die Schule dort ist weit und breit die einzige staatliche, die Kinder an die Sprache des östlichen Nachbarstaats heranführt.

Bis zu 25 Polnisch-Schüler zählt Karin Ritthaler, Lektorin am Universitäts-Institut für Slawistik in Greifswald, derzeit. Seit November 2011 vermittelt die aus Polen stammende Frau ihre Muttersprache an Grundschüler wie Paul. Zunächst waren es ausschließlich Zweit-, Dritt- und Viertklässler. Inzwischen sind fünf Erstklässler dabei.

Auch Lukas, Viertklässler wie Paul, würde gerne dabei bleiben. Schüler wie diese beiden sind die große Hoffnung von Karin Ritthaler. Denn finden sich genügend, wird der Polnischunterricht in Neuenkirchen im Schuljahr 2016/17 von der Grund- auf die Regionalschule ausgedehnt. „Mein Traum ist Polnisch von Klasse eins bis zehn“, gesteht Ritthaler. Nicht ausgeschlossen, dass er in Neuenkirchen wahr wird. Die Voraussetzungen hier sind gut.

Vor fünf Jahren hatte die Gemeinde ein Sprachlabor eingerichtet. Das umfasst mehrere medial ausgestattete Plätze für Schüler sowie einen für den Lehrer. Um den Kindern die nicht einfache Sprache nahezubringen, besorgte Karin Ritthaler seinerzeit das einzige extra für deutsche Grundschüler erstellte Polnisch-Lehrbuch, außerdem diverse polnische Computer-Software: Spiele, aber auch geographisches Material. Unterrichtet wird die Sprache zweimal in der Woche. Montags die Erst- und Zweitklässler, donnerstags Dritt- und Viertklässler. Darüber hinaus haben Kinder die Gelegenheit, Polnisch einmal pro Woche im Hort zu lernen, freiwillig und unverbindlich.

Maximilian (9) lernt Polnisch, weil man das „vielleicht später mal gebrauchen kann“. „Mama und Papa“, erzählt er, „waren nicht so überzeugt. Aber Papa meinte schließlich, Mama soll mich doch machen lassen.“

Vor 20 Jahren, schildert Karin Ritthaler, sei die Bevölkerung in und um Greifswald allem Polnischen gegenüber sehr verschlossen gewesen. Inzwischen gebe es keine Berührungsängste mehr. Dennoch: An der Vermittlung der polnischen Sprache hapert es nach wie vor. Kreisweit klafften große Lücken im Grund- und Regionalschulbereich. Nur einzelne Grundschulen, darunter jene in Neuenkirchen bei Greifswald, böten Polnisch an.

In Berufsschulen hingegen spiele die Sprache gar keine Rolle, stellte Juliane Bartels, Mitarbeiterin im Schulverwaltungsamt, unlängst klar. Vom Ideal eines Polnischunterrichts, der sich vom Kindergarten bis hin zur Berufsschule zieht, sei die Region weit entfernt.

Die Schule in Neuenkirchen könnte dazu beitragen, dem Ideal etwas näher zu kommen. Noch sei der Polnischunterricht hier ein kleines zartes Blümchen, so Karin Ritthaler. Doch das Blümchen wachse. „Es wird wohl noch ein paar Jahre dauern, bis es groß ist.“

Von Sven Jeske

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