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Rentner rettet kleinen Mauersegler

Hohendorf Rentner rettet kleinen Mauersegler

Sechsmal täglich hat Hubert Glawe den Jungvogel gefüttert. Nun wird das Tier flügge.

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Der junge Mauersegler während der Fütterung. Die Kost besorgt sich Hubert Glawe beim Zoohändler.

Quelle: Stefan Brümmer

Hohendorf. Der Mauersegler gilt nicht nur als Tausendsassa in der Luft, sondern auch als Sommervogel. Und trotzdem: Die noch nicht flüggen Jungvögel hatten dieses Jahr an extrem heißen Tagen ein Problem, sagt die Deutsche Gesellschaft der Mauersegler: Die Hitze in Nestern unterhalb von Dächern sei so groß gewesen, dass einzelne Jungvögel sich „Luft machten“. Nach Abkühlung suchend fielen sie aus dem Nest, verendeten am Boden.

Vielleicht war das auch der Grund, weshalb Hubert Glawe aus Hohendorf vor gut drei Wochen auf seinem Grundstück ein hilfloses Mauerseglerjunges am Boden liegen sah. Die Katze war schon im Anmarsch, der Jäger und Naturfreund aber schneller.

Glawe nahm den Vogel, informierte sich im Internet und versuchte, ihn am Leben zu erhalten. Der Mauersegler gehört zur Familie der Segler, steht biologisch gesehen den Kolibris näher als den äußerlich ähnlichen Schwalben. Braune Augen hat er, sichelähnliche Flügel und eher unterentwickelte Beine.

Aber wie päppelt man so einen Winzling auf? „Zuerst musste ich beim Füttern gewaltsam seinen Schnabel öffnen“, erzählt der Senior, „ich gab ihm vor allem Steppengrillen und Heimchen.“ Schon nach wenigen Tagen war der Kleine auf den Geschmack gekommen und riss den Schnabel auf, sobald Senior Glawe mit der Fütterung begann, sechsmal am Tag (!). Die proteinhaltige Kost holte der Mann beim Zoohändler, der das Problem mit den herausgefallenen Mauerseglern besonders aus Greifswald kannte. In der Stadt mit ihren alten Kirchen, Speichern und Gebäuden brütet der Mauersegler gern. „Was er nicht mag, sind aalglatt renovierte Häuser ohne Nischen und Spalten“, hatte der Händler gesagt.

Hubert Glawe hofft jetzt, dass der Jungvogel nächste Woche flugfähig wird. Muss er auch, denn der drittschnellste Vogel der Welt, der fast sein ganzes Leben in der Luft verbringt, dort Insekten jagt, im Fliegen schläft, ja sogar Liebe in der Luft machen kann, kommt immer erst im Mai zu uns und verlässt uns Anfang August wieder, Richtung Afrika.

Noch trifft er sich allerdings mit seinen Artgenossen zu „Schreipartys“. Pfeifend jagen bis zu 25 Vögel in Schwärmen besonders gerne durch die Straßen von Altstädten. Sie steigen bis auf 3000 Meter in die Höhe. Wenn sie 20 Lebensjahre erreichen, haben sie am Ende etwa vier Millionen Flugkilometer zurückgelegt. „Es wäre doch schade um den kleinen Kämpfer“, sagt Hubert Glawe und — so meint die OZ — um die Mühen seines „Vaters“ auch.

 



St. Brümmer

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