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Ostvorpommern Rasenmähen als Ausgleich zur Politik
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03:49 31.08.2013
Matthias Lietz mäht gerne Rasen. Dann schwingt er sich auf seinen roten Rasentrecker und zieht Runde um Runde auf dem großen Grundstück, auf dem mittlerweile drei Generationen leben. Quelle: Cornelia Meerkatz
Lubmin

„Bevor die Plakate wieder am Pfahl hängen, möchte ich in meinem Wahlkreis überall einmal gewesen sein.“ Diesen Anspruch hatte der Christdemokrat Matthias Lietz, bevor der Bundestagswahlkampf begann. So ist er in den vergangenen Monaten und Wochen durch seinen Wahlkreis 16 gefahren — von Lubmin nach Wolgast und auf die Insel Usedom, von Anklam nach Jarmen und Demmin. Von Pasewalk nach Ueckermünde und an die Mecklenburgische Seenplatte. „Wenn ich unterwegs bin, vergeht kein Tag, wo ich nicht mindestens 200 Kilometer zurücklege.“

Matthias Lietz ist gerne auf Achse, „um den Menschen zuzuhören, mit ihnen zu sprechen und sie zu bitten, mich wieder in den Bundestag zu wählen“, sagt er unumwunden. Als er vor vier Jahren das erste Mal in den Bundestag gewählt wurde, war er der Neue, der Unerfahrene. „Ich weiß noch, dass ich mir vor der ersten Plenarsitzung ziemlich verloren vorkam. Ich kannte kaum jemanden“, sagt er. „Dann kamen zwei Bundestags-Urgesteine aus Bayern. Die haben mich in ihre Mitte genommen und mir das Berliner Politikgeschäft erklärt. Das war die beste Schule.“

Der 60-Jährige wurde Mitglied in den Ausschüssen für Verkehr, Bau, Stadtentwicklung sowie Angelegenheiten der Europäischen Union und stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen für Ernährung sowie Arbeit und Soziales. Wie gut kann er alle diese Aufgaben ausfüllen? „Ich muss mich entscheiden — auch mein Tag hat nur 24 Stunden“, bekennt er.

Verkehr und Bau hätten für ihn oberste Priorität. Er weiß, dass viele Kommunen hier vor Ort einen langen Wunschzettel haben, gerade was diese Bereiche angeht. „Der Bund muss sich auf die wirklich großen Projekte konzentrieren. Ortsumgehungen zum Beispiel“, sagt Lietz. Auch da gäbe es viele Begehrlichkeiten. „Doch andere Bundesländer machen es besser, die haben schon seit Jahren eine Prioritätenliste und bereiten ihre Forderungen bis ins Detail vor. Die finden sie dann auch im Bundesverkehrswegeplan wieder. Da hinkt MV noch ziemlich hinterher, auch wenn es jetzt endlich eine Prioritätenliste gibt.“ Auch auf anderen Gebieten, beklagt Lietz, laufe es für MV noch nicht rund im Bundestag. „Die Abgeordneten von hier — immerhin 15 an der Zahl, jetzt werden es durch den neuen Zuschnitt der Wahlkreise noch mehr — treten nicht gemeinsam auf. Das ist ein total verschenktes Pfund.“ Deshalb müsse sich niemand wundern, dass die Ortsumgehung Wolgast immer wieder nach hinten verschoben werde. Doch gerade weil es nicht einfach ist, für das kleine MV etwas in Berlin durchzusetzen, will er erneut im Verkehrsausschuss mitarbeiten.

Seit 40 Jahren lebt Matthias Lietz in Lubmin. Seine Frau Regina, die als Arzthelferin arbeitet, hat er hier kennengelernt. Nach der Hochzeit zog er mit auf den Hof der Schwiegereltern. Das große Grundstück ist heute Herberge für mehrere Generationen: die Schwiegermutter, Lietz und seine Frau, die Tochter mit Mann und Enkelin. Matthias Lietz genießt dieses Familienglück, zu dem auch sein Sohn mit Frau und Zwillingen in Norderstedt gehören. „Beim Rasenmähen, Äpfel pflücken oder beim Spielen mit meiner Enkeltochter kann ich wunderbar abschalten.“ Deshalb hat er sich angewöhnt, die wenigen Wochenenden, die er zu Hause ist, nur für die Familie zu nutzen. Während der Sommerpause des Parlaments war er öfter als sonst in Lubmin: „Da habe ich Jasmine Märchen vorgelesen und die Dreijährige morgens mit dem Rad zum Kindergarten gebracht.“

Matthias Lietz ist eine Frohnatur. Er lacht gern — auch mal über sich selbst, denn er findet, „wer sich zu wichtig nimmt, macht schneller eine Bauchlandung als er denkt.“ Dennoch ist er überzeugt, dass er zur Bundestagswahl keine Bauchlandung macht. Nach seinen Worten wissen die Leute in seinem Wahlkreis, dass er ein bodenständiger Typ sei. Nach der Wahl will Lietz weiter bei seinen Parlamentskollegen für seine „herrliche Heimatregion werben, damit ich Unterstützer habe, wenn es um den Bau von Ortsumgehungen und Radwegen geht“.

Serie

Bundestagswahl 2013

Zwölf Jahre Lubminer Bürgermeister
Matthias Lietz wurde 1953 im sächsischen Zittau geboren. Er absolvierte eine Berufsausbildung mit Abitur, lernte den Beruf des Schlossers. Danach studierte er Maschinen-/

Fahrzeugbau.


Er arbeitete im Landtechnischen Anlagenbau Rostock, Betriebsteil Wusterhusen, später beim DRK und beim Zweckverband Wasser/Abwasser. Von 1997-2000 absolvierte er ein Studium zum Verwaltungsbetriebswirt.

Als Lubminer Bürgermeister leitete er von 1992 bis 2004 die Geschicke im Seebad. Von 1994 bis 2009 war er Mitglied im Kreistag Ostvorpommern, 1999-2009 auch Kreistagspräsident. Von 2006-2009 gehörte er dem Landtag MV an. 2009 gewann er das Direktmandat für den Deutschen Bundestag, für den er jetzt erneut kandidiert.


Er ist katholisch, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und drei Enkel.

VIER FRAGEN AN...
. . . Matthias Lietz (CDU)

1. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Es war das Märchenbuch der Gebrüder Grimm, denn ich muss meiner Enkelin jeden Abend ein Märchen vorlesen, wenn ich zu Hause bin. Ansonsten interessieren mich die pommersche Geschichte und historische Romane. Ich lese außerdem jeden Tag viel Fachliteratur, damit ich im Verkehrsausschuss des Bundestages mitreden kann.

2. Was kommt sonntags bei Ihnen auf den Mittagstisch?
Ich esse alles, deshalb gibt es bei uns sowohl Fleisch als auch Fisch. Am liebsten mag ich den von meiner Frau zubereiteten Eintopf mit frischem Gemüse aus dem Garten und einem kräftigen Stück Fleisch darin.

3. Welche drei Politiker würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?
Angela Merkel, weil man mit ihr so wunderbar diskutieren kann. Volker Kauder, weil man von ihm lernen kann, wie man andere überzeugt. Und unbedingt auch Peter Altmaier. Der Mann hat eine Fähigkeit, Kollegen anderer Fraktion von einem Vorhaben zu überzeugen, das ist einfach begnadet.


4. Wohin sind Sie zuletzt gereist?

Die letzte große Reise mit meiner Frau liegt ein paar Jahre zurück. Wir waren in Australien. Für einen Kurztrip

fahre ich gern ins Zittauer Gebirge.

Im Frühjahr wollen wir nach Skandinavien. Vor drei Jahren war ich als Bundestagsabgeordneter in Peking und Schanghai.

Cornelia Meerkatz

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